FSJ im Behinderten-Wohnheim

Helfen auch mit Handicap

+
Die Sanitäterin Nathalie Finger vom Roten Kreuz vermittelt den jungen Leuten mit Behinderungen Kenntnisse in der Ersten Hilfe.

Obertshausen - Warum eigentlich nicht Erste Hilfe? Die Bewohner des Hauses an der Adenauerstraße werden wohl nie ein Auto lenken oder als Rettungssanitäter tätig sein können. Dennoch sind auch sie in der Lage, Hilfe zu leisten. Von Michael Prochnow

Findet Nathalie Finger und gewährt vielen der Menschen mit Handicap Anteil an ihrem Wissen als Aktive bei DRK und Feuerwehr. Die 22-Jährige absolviert seit dem vorigen August ein Freiwilliges Soziales Jahr und betreut junge Leute in der Einrichtung der Behindertenhilfe. Die Frage, was alles zu ihren Aufgaben zählt, ist einfach beantwortet. „Alles!“, sagt die Ehrenamtliche und meint das auch so. Sie begleitet manche der körperlich und geistig beeinträchtigten Mieter bereits am Morgen bei der Körperpflege. Sie hilft einigen beim Kochen, Putzen und Waschen und kauft ein. „Wenn’s schnell gehen muss, ohne die Bewohner“, erläutert Nathalie, sonst nimmt sie ihre Schützlinge gerne mit. Almut Borowicz, Leiterin des Wohnheims des Vereins Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach, schätzt Engagement und Inspiration ihrer Mitarbeiterin.

Die FSJ-lerin ist Mitglied im Jugendrotkreuz und Sanitäterin, gehört der Jugendfeuerwehr an und ist als Gruppenleiterin bei der Kinderfeuerwehr „Lämmerspieler Löschteufel“ aktiv. Auch als Schülerin der Georg-Kerschensteiner-Schule sammelte sie Erfahrungen im Umgang mit Gleichaltrigen mit Handicaps, begleitete die Teilnehmer am Sportfest für Jungen und Mädchen von Förderschulen. Die Beschreibung ihres Tätigkeitsfelds in der Anlage an der Waldschule lautet schlicht, die Bewohner in ihrem Alltag zu begleiten. Diesen Auftrag erfüllt die Mühlheimerin mit viel Talent.

Wissen über die Menschenrettung

Dazu zählt ihr Wissen über die Menschenrettung. Gemeinsam mit Elke Schohl vom DRK Hausen verwirklicht sie derzeit einen Erste-Hilfe-Kurs. Einmal in der Woche trifft sich fast die Hälfte der 36 Jugendlichen im Rollstuhl oder mit Blindenstock, um Grundlagen der Ersten Hilfe kennen zu lernen. In der ersten Stunde ginge es darum, eine kleine Wunde mit einem Pflaster zu versorgen. Diesmal stellen die beiden Kursleiterinnen in der weißen Sanitäter-Uniform den Interessierten Verbandspäckchen vor. Allein das Öffnen der Plastikverpackung bereitet den meisten schon Mühe.

Aber Aufgeben gilt nicht. Nathalie und Elke zeigen der Gruppe, wie sie die Kompresse ertasten können. Doch halt, zuerst gilt es, die sterilen Gummihandschuhe anzulegen. Auch dabei benötigt die Runde die Unterstützung der Frauen in Weiß. Sie wollen mit ihrem Angebot Angst und Hilflosigkeit nehmen. Mitbewohner haben epileptische Anfälle oder gar einen Schlaganfall - das löse bei den Augenzeugen oft Panik aus. Durch das Treffen mit den Helferinnen gewännen sie Sicherheit, sagt Leiterin Borowicz. „Und wir können Verletzte wach halten“, ergänzt Rolli-Fahrer Philipp stolz.

Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare