Team der Einrichtung wird von 50 Ehrenamtlichen unterstützt

Haus Jona feiert 30-jähriges Bestehen

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Zum großen Jubiläumsfest präsentierten auch die Tänzer des Barbarossa Promenaders Squaredance Club Gelnhausen ihr Können.

Obertshausen - Wenn Senioren den 30. Geburtstag feiern, dann meinen sie ihr Zuhause: Das Haus Jona wurde am 25. Mai 1988 eröffnet, jüngst feierte es den runden Geburtstag, der einen Blick auf die Entwicklung der Einrichtung eröffnet. Von Michael Prochnow 

Es ist nicht einfach nur die Mode reiferer Menschen. Der Anzug schränkt seinen Träger erheblich beim Laufen und in seiner Bewegung ein. Greifen ist schwierig, wenn man zittert, wofür in diesem Fall Elektroden sorgen. Die Brille des Anzugs, der Jüngeren das Älterwerden mit all seinen Einschränkungen simuliert, lässt einen fast nichts mehr sehen – das ist die Lebenswirklichkeit vieler älterer Menschen. Normalerweise versetzt Jochen Weimer vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben mit dem Beratungsteam für Altenpflege-Ausbildung Schüler in die Situation künftiger Kunden und Patienten. Im Haus Jona konnten Besucher in die Rolle von Senioren schlüpfen.

Sozialarbeiterin Hildegard Bühl brauchte diese Ausstattung nicht. Die langjährige Parlamentschefin und heutige Ehrenbürgerin hatte früh erkannt, dass Bürger im hohen Alter nicht an den Stadtrand abgeschoben werden oder bis in Spessart und Odenwald ziehen müssen, sondern am Leben teilhaben wollen. Sie überzeugte die Stadtverordneten, ein „Seniorendorf“ auf dem Sportplatz von Kickers Obertshausen zu errichten.

Am 22. November 1985 wurde der erste Spatenstich in den Fußballrasen gerammt, den die Stadt der Inneren Mission geschenkt hat. Die Sportler zogen an die Badstraße, die ersten Bewohner am 25. Mai 1988 ins Haus Jona, das gemeinsam mit der Stadt Mühlheim belegt wird. Der Bau hat 19,8 Millionen D-Mark gekostet, das Land trug 6,3, der Kreis zwei Millionen, die Städte Mühlheim und Obertshausen gaben zusammen 6,5 Millionen D-Mark und der Träger zahlte rund vier Millionen.

Die ersten Leiter waren Brigitte Knolle und ab 1992 Frank Kadereit. Nach mehreren Kollegen folgte 2013 Verena Straub. Sie sei seit 30 Jahren in der Pflege tätig, habe aber noch nie in einem Haus mit 50 Freiwilligen gearbeitet, lobt sie das Engagement von Angehörigen und Gruppen. Sie unterstützen die rund 100 Mitarbeiter, singen und basteln mit Bewohnern und führen die Cafeteria.

17 der 147 Bewohner haben ein Einraum-Appartement mit Küchenzeile gemietet. „Sie möchten die Annehmlichkeiten eines Pflegeheims nutzen, sind aber noch sehr selbstständig“, erklärt Verena Straub. „Die Kriegsgeneration war mit sehr wenig zufrieden, die Senioren von heute ziehen mit Laptop und Computer ein, fragen nach Events.“ Also gehen die „jungen Alten“ mit den freiwilligen Helfern shoppen oder aufs Weinfest.

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Das Haus Jona müsse sich darum stark verändern, demnächst beginne ein Umbau, der mehr Einzelzimmer schafft. Zudem gebe es nun Vegetarier und ein Drittel der Bewohner wie Heimbeirat Francisco Romero seien Migranten – „Herausforderungen, denen wir uns stellen“. So bereite die Küche täglich frische Mahlzeiten zu, Pflegekräfte leisten Einzelbetreuung. Doch leider kommen keine Fachärzte mehr in die Einrichtung.

„Wir bekommen sehr viele Anfragen nach betreutem Wohnen oder Wohnen mit Service“, schildert die Leiterin. „Der Bedarf ist da, wir haben aber ein Fachkraft-Problem“. Dem Berufsbild fehle die Attraktivität, da müsse die Politik etwas tun. Beim Festakt wies auch Dr. Klaus Bartl, einer der beiden Sprecher der Geschäftsführung der Mission Leben, darauf hin, „die nächste Generation kommt!“.

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