Heimspiel für St. Hubertus

Coronavirus zwingt Schützen im Kreis Offenbach zur Saison auf dem eigenen Stand

Die neuen Shirts mit Logo und Namen hat Mitglied Walter Costanzo dem Team gestiftet. Geschossen wird derzeit auf dem heimischen Stand.
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Die neuen Shirts mit Logo und Namen hat Mitglied Walter Costanzo dem Team gestiftet. Geschossen wird derzeit auf dem heimischen Stand.

Wie funktioniert Schießsport in der Pandemie? Daheim. Jede Mannschaft zielt auf ihrer eigenen Anlage ins Schwarze, die Ergebnisse werden übers Internet ausgetauscht. Für den Schützenverein St. Hubertus aus Obertshausen startete die Saison im neuen Modus glücklos – die Mannschaft verlor die erste virtuellen Begegnung mit dem PSV Panther und der SG 1929 in Offenbach.

Obertshausen – Zehn Vereine, die über die Fünf-Meter-Distanz schießen, bilden die Schützenvereinigung Offenbach Stadt und Kreis. Sie trainieren in Mühlheim, Heusenstamm, mehreren Offenbacher Stadtteilen und im Schützenhaus des SV Diana hinter dem Obertshausener Bauhof, wo St. Hubertus zu Hause ist. „Viele Klubs haben sich aus Altersgründen und wegen fehlendem Nachwuchs aufgelöst“, bedauert Vorsitzender Udo Fröhlich.

Wie der 53-Jährige gehören alle Aktiven dem „Mittelalter“ an. „Vor sieben Jahren kamen sieben Jugendliche – unsere Kinder waren gerade alle 14 Jahre alt“, erzählt er. Nach drei Saisons entwickelten sie jedoch andere Interessen. „Die Teenager zeigen weniger Kontinuität, Treue oder Identität mit dem Verein, probieren immer was Neues aus“, sagt der Berufsschullehrer. Schwieriger für die Gemeinschaft war nur noch Corona. „Bis Anfang Mai ist alles ausgefallen“, blickt Fröhlich zurück. Dann durften sie mit Abstand an mehreren Tischen sitzen. Jetzt gelte die Zehn-Personen-Regel, „und mehr sind wir sowieso nicht“, zeigt der Vorsitzende in die Runde.

Fröhlich führt den kleinen Verein mit 26 Mitgliedern seit 2011. Zehn von ihnen seien aktiv. Sie frönen allein dem Fünf-Meter-Schießen mit dem Luftgewehr. „Das hat eine lange Tradition“, erläutert er. „So konnte man in den Hinterzimmern der Gasthöfe Schießstände aufklappen und brauchte kein Schützenhaus.“ St. Hubertus trat am 10. November 1967 erstmals an.

Die Obertshausener trafen sich im „Lohstübchen“ an der Straße im Loh, damals ein Neubaugebiet. 1973 siedelten sie um in die Gaststätte Gambrinus an der Waldstraße, 1977 bis 1983 waren sie nebenan in der Alten Post daheim, dann zogen sie zurück in den Gambrinus. Der wurde vor drei Jahren abgerissen, seitdem trainiert St. Hubertus bei der Diana.

1994 zählte der Dachverband mehr als 30 Vereine, feierte mit Stars wie Ireen Sheer in der Stadthalle. Trotz des Mitglieder-Rückgangs seit Ende der 1980er-Jahre sollte der Ball erhalten werden, jeder Klub ein Kontingent an Karten kaufen. Daraufhin spalteten sich sechs Vereine ab. Bis 2012 existierten zwei Dachverbände, seitdem bilden sie wieder eine Vereinigung, die sich zu einem Grill- und Ehrungsabend im Schützenhaus an der Leipziger Straße trifft.

Dort holen die Sportler eigentlich drei, in Corona-Zeiten nur zwei Stände aus den Kisten auf der Zehn-Meter-Anlage. Acht Mitglieder zielen, die vier mit den besten Ergebnissen bilden eine Mannschaft. Die Ergebnisse werden montags noch durch einen neutralen Auswerter überprüft.

„Ganz wichtig ist uns, das Sportliche mit dem Geselligen zu verbinden“, unterstreicht Fröhlich. Auf dem Mannschaftstisch stehen Chips und Gebäck, jeder hat seine eigenen Flaschen mitgebracht. „Manchmal kommen auch die Frauen mit.“ Anita Spanuth hat gar ihr erstes Meisterschaftsschießen mit gutem Erfolg absolviert, 113 Ringe erzielt. Bis Ende Januar messen sich die Vereine getrennt. „Dann sehen wir weiter“, sagt Fröhlich.

Infos im Internet: schuetzenverein-st-hubertus.de

(Von Michael Prochnow)

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