Hilfe nötiger denn je

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Luise Schürer (Mitte) mit einer alleinerziehenden haitianischen Mutter. Seit 35 Jahren wirkt die Missionarin in dem Land in der Karibik.

Obertshausen ‐ Ob politische Bedrohungen oder Überschwemmungen - in 35 Jahren Haiti haben die Eheleute Luise und Johannes Schürer schon viel mitgemacht. Doch keine Prüfung ist so schwer gewesen wie die, die es seit dem verheerendem Erdbeben vor elf Tagen zu bestehen gilt. Von Veronika Szeherova

Von der evangelischen Kirchengemeinde in Obertshausen ausgesandt, leben die Schürers als Missionare in der haitianischen Provinzstadt Les Cayes im Süden des Landes, etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince und damit vom Epizentrum des Bebens entfernt. Das „Centre Lumière“, die von Luise Schürer gegründete Ausbildungsstätte für Hauswirtschaftslehrerinnen, ist zum Glück verschont geblieben.

Jetzt beginnt eine Massenflucht aus der Hauptstadt in die Provinzen“, wissen Gerda und Horst Lahr. Die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Obertshausen sind eng mit Schürers befreundet, haben sie in der Vergangenheit auch schon in Haiti besucht. „Tausende hungrige, traumatisierte und verletzte Menschen sind bereits nach Les Cayes gekommen“, berichtet Horst Lahr.

Das Ehepaar Schürer ist mehr denn je auf finanzielle Hilfe angewiesen. Spendenkonto „Unterstützung für Missionare“: Vereinigte Volksbank Maingau, BLZ 505 613 15, Kontonummer 97390, Kennwort: Schürer Haiti.

Die katastrophale Situation ist aus der Entfernung kaum vorstellbar. Nicht nur, dass es an Grundnahrungsmitteln, Medizin und sanitären Einrichtungen mangelt, so Lahr. Zur Not kommen inzwischen Plünderung und immer aggressivere Menschen hinzu. „Gewalt ist in Haiti immer ein Thema, das sich angesichts der Notlage aber weiter zuspitzt“, meint auch Thomas Meyer-Haugwitz, Vorstandsvorsitzender der Kirchengemeinde. Über das Internet halten Schürers Kontakt zur Außenwelt. In einer E-Mail an Meyer-Haugwitz sprechen sie ehrlich über ihre Gefühle: „Wir müssen gestehen, dass uns das Geschehene stark mitnimmt - hatte es doch in den vergangenen zwei Jahren hoffnungsvolle Zeichen für einen positiven Aufbruch gegeben. Und jetzt?“ Ende vorigen Jahres sind die Missionare zu Besuch in Obertshausen gewesen. „Sie waren voller Tatendrang“, erzählt Gerda Lahr. „Beide hatten vor, bald Wohnungen für alleinerziehende Frauen zu bauen und die seelsorgerische Arbeit für Pastorenfrauen zu erweitern.“ Das Beben stellt solche Pläne in den Hintergrund. Es zählt nun vorrangig, den akut notleidenden Haitianern zu helfen.

Ebenfalls im vorigen Jahr haben Vertreter verschiedener Gemeinden in der Bundesrepublik den Verein „Hilfe für Süd-Haiti“ gegründet. Ziel des Vereins ist es vor allem, den Verkauf der in Haiti hergestellten Handarbeiten anzukurbeln. Außerdem kümmert er sich darum, Material für das „Centre Lumière“ zu beschaffen. Vor allem freut man sich dort über Menschen, die sich einige Monate Zeit nehmen und direkt in Haiti durch ihr Wissen und ihre Fähigkeiten helfen können. „Als wir den Verein gegründet haben, ahnten wir noch nicht, welche Brisanz das Thema bekommt“, sagt Meyer-Haugwitz traurig.

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