Miteinander, Austausch und Begegnung mit Migranten

Hausener Pfarrfest mit viel Tradition

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Der Frauenchor Canto Felice der Sängervereinigung Hausen mit Chorleiterin Pavlina Georgiev präsentierte beim Hausener Pfarrfest Hits von ABBA.

Obertshausen - Das Hausener Pfarrfest wird seit mehr als 60 Jahren hinter der St. Josefskirche gefeiert, pflegt also eine lange Tradition, gefällt aber immer wieder mit neuen Ideen. Seit einigen Jahren startet das Treffen in einer sehr familiären Atmosphäre. Von Michael Prochnow 

Das Ehepaar am vordersten Tisch reicht eine Schale mit gefülltem Gebäck nach schlesischem Rezept weiter. Im Gegenzug landet eine Dose mit Brezeln auf der Tafel. Salatschüsseln werden von der Plastikfolie befreit, Papierteller und Gabeln bereitgelegt, damit ein jeder kosten kann. Bier und Limo gibt’s beim Picknick gegen eine Spende. Es sind viele bekannte Gesichter, die sich im Pfarrgarten beim Hausener Pfarrfest zusammensetzen, aber auch einige neue Gemeindemitglieder.

Das ist den Gastgebern der Pfarrei Hausen wichtiger als eine prall gefüllte Kasse, das Miteinander, der Austausch und die Begegnung mit Migranten, die sich oft noch nicht angekommen fühlen. Ihre Offenheit zeigte die Gemeinschaft auch mit Fahnen aller Herren Länder, die über dem Eingang zum Garten wehten. „Verstanden haben wir das damals nicht“, sagt Markus Buhro, der im Freiluft-Gottesdienst den Apostel Bartholomäus verkörpert. „Er hat uns begrüßt, Mut gemacht und in alle Welt geschickt“, beschreibt er die erneute Begegnung mit Jesus Christus nach dessen Auferstehung.

Beim Hausener Pfarrfest darf ein spritziger Fassanstich nicht fehlen.

Heute folge er diesem Auftrag, zu den Menschen zu gehen, „ich kann gar nicht anders“, erklärt der Jünger seine Begeisterung für die Frohe Botschaft. Auch drei Gruppen Jugendlicher haben sich auf den Weg eingelassen, stellte Diakon Andreas Quandt die Teenager vor, die sich auf den Empfang des Sakraments der Firmung vorbereiten. Auch dieser Schritt sei Sache der ganzen Gemeinde, die Anteil nehmen möge, wenn die jungen Leute über Sinn und Ziel des Lebens nachdenken und den Glauben näher kennenlernen.

Am darauf folgenden Tag standen die Begegnungen im Zeichen der Geselligkeit. Pfarrer Christoph Schneider eröffnete das Feiern recht spritzig, ließ den Gerstensaft aus dem Holzfass sprühen, doch kundige Räte hatten die Lage und die Gläser schnell im Griff, zapften die erste Runde gratis. Das galt auch für das Unterhaltungsprogramm. Der Frauenchor Canto Felice der Sängervereinigung Hausen sprühte ebenfalls, und zwar Begeisterung für ABBA.

Mit ihrer Chorleiterin Pavlina Georgiev erinnerten sie an den schwedischen Pop-Export, der die Generation vieler Sängerinnen im Glitzerkleid prägte. Für ganz andere Takte gewannen die Heusenstammer Kaffkinner am Abend die Gäste. Das junge Trio um Texter und Sänger Timo Hartmann verpackte Botschaften aus dem Alltag in Mundart und begleitete sie an Cajon und Kontrabass, besang „Flaaschworscht“ und „Linsesupp“, aber auch Frieden, Liebe und Trauer, „Schuhe shoppen“ und „Is mir egal“.

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Nach dem Festgottesdienst in St. Pius glänzte auch die Speisekarte international. Die Paella der spanischen Christen ergänzte die Palette an Grill, Getränketheke, Weinstand, Kuchentheke und Äppler-Zelt. Das Blasorchester der TGS Hausen begleitete den Frühschoppen, ein Bücher-Flohmarkt öffnete und Lose für die riesige Tombola wurden feilgeboten. Kinder ließen sich schminken, spielten mit Mammut-Mikado auf der abgesperrten Straße.

Und ja, um Geld ging’s freilich auch. Viel fließt nach Bolpur, einem Städtchen im Norden von Kalkutta. Dort baut die Gemeinde weiterhin ein Kinderkrankenhaus auf, begleitet die Entwicklung und gibt den Mitarbeitern immer wieder neue Impulse. Auch das verstehen die Hausener Katholiken unter Christ-Sein.

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