Diesmal gibt’s Paella für Zuhause

Im El Centro in Obertshausen, dem Heim des spanischen Elternvereins, bleibt es an Heiligabend ruhig

Keine Weihnachtsfeier im El Centro von „Yoly“.
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Keine Weihnachtsfeier im El Centro von „Yoly“.

Obertshausen – Eigentlich würden sich jetzt locker hundert Gäste vieler Nationalitäten im Centro drängen. Alle Sitzplätze wären belegt, an der Theke, um die Tische und selbst unter dem Heizpilz im Freien würden sie stehen, eine Biertulpe oder ein Vino tinto in der Hand, Oliven, Schafskäse und Schinken auf kleinen Tellern. Irgendjemand hätte zu einer Gitarre gegriffen und Weihnachtslieder angestimmt. Doch El Centro, das Restaurant und Heim des spanischen Elternvereins, ist gespenstisch ruhig.

An Heiligabend wie am Silvestertag trafen sich bis vor einem Jahr Mitglieder und Freunde zum Frühschoppen. Der stieg mit Temperament wie Gelassenheit gegen 11 Uhr begann und sich bis gegen 16 Uhr hinzog. Der gesellige Termin wäre „sowieso ausgefallen“, hatte Yolanda Alvarez oder kurz Yoly, wie die junge Frau im Lokal gerufen wird, das Dezember-Geschäft schon abgehakt. „Singen und trinken waren auch vor dem strengen Lockdown schon verboten.“ Viele Landsleute feiern normal im El Centro zweimal Bescherung – einmal an Heiligabend und nach spanischer Tradition mit den „Reyes Magos“, den Heiligen drei Königen, am 6. Januar. Das fällt dieses Jahr aus.

Jetzt bietet die Gastronomin all die Leckereien zum Abholen und Bringen-Lassen an. „Paella ist der absolute Hammer“, sagt sie. Die Kunden bringen Pfanne, Wok oder Topf mit, sie hält Styroporkästen bereit. „Das klappt ganz gut“, berichtet Yoly, Und es spreche sich schnell rum, bemerkt sie, vor allem über die sozialen Medien im Internet. Zum Januar ändert sie ihre Arbeitszeiten auf 17 bis 21.30 Uhr, „nach acht läutet nur selten das Telefon“. Viele Kunden kaufen Gutscheine, „die wollen, dass wir hier bleiben“, erzählt die Geschäftsfrau. „Manche rufen sogar an und bedanken sich fürs Essen, da freut man sich natürlich.“

Sie mag Stress und sei kein Mensch, der zu Hause bleibt, beschreibt Yoly sich selbst. „Diese Situation jetzt ist stressiger, du fühlst dich manchmal nutzlos.“ Klar, sie habe jetzt mehr Zeit für ihre siebenjährige Tochter, vermisse jedoch ihr früheres Leben. (Michael Prochnow)

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