Gruppe unterstützt Hilfsprojekt in Indien

Sternsinger peilen Rekord an

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Die Hausener Sternsinger habenim Zuge der diesjährigen Aktion bislang rund 400 Familien besucht und peilen ein Rekordergebnis bei den Spenden an.

Obertshausen - Selten liegen Vergangenheit und Zukunft so nah zusammen, Brauchtum und Engagement. Beim Sternsingen ist das so, das verdeutlicht die aktuelle Aktion deutlicher denn je. Die Mädchen und Jungen mögen „Segen bringen, Segen sein. Von Michael Prochnow 

Hoffnung für Flüchtlingskinder in Malawi und weltweit“ bringen. Das funktioniert nur, wenn man seine Mitmenschen zuweilen etwas unsanft anstößt. Erkannten die Hausener Sternsinger und machten sich mit Sternen, Weihrauch, Sammelbüchsen - und einer Spielszene auf den Weg. „Der Nächste!“ Unwillig und ohne den Eintretenden eines Blickes zu würdigen beugt sich der Beamte über ein Papier. „Name?“ Er kritzelt die Antwort auf ein Formular und schiebt es weiter zu seinem Kollegen. „Wo kommt ihr her?“, fragt der die Person vor dem Tisch. Die Stimme klingt gelangweilt. Der Nachbar im schwarzen Jackett nimmt eine Äußerung schon vorweg. „Die wollen doch alle nur Dasselbe!“

In Gottesdienst, Kindergärten und Rathaus wies die Gruppe mit Spielszenen wie dieser darauf hin, dass Flüchtlinge oft nicht sehr willkommen sind. Mehr als 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ziehen seit acht Tagen mit einem doppelten Auftrag durch die Straßen. Einerseits sollen sie die Freude über den geborenen Gottessohn in die Welt tragen, fröhliche Lieder und den Segen Gottes in die Häuser bringen. Andererseits gilt es, an die Not vieler Menschen zu erinnern. Und in diesem Jahr mahnen die „Heiligen drei Könige“ und ihr Gefolge unüberhörbar das Verhalten gegenüber Flüchtlingen an.

Rund 400 Familien heißen Sternsinger willkommen

Bürgermeister Bernd Roth hat den Ernst der Botschaft erkannt, die ihm und einigen Mitarbeitern gerade im großen Sitzungssaal des Rathauses an der Schubertstraße vor Augen geführt worden ist. „Fragt mal eure Großeltern“, fordert er die bunt verkleideten Sänger auf. „Vor 70 Jahren sind auch nach Hausen und Obertshausen viele Flüchtlinge und Vertriebene gekommen“. „Freiwillig setzt sich niemand in ein überfülltes Boot, um Familie und Heimat zu verlassen“, betont Kinderärztin Dagmar Silber mit der Gitarre. Im Gottesdienst in St. Pius beeindruckte die Spielszene der Sternsinger ältere Christen, die sich an die eigene Vertreibung erinnerten. Auch Eltern einiger Schüler mussten erfahren, was es heißt, vor Granaten und Gewehrsalven zu fliehen.

„Bei uns ist Krieg“, antwortet Anna in der Spielszene auf die Frage des Beamten nach den Fluchtgründen. „Ich habe meine Meinung gesagt“, erklärt ein Mädchen mit dem Wort „Freiheit“ in arabischen Schriftzeichen auf einem Karton. „Uns hat ein Engel befohlen zu gehen“, sagt Maria, die eine große Babypuppe im Arm trägt. „Ach, auch noch ein Kind!“, sieht der Herr im Jackett mehr Arbeit auf sich zukommen. „Und ein Engel, ja, ja ...“ Die Familie des kleinen Jesus hätte in der Europäischen Union vermutlich keine Chance auf Asyl gehabt – auch wenn der Obertshausener Bürgermeister auf den Wahlspruch hinweist, der an einer Wand des großen Sitzungssaal prangt: „Die beste Politik ist die Gerechtigkeit“. Die Sternsinger hinterlassen ihre Botschaft noch mit ein paar flotten Rhythmen und viel würzigem Weihrauch im Sitzungssaal.

Rund 400 Familien haben die Sternsinger willkommen geheißen. Stolz ist die Gruppe, weil sich schon vor der Abschlussfeier am kommenden Sonntag ein Rekordergebnis in Euro abzeichnet. Die Hausener „Weisen“ haben sich für eines von weltweit fast 3000 Hilfsprojekten des Kindermissionswerks in der indischen Großstadt Vijayawada entschieden. Dort helfen Salesianer-Pater Straßenkindern, Armut, Hunger und Gewalt zu entkommen, bieten in einem Tageszentrum Mahlzeiten, Waschgelegenheiten und Schlafplätze an. Auch der Schulbesuch wird ihnen ermöglicht.

Hessische Sternsinger bei Angela Merkel

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Die Sternsinger haben sich mit Gemeindereferentin Stefanie Anders, Felix Michel und weiteren Gruppenleitern intensiv mit der Situation der Gleichaltrigen befasst. Ein guter Zusammenhalt prägte die vier Gruppen. Dreijährige marschierten neben vielen älteren Schülern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Verantwortung für die Gestaltung des alten Brauchs tragen.

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