Ein Hobby aus purem Zucker

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Hibiskusblüten, Bambusstangen und Glückskekse hat Nicole Seyfritz diesmal für ihre Torte geformt.

Obertshausen - „Das sieht doch unecht aus. “ Diesen Kommentar hat Nicole Seyfritz schon oft gehört. Ist aber, ehrlich gesagt, nicht verwunderlich. Von Dirk Beutel

Denn auf den ersten Blick erscheinen einem die filigranen Deko-Elemente auf den von ihr selbst gebackenen Torten tatsächlich wie fertig gekaufte Plastikblümchen. Doch in Wirklichkeit bestehen die Blüten aus reiner Zuckermasse und haben der Tortendesignerin eine Menge Arbeit gemacht. Während andere nach einem hektischen Arbeitstag nach Zerstreuung beim Sport oder Entspannung vor dem Fernseher suchen, führt der Weg von Nicole Seyfritz am Abend schnurstracks in ihren Keller. Dann taucht sie regelrecht ab, wenn sie sich ihrem süßen Hobby widmet – dem Tortendesign. Steckt sie mal wieder mitten in einem Projekt, vergisst sie sogar manchmal das Abendbrot. Stattdessen greift sie lieber zu Nudelholz, Teigkarte, Modellierwerkzeug und Tortenpalette.

Sieht nach Plastik aus, ist aber Zucker pur.

Das ungewöhnliche Hobby der 30-jährigen Obertshausenerin hat sich längst bei Freunden herumgesprochen. Immer wieder wird sie darum gebeten, ob sie nicht eine Torte für einen Geburtstag oder eine Hochzeit zaubern könne. Ganze sieben Anfragen hat Seyfritz vergangenen Mai erhalten: ihr persönlicher Rekord. Doch die Torten der gebürtigen Offenbacherin sind keine Produkte von der Stange. Jedes einzelne Backwerk ist ein Unikat und braucht seine Zeit. Nur in der Herstellung ähneln sich die Torten durchaus. Hat sich die Hobbydesignerin für das Innenleben, also den Kuchen, entschieden - zum Beispiel Schwarzwälder Kirsch - bekommt dieser rundherum einen Biskuitboden. Oben wird der Kuchen mit einer Sahne-Joghurt-Creme eingestrichen. Damit die Oberfläche schön glatt wird, bekommt der Kuchen zusätzlich eine Schicht mit Ganache, einer aufgekochten Sahnecreme mit dunkler oder weißer Schokolade. „Wenn die Schokolade kalt wird, hat der Kuchen eine schöne glatte, harte Oberfläche“, erklärt Seyfritz. Dann wird der Kuchen mit Fondant, einer pastösen Zuckermasse, wie eine Tischdecke buchstäblich eingedeckt.

Weitere Infos auf der Internetseite

Danach beginnt aber erst die richtige Arbeit: das Dekorieren mit Bordüren, Blüten, Herzchen oder Schmetterlingen, die ebenfalls alle aus Fondant bestehen. Da kann jemand, der auf Süßes steht, schon das eine oder andere Mal nicht widerstehen. „Das Naschen habe ich mir mittlerweile abgewöhnt. Wenn ich das jedes Mal machen würde, ginge ich auf wie ein Hefekloß“, sagt die 30-Jährige und lächelt. Ausrollen, ausstechen, färben und in die richtige Form modellieren: Im Schnitt kann so eine Zuckerdeko bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Den letzten Feinschliff bekommen all die Rosen, der Efeu, die Fresien- oder Hibiskusblüten mit der richtigen Puderfarbe, die mit einem Schminkpinsel sorgfältig aufgetragen wird. So bekommen die einzelnen Deko-Elemente ihr warmes Erscheinungsbild. Das funktioniert so gut, dass ihre Zuckerschöpfungen so echt aussehen, dass sie für das Laienauge unecht erscheinen müssen. Blatt für Blatt arbeitet sich Seyfritz akribisch an die Vollendung jeder einzelnen Torte.

Was nach mühevoller und anstrengender Kleinstarbeit klingt, ist für die 30-Jährige ein süßes Vergnügen. Die gelernte Werbekauffrau und Fachinformatikerin arbeitet überhaupt gern mit den Händen. Vom Vater hat sie beigebracht bekommen wie man richtig tapeziert oder Fliesen und Laminat legt. Stricken und Häkeln hat sie von Mutter Madge gelernt, die früher ein Handarbeitsgeschäft in Obertshausen betrieben hat – alles kein Problem. Doch das Designen von Torten ist ihre Passion, der sie seit fast acht Jahren nachgeht. Die meisten Kunstwerke verschenkt sie, macht anderen damit eine Freude.

Inspiriert hat sie die Hochzeitstorte ihres Bruders Steven, die eine Bekannte ihrer Mutter gebacken hatte: „Die Torte hatte ein wunderschönes Blumengesteck aus Fondant. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen“, erinnert sich Seyfritz. Danach war es um sie geschehen, auch wenn die Anfänge alles andere als einfach waren. „Vor allem, wenn man so schnell mit sich unzufrieden ist, wie ich“, fügt die 30-Jährige hinzu. Gerade der Einstieg ging richtig ins Geld. Das nötige Werkzeug, Schneidematte, Fondant, Puder und und und - das alles musste sie erst einmal anschaffen. Sogar einen extra Drucker hat sie sich besorgt. „Weil der Drucker vorher nicht mit echten Farben getestet wurde, kann ich das Gerät für Tortendrucke verwenden“, erklärt sie. Statt echter, wird Lebensmittelfarbe auf hauchdünnes Fondantpapier gedruckt. Das Muster, ob Kinderfoto oder Barockverzierung, wird dann auf die Torte gebügelt.

Bei aller Kreativität, Mühe und Zeitaufwand gibt Nicole Seyfritz zu, dass es ein recht einsames Hobby ist. Für so etwas gibt es ja keinen Verein. Anregungen und Austausch sucht die Tortendesignerin deshalb in Internetforen. „Wie bei jedem anderen Hobby versuche ich ja auch ständig mich zu verbessern“, sagt sie. Ihr Wissen gibt die 30-Jährige gerne weiter. Seit letztem Jahr bietet sie Vhs-Kurse für Tortendekoration an.

Verkaufen darf Seyfritz ihre Kunstwerke übrigens nicht. Dafür müsste sie sich zum Konditormeister ausbilden lassen. Und das ist selbst für die umtriebige Obertshausenerin zu viel Aufwand. Deshalb wird die Zucker-Zauberei lediglich ein Hobby für sie bleiben.

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