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Hessenmeister und Jugendtrainer

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Seit einem halben Jahrhundert Nachwuchs-Trainer: Norbert Heil von der TGO.
Seit einem halben Jahrhundert Nachwuchs-Trainer: Norbert Heil von der TGO. © m

Es sind die „Stillen Stars“: Menschen, die nicht immer in der ersten Reihe stehen, aber mit ihrer Tätigkeit das Vereinsleben bereichern. In unserer Serie stellen wir in unregelmäßigen Abständen genau solche Menschen vor. Heute mit Norbert Heil von der Turngemeinde Obertshausen (TGO).

Obertshausen – Zwei Mädchen balancieren konzentriert mit ausgestreckten Armen auf dem Schwebebalken. Vorsichtig recken sie das linke Bein in die Höhe, stehen nur noch auf einem Fuß auf dem schmalen Holz. Dann wagen sie einen schnellen Sprung, die Fersen reichen bis an den Po, um sofort wieder sicher auf dem Balken zu stehen. Norbert Heil steht neben dem Gerät und verfolgt jede Bewegung der Teenager mit Argusaugen.

Seit fast einem halben Jahrhundert in der Sporthalle stehen und den Nachwuchs trainieren – das können nur ganz wenige von sich behaupten. Der erfolgreiche Turner Heil ist einer von ihnen. Er schwang sich einst neben den ganz Großen dieser Disziplin an Reck und Barren. 1958 zog seine Familie von Bieber nach Hausen. Durch Klassenkameraden kam er zum Turnen. „Fußball war damals noch nicht so angesagt“, erinnert sich die Sportskanone. So gelangte er zunächst zu Georg Ricker in die Turngesellschaft, fand aber rasch beim Turnverein in Gerhard Hofmann einen Meister seines Fachs. Mit ihm holte der junge Heil zweimal den Hessenmeister-Titel, 1975 und ‘76. Daneben qualifizierte er sich für die Deutschen Meisterschaften.

Heils Paradedisziplin war der Deutsche Zehnkampf. Er umfasst vier leichtathletische Übungen und sechs an Geräten. Bereits Anfang der 70er Jahre führte Hofmann seinen Schützling in die Deutsche Turnschule in Frankfurt, wo das junge Turntalent seine Übungsleiter-Qualifikation bestand. Beim TV leitete Heil mehrere gemischte Kindergruppen.

1976 holte ihn TGO-Urgestein Irmgard Hubl in die gerade eröffnete Sporthalle Badstraße. Dort unterrichtet Heil bis heute Kunstturnerinnen, mittlerweile schon die Kinder seiner ersten Schülerinnen. Mit seinen Mannschaften wurde er mehrfach Gaumeister und errang die Teilnahme an den „Hessischen“.

Jetzt nimmt eine der jungen Damen Anlauf auf der Matte, zeigte eine saubere Rolle und einen graziösen Handstand. „Langsam, du hast Zeit!“, rät der Turnlehrer „Will noch jemand auf den Balken?“ Die Wettkampfgruppe besteht aus einem Dutzend Mädchen zwischen zehn und 16 Jahren. Alle Sportlerinnen beherrschen die Pflichtübungen an Boden, Barren, Balken und den Sprung.

Wegen der Pandemie fanden bislang keine Wettkämpfe statt, sie haben nur trainiert. Bei den Anwesenden handele es sich um Jugendliche, die trotz Corona bei der Stange geblieben sind, lobt der 70-Jährige, der nach wie vor zweimal in der Woche in der Halle arbeitet.

Bei Karl Mayer wurde er zum Maschinenschlosser ausgebildet, wechselte danach gleich in den Familienbetrieb, der Schrauben und Drehteile für die technische Industrie fertigte. Mehr als 50 Jahre macht Heil Musik. Im Konservatorium Moritz Döbert in Offenbach nahm er Gitarrenstunden, spielte zuerst in der Gruppe Merciful, dann Saxophon und Keyboard in der bekannten Weidida-Band. Sieben Jahre ist sie durch die Maskenbälle getingelt. Zuletzt feierte er mit „Crime & Rock’n’Roll“ große Erfolge mit dem Hausener Komponisten und Autor Oliver Dillen. (Michael Prochnow)

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