Herzing + Schroth wird ausgebaut

Obertshausen - Der Obertshausener Automobilzulieferer Herzing + Schroth profitiert von einem neuen Großauftrag seines Schweizer Mutterkonzerns Feintool. Gleichzeitig soll mit einem Effizienzprogramm die Profitabilität des Unternehmens gesteigert werden. Von Marc Kuhn

Ein Arbeitsplatzabbau soll damit nicht verbunden sein. Stattdessen sollten beispielsweise das Produktsortiment und die Betriebsabläufe optimiert werden, sagte der Vorstandsvorsitzende von Feintool, Heinz Loosli, gestern in Obertshausen. Die Firma mit Hauptsitz in Lyss liefere Komponenten für ein modernes Automatikgetriebe an den Autokonzern Daimler-Benz, erklärte der Verwaltungsratspräsident Alexander von Witzleben. Ein Teil davon solle in Obertshausen produziert werden.

Das börsennotierte Unternehmen Feintool, das auf das sogenannte Feinschneiden von Metallteilen spezialisiert ist, hatte Herzing + Schroth im März gekauft. Die Kernkompetenz der Obertshausener sei das Umformen von Komponenten, berichtete Geschäftsführer Knut Zimmer. Neben dem hiesigen Betrieb gebe es noch eine Niederlassung im thüringischen Ohrdruf. An beiden Standorten würden rund 500 Menschen arbeiten. Der Prozess des Kaufes von Herzing + Schroth sei im Mai abgeschlossen worden, erläuterte Feintool-Finanzvorstand Thomas Bögli.

Optimieren und Ausbauen

„Wir wollen diesen Standort optimieren“, sagte von Witzleben unserer Zeitung. „Und sogar ausbauen. Wir überlegen, zusätzliche Produkte aus der Feintool-Gruppe hierher zu bringen, weil die Qualifikation der Mitarbeiter hierfür geeignet ist.“ Das sei ein großes Lob an den Standort. „Ich gehe davon aus, dass der Standort für Feinschneiden und Umformen ein Kompetenzzentrum sein wird. Die Kollegen von Herzing + Schroth unterstützen uns schon in den USA. Dieser Standort ist ein ganz Wesentlicher für das Gesamtunternehmen. Mit der Geschäftsführung wird überlegt, wo investiert wird.“ Investitionen solle es auch wegen der Komponenten für das Daimler-Getriebe geben. „Das sind zweistellige Millionenbeträge.“

Nach der Übernahme von Herzing + Schroth beschäftige Feintool an 14 Standorten in Europa, Amerika und Asien fast 1850 Mitarbeiter, sagte Loosli. Erste Kontakte zwischen den Schweizern und Herzing + Schroth habe es bereits 2009 gegeben, erklärte von Witzleben.

Einigung auf den Kaufpreis

In der damaligen Krise seien Bräutigam und Braut aber nicht in einem heiratsfähigen Zustand gewesen. Im vergangenen Jahr habe man sich dann schnell auf den Kaufpreis geeinigt. Mit der Übernahme wolle der Konzern seine Fokusierungs-Strategie fortsetzen, berichtete von Witzleben. In der Vergangenheit sind Beteiligungen abgestoßen worden. Feintool will sich auf das Feinschneiden und Umformen von Metallteilen konzentrieren. Herzing + Schroth liefere seine Teile an alle namhaften Autobauere wie den Volkswagen-Konzern, BMW und Daimler sowie an Zulieferer, berichtete Zimmer.

Der Umsatz der Feintool-Gruppe ist im ersten Halbjahr um mehr als zehn Prozent auf gut 196 Millionen Schweizer Franken (mehr als 163 Millionen Euro) gestiegen, wie Bögli erläuterte. Das operative Betriebsergebnis (Ebit) sei um 58 Prozent auf 13,8 Millionen Franken geklettert. Alle Segmente, alle Regionen hätten positiv abgeschlossen, sagte Bögli. Der Auftragsbestand habe einen Wert von 227 Millionen Franken, erklärte der Finanzvorstand weiter.

Rubriklistenbild: © Paul-Georg Meister/pixelio

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