„Ihr seid damit nicht allein“

OFC-Sportpsychologe Tim Botschek gibt Schülern Tipps für die Pandemie

Tim Botschek ist Sportpsychologe im Leistungszentrum der Kickers Offenbach. Er hat Hermann-Hesse-Schülern einige Tipps gegeben, um mit der aktuellen Pandemie-Situation klarzukommen.
+
Tim Botschek ist Sportpsychologe im Leistungszentrum der Kickers Offenbach. Er hat Hermann-Hesse-Schülern einige Tipps gegeben, um mit der aktuellen Pandemie-Situation klarzukommen.

15 Minuten nur an alles Negative denken, „dann ist’s vorbei“. Das ist einer der Tipps, den Tim Botschek rund 100 Schülern der Sportklassen an der Hermann-Hesse-Schule (HHS) gibt. In einer Video-Sprechstunde vermittelt der Sportpsychologe im Leistungszentrum der Offenbacher Kickers (OFC) „Motivation trotz Corona“ und Übungen gegen depressive Stimmungen.

Obertshausen – Am Bieberer Berg stärkt der Experte jungen Talenten Selbstbewusstsein, Konzentration und Einstellung, denn „wer psychisch gesund ist, spielt besser Fußball“, erläutert der Dozent. Daneben behandelt er in Gießen psychisch erkrankte Jugendliche.

„Bewegung hat Einfluss auf die mentale Gesundheit, auf Motivation und Gemütszustand“, so Botschek. „Keiner weiß, wie’s weitergeht“, sagt er mit Blick auf die Pandemie. Gerade dürfen Mädchen und Jungen bis 14 Jahre wieder trainieren, „aber es bleibt ungewiss“. Schließungen und Verbote bewirken, dass der Stress steigt. „Ihr habt weniger Sozialkontakte, Freizeiteinrichtungen sind geschlossen, ihr dürft Freunde nicht sehen, der sportliche Ausgleich fehlt“, skizziert er die Lage. Das führe dazu, dass viele Jugendliche weniger Interesse und Freude an Dingen haben, die früher Spaß gemacht haben. Sie seien niedergeschlagen, können nicht gut ein- oder durchschlafen, fühlen sich einsam oder haben weniger Appetit. „Ihr seid damit nicht allein“, betont der Psychologe.

„Wir sind eingebunden in ein soziales Netz, müssen uns nicht für Probleme schämen, können Hilfe holen, Menschen fragen.“ So rät der Fachmann seinen jungen Zuhörern, „die nur noch von Corona hören und lesen“, zur Übung „Gut Gelungen“: Man schreibt sich abends drei Sachen auf, die sehr gut geklappt oder Freude bereitet haben. „Den Zettel steckt ihr in ein Glas und seht, wie schnell es sich füllt. Ihr könnt jederzeit darin nachlesen und feststellen, dass es ziemlich viele Sachen sind.“

Auch die Ressourcen-Liste helfe: „Es war ein guter Tag, ihr fühlt euch stark, fragt Eltern und Freunde, was ihr gut könnt, schreibt es auf einen Zettel und hängt ihn an die Wand.“ Bei der Fünf-vier-drei-zwei-eins-Technik sagt man fünfmal leise in Folge, was man sieht, was man hört und was man spürt. „Das ist wie Schafe zählen.“ Noch ein Weg, die Stimmung aufzuhellen, sei laut Botschek, Erinnerungen an gute Zeiten in einer Kiste zu sammeln wie das Lieblingslied, eine Muschel mit Meeresrauschen und vieles mehr.

Vorschläge von den Schülern, um Wut, Trauer und Frust unter Kontrolle zu bringen, lauten Fußball-Videos angucken, spazieren gehen, Rad oder Traktor fahren, schlafen, Schokolade essen, kochen, zeichnen, skaten – „das geht alles auch bei Corona“. (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare