Magistrat soll mögliche Anreize für neue Mediziner prüfen

Hausärzte für Obertshausen

Obertshausen – Volle Terminbücher, kaum Nachfolger und Aufnahmestopps für neue Patienten – die hausärztliche Versorgung in der Region ist „nicht optimal“ wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) vergangene Woche auch unseren Redaktionskollegen aus Rodgau bestätigt hat. VON THOMAS HOLZAMER

Dort finden Patienten vor allem aus Altenheimen immer schwerer einen Hausarzt (wir berichteten).

Ähnliches gilt auch für Obertshausen, wenngleich die Situation sich bisher noch nicht als dramatisch darstellt. Um die ärztliche Versorgung auch künftig zu sichern und, wenn möglich, zu verbessern, soll der Magistrat nun Möglichkeiten prüfen, die Eröffnung oder Übernahme einer Praxis in der Stadt für Ärzte attraktiver zu machen. Den entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion haben die Parlamentarier mit Ausnahme der Grünen beschlossen. Diese sahen den Antrag als wenig zielführend an, wie Fraktionsmitglied Katy Walther erläuterte.

Während die Zahlen des Statistischen Landesamtes aus dem Jahr 2017 etwa für Heusenstamm und Dietzenbach eine leichte Überversorgung zeigten, seien Obertshausen und die Nachbarstadt Rodgau unterversorgt, hatte CDU-Fraktionsmitglied Carina Döbert-Haase bei der Vorstellung des Antrags im Sozialausschuss berichtet. Zudem gebe es zu bedenken, dass in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich 60 Prozent der heutigen Hausärzte aus Altersgründen in den Ruhestand gehen, ergänzte sie. Aus diesem Grund wollen die Christdemokraten gegensteuern und neue Mediziner mit Anreizen nach Obertshausen locken.

Wie diese aussehen könnten, darüber soll sich die Verwaltung auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung austauschen. Mit dieser sowie den in Obertshausen ansässigen Medizinern sei man bereits im Gespräch, erläuterte Bürgermeister Roger Winter.

Auf Kritik bei den übrigen Fraktionen waren zuvor einige Vorschläge gestoßen, die die Christdemokraten exemplarisch ihrem Ursprungsantrag aufgezählt hatten. Darunter etwa finanzielle Anreize wie die Übernahme von Umzugskosten, Honorarumsatzgarantien oder die Übernahme von Kosten für die Kinderbetreuung.

„Wir sind für die Prüfung, aber gegen finanzielle Anreize“, betonte Rudolf Schulz, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Obertshausen. „Wenn wir fehlende Ärzte mit finanziellen Anreizen locken, müssten wir das auch bei anderen Berufsgruppen wie Erziehern oder Handwerkern tun“, erinnerte er. Auch bei den Sozialdemokraten halte man nichts von monetärer Unterstützung für „Besserverdiener“, wie deren stellvertretender Fraktionsvorsitzender Walter Fontaine bekräftigte. Dies übernehme zudem schon die KV. Mit 50 000 Euro unterstützt die Kassenärztliche Vereinigung Mediziner, wenn diese in einem Gebiet mit Unterversorgung eine Praxis eröffnen. Auch im Kreistag werde das Thema ärztliche Versorgung aktuell diskutiert, sei dort richtig angesiedelt.

Bei Hausärzten von „Besserverdienern“ zu sprechen, sieht FDP-Fraktionschefin Elke Kunde angesichts der strengen Budgetierung bei den Kassenpatienten kritisch. Bei dem Problem handele es sich viel mehr um ein strukturelles. „Viele Ärzte wollen nur noch angestellt arbeiten“, erinnerte sie. Belastung, Druck und Verantwortung, die eine eigene Praxis mit sich bringe, wollten sich demnach nur noch die wenigsten aufbürden. Deren Eröffnung könne schnell rund eine halbe Million Euro verschlingen, ergänzte Axel Kuhn (FDP). Seien dann beispielsweise bis November die vorhandenen Budgets bereits ausgeschöpft, arbeiten viele Mediziner bis Jahresende quasi kostenlos und müssen sich gleichzeitig den Unmut von Patienten darüber anhören, keine Termine mehr zu vergeben.

Die Ergebnisse der nun beschlossenen Prüfung durch den Magistrat sollen den Parlamentariern in einer der kommenden Sitzungen des Sozialausschusses präsentiert werden.

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