„Herbst 1989 nicht vergessen“

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Für die musikalische Unterhaltung sorgte beim Neujahrsempfang das Jugendrotkreuz-Orchester Meiningen. Als Solistin agierte Katharina Gaßdorf.

Obertshausen ‐ Obertshausens Partnerstädte aus Österreich und Thüringen, Laakirchen und Meiningen, standen im Mittelpunkt des nunmehr siebten Neujahrsempfangs der Stadt, der gestern im Hausener Bürgerhaus in der Tempelhofer Straße stattfand. Von Karl-Heinz Otterbein

So erhielt der ehemalige Laakirchener Bürgermeister Klaus Silbermayr für seine Verdienste um die Verschwisterung zwischen den beiden Kommunen die Obertshausen-Medaille.

Anschließend berichteten Dr. Horst Strohbusch, der erste nach der Wende gewählte Meininger Bürgermeister, und Ulrich Töpfer, Sprecher des Gesprächskreises für Frieden und Ökologie in der evangelischen Stadtkirche in Meiningen, unter dem Motto „Als das Licht aus der Kirche kam“ aus ihrer Sicht unter anderem darüber, wie die friedliche Revolution im Herbst 1989 in Meiningen verlief. Jürgen Sando vom Gesprächskreis für Frieden und Ökologie, der unter anderem über die Auflösung der Stasi in Meiningen berichten wollte, hatte sein Kommen kurzfristig aus Krankheitsgründen abgesagt.

Für die musikalische Unterhaltung der Veranstaltung sorgten Orchester und Big Band des Jugendrotkreuzes Meiningen, um die Versorgung der Besucher mit Getränken und einem Imbiss kümmerten sich Mitglieder des DRK Hausen. Zudem hatten Helferinnen und Helfer der Einrichtung „Die Oase“, die im vergangenen Jahr mit dem städtischen Bürgerpreis für Bürgerengagement ausgezeichnet worden war, Kuchen gebacken, den sie kostenlos an die Gäste abgaben.

Drastische Einbrüche bei der Gewerbesteuer

Nach der Begrüßung der Besucher des Neujahrsempfangs durch Stadtverordneten-Vorsteher Peter Wichtel, wies Bürgermeister Bernd Roth in seiner Rede unter anderem auf die desolate finanzielle Situation Obertshausens, die nicht zuletzt durch drastische Einbrüche bei den Gewerbesteuer-Einnahmen entstanden sei.

Die Gastredner Ulrich Töpfer (links) und Dr. Horst Strohbusch (rechts) erzählten unter anderem, wie die friedliche Revolution in Obertshausens thüringischer Partnerstadt Meiningen verlief.

Wir können nur hoffen, dass alle gut gemeinten Maßnahmen zur Konjunkturbelebung in Berlin bald Früchte tragen und die Wirtschaft aus der tiefsten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs heraus geführt wird“, so Roth. „Allerdings steht zu befürchten, dass die Entlastungen auf der einen Seite zu weiteren Belastungen der Kommunen führen werden. Dies führt zum Kollaps der kommunalen Selbstverwaltung.

In seinem Bericht schilderte Gastredner Ulrich Töpfer während des Empfangs ebenso anschaulich wie eindringlich das Leben in der DDR in den 1980er Jahren und die Zeit vor der Wende. Seinen lebendigen Geschichtsunterricht würzte er mit eigenen Erlebnissen und er erzählte, wie er in der DDR gewissermaßen zum Staatsfeind wurde, weil er sich nicht vom herrschenden System vereinnahmen lassen wollte.

Geschehnisse dürften nicht in Vergessenheit geraten

Die Menschen, die damals Geschichte geschrieben haben, sind inzwischen selbst Geschichte“, sagte der zweite Gastredner, Dr. Horst Strohbusch, der mahnte, die Geschehnisse des Herbstes 1989 dürften nicht in Vergessenheit geraten. Strohbusch schilderte vor allem die Zeit kurz nach dem Mauerfall und die Suche der Menschen nach einer neuen Orientierung. „Ein gemeinsamer Weg der verschiedenen Gruppierungen konnte nicht gefunden werden“, so Strohbusch. „Die Masse der DDR-Bürger wollte eine Wiedervereinigung mit materieller Besserstellung.

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