Begegnungen rund um St. Pius

Hausener Kerb lockt Besucher mit viel Programm

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Ein paar Spritzer Gerstensaft schafften es beim Fassanstich durch Bürgermeister Roger Winter zwar nicht in den Krug. Doch mit zwei Schlägen braucht sich der Rathauschef nicht zu verstecken.

Obertshausen - Viel Freude und noch mehr freundschaftliche Begegnungen eröffnete am Wochenende die Hausener Kerb. Der Vereinsring führte den Kerbborsch in einen Festgottesdienst und auf den Kirchplatz von St. Pius, auf dem acht Vereine Leckereien anboten. Von Michael Prochnow 

Was hat die Kerb mit Chemnitz zu tun? In der sächsischen Großstadt ziehen Gruppen durch die Straßen und fordern auf Schildern „Ausländer raus“, rief Pfarrer Christoph Schneider ins Gedächtnis. Die Schilder jedoch, die den Kerbborsch begleiteten, zeigen die Logos der Vereine, die das Fest mitgestaltet haben. Und die stehen für Vielfalt und Integration. Der Seelsorger sah darin ein „wunderbares Zeichen“ und wandte sich damit unmissverständlich gegen Volksverhetzer. „Hier herrscht nicht Einfältigkeit“, stellte der Hausherr klar, „die Kerb ist ein Fest der Vielfältigkeit, ein kleines Europafest“. Ihr Ursprung sei das Haus Gottes, „ein Weiheraum, ein Raum der Begegnung zwischen den Menschen und Gott“, und so sei auch die Kirchweih „immer noch ein Fest der Begegnung“.

Mit dem Beispiel des Fußball-Bundestrainers Jogi Löw demonstrierte Schneider, „Analysen dienen der Zukunft, auch die Vergangenheit bestimmt die Zukunft“. Der Mensch müsse fähig sein zu Analyse und Selbstkritik, aber auch dazu, Wünsche zu äußern und Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie bitter sind, „Haltung einzunehmen, bereit sein, der Realtität ins Gesicht zu schauen, Dinge beim Namen zu nennen“. Das gelte auch für die Verantwortlichen in Chemnitz und ganz Sachsen.

Letztlich dürfe man jedoch „nicht den Kopf hängen lassen, auch wenn der Hals dreckig ist“. Bürgermeister Roger Winter nahm sich die Predigt zu Herzen und schlug den Holzhammer kraftvoll auf den Hahn am Bierfass – ein Versuch und ein paar Spritzer später floss der Gerstensaft. Der Rathauschef lobte die „gute Einstimmung“ in der Messfeier, dankte dem Vorstand des Vereinsrings, der einen „sehr, sehr guten Job“ mache und für eine „wirkliche Bereicherung“ der Stadtkultur sorge.

Für das „schäumende Fest“ sorgte zuvorderst das Blasorchester, das zusammen mit Vertretern der Vereine den Kerbborsch zu seinem Thron auf der Bühne begleitet hatte. Von dort hieß Vereinsring-Vorsitzender Luis Galvez unter vielen Besuchern auch Bundes-, Landes- und weitere Stadt-Politiker auf dem „wunderschönen Platz“ willkommen. Ohne die Familien Traber, Klein und Heinrich gäbe es keine Mini-Schiffsschaukel und -Kettenkarussell sowie die Buden mit Spielen und Süßigkeiten. Bei den Anwohnern in der Nachbarschaft warb er um Verständnis für den Trubel und lud ein, „feiert die zwei Tage bei uns“.

Michael Jentzsch von der Jugendförderung der Stadt startete mit Tourenleitern des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), das Stadtradeln. 13 Fahrer brachen zu einer Tour rund um Obertshausen auf. Für den Wettbewerb, der bis zur Obertshäuser Kerb läuft, können sich noch Teams anmelden.

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Auf dem Kirchplatz und der Wiese daneben schenkte die Turngesellschaft Hausen Getränke aus, hatte die Kolpingfamilie Hausen einen Weinstand aufgebaut, bereitete der ZVB Crêpes, Kaffee und Tee, verkaufte der Event-Kulturklub Gyros, Fischbrötchen, dunkle Biere und Cocktails. Die Bundeswehr-Reservisten hatten ihre Suppenküche aufgestellt, die Sängerlust Hausen brutzelte Steaks, Hackbraten und Pommes.

Der Vorstand der Teutonia Hausen gewann Wirt Ferhat Karalik vom Kebab-Restaurant an der St. Josefskirche. Damit gelang nicht nur eine kulinarische Bereicherung, die Sportler demonstrierten obendrein die von Pfarrer Schneider genannte Begegnung. Der Familienverein Tausendfüßler schminkte am Sonntag Kindergesichter. Stimmung erfüllte das Gelände am Samstagabend, als die achtköpfige Band Roxone aktuelle Hits und Oldies spielte. Dem folgte Trauer, als gestern Abend der Kerbborsch zu Grabe getragen wurde.

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