Herausforderung Finanzen

Obertshausens Bürgermeister Manuel Friedrich zieht nach 100 Tagen erste Bilanz

Seit 23. Juni ist Manuel Friedrich im Amt.
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Seit 23. Juni ist Manuel Friedrich im Amt.

Die Auswirkungen der Pandemie, Ebbe in der Stadtkasse und eine der längsten Wartelisten für einen Kitaplatz im Kreis Offenbach – die Liste der Probleme, mit denen sich Obertshausens neuer Rathauschef gleich zu Beginn seiner Amtszeit konfrontiert sieht, ist lang.

Obertshausen – Den Kopf hängen lassen will Manuel Friedrich deswegen jedoch nicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht er Bilanz seiner ersten hundert Tage im Rathaus.

Herr Friedrich, wie haben Sie ihre ersten Monate im Rathaus erlebt?

Es waren sehr intensive Wochen. Neben dem Tagesgeschäft habe ich die Zeit vor allem genutzt, den Großteil der städtischen Einrichtungen zu besuchen, die Mitarbeiter kennenzulernen und mich über ihre Aufgaben und die Arbeitsabläufe zu informieren. Dazu bringt die Corona-Pandemie noch mal eine ganz eigene Dynamik in die tägliche Arbeit.

Und sorgt zugleich für eine ganze Reihe neuer Probleme. Was ist Ihrer Ansicht nach die größte Herausforderung derzeit?

Das ist zweifelsohne das Thema Finanzen. Schon vor Corona hat sich diese Herausforderung gezeigt. Doch jetzt hat sich die Situation nochmals verschärft. Wir haben enorme Einnahmeausfälle – zum Beispiel bei der Einkommen- und Gewerbesteuer – und haben dennoch feste Kostenblöcke wie die Personalkosten. Dazu kommt ein deutlicher Finanzierungs- und Investitionsstau in der Stadt. Das geht nicht ohne die Unterstützung für Kommunen durch Bund und Land.

Und auch die der Bürger, etwa durch eine Erhöhung der Grundsteuer?

Das wird der Finanzplanungserlass des Landes Hessen zeigen, und letztlich ist es eine Entscheidung, die die Stadtverordneten treffen müssen. Bereits mein Vorgänger Roger Winter hatte für den aktuellen Haushalt eine Erhöhung vorgeschlagen. Diese wurde jedoch weggewischt, indem der Ansatz der zu erwartenden Gewerbesteuer erhöht wurde. Bei den anstehenden Haushaltsberatungen werden wir über die Einnahmensituation berichten, wobei eine genaue Prognose für die Zukunft noch sehr ungewiss ist, da die Folgen der Corona-Pandemie noch nicht absehbar sind. Sicher ist aber, wir werden vorerst kleinere Brötchen backen müssen.

Da dürfte die anstehende Haushaltsdiskussion nicht einfach werden, auch im Hinblick auf die Kommunalwahl im März.

Deshalb habe ich allen Fraktionen bereits jetzt zur Aufstellung ein Gespräch angeboten, um sich gemeinsam Gedanken zu machen. Denn es bringt meiner Meinung nach nichts, das zum Wahlkampfthema zu machen. Wir müssen jetzt in der Krise an einem Strang ziehen.

Gleiches gilt ja auch für die Kinderbetreuung. Die Warteliste für einen Platz ist mit voraussichtlich 270 Kindern zum Jahresende zuletzt ja wieder länger geworden statt kürzer.

Das stimmt. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat beim weiteren Ausbau unserer Kapazitäten für Verzögerungen gesorgt. Mit dem Familienzentrum und den Initiativen privater Träger wie dem christlichen Waldkindergartens und dem Projekt Kids am Start, das mit weiteren 40 Plätzen Anfang des Jahres eröffnen soll, hoffen wir, die Zahl bis Sommer so weit wie möglich abzubauen. Zudem sind wir dabei, kurzfristige Ausbaumöglichkeiten zu erreichen, sofern Magistrat und Politik in den nächsten Wochen mitziehen. Klar ist aber auch, dass es sich angesichts der finanziellen Situation und des Erziehermangels dabei trotzdem um ein sportliches Ziel handelt. Und das gilt es, auch offen zu kommunizieren. Gerade jetzt in der Krise, in der es für viele auch um ihre Existenz geht.

Stichwort Kommunikation: Sie suchen inzwischen regelmäßig den Kontakt mit den Bürgern, informieren in den sozialen Netzwerken über ihren Tagesablauf und zuletzt auch bei einem Vor-Ort-Termin.

Der Dialog mit den Bürgern ist mir einfach wichtig, das habe ich schon im Wahlkampf so gehalten. Darum möchte ich auch zukünftig ein offenes Ohr haben und mich nicht im Rathaus „verstecken“. Dabei geht es auch darum, mehr Transparenz zu schaffen. Wir müssen die Menschen mitnehmen bei dem, was wir tun, und ihnen erklären, warum das ein oder andere auch mal nicht möglich ist – bei politischen Entscheidungen ebenso, wie beim Thema Verwaltungshandeln.

Viele Themen, viele Termine, viel Arbeit – und dann sind sie vor Kurzem auch Vater geworden. Bleibt da noch ein wenig Zeit für Ihr Hobby, das Marathonlaufen?

Dafür war in den vergangenen Wochen tatsächlich nur wenig Zeit. Die Laufeinheiten habe ich durch Spaziergänge mit meiner Frau Verena und unserer Tochter ersetzt. Aber sobald sie alt genug für den Baby-Jogger ist, geht es gemeinsam auf die Strecke.

Das Gespräch führte Thomas Holzamer.

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