Müllers helfen armer Familie

Obertshausener bauen Haus in Panama

+
Daumen hoch für Panama: Familie Müller aus Obertshausen auf der Baustelle bei schwülen 30 Grad.

Obertshausen - Ein Konzern mit sozialer Kompetenz und ein Ehepaar mit ehrenamtlichem Engagement – dank der Initiative Obertshausener Christen und der Hilfe vieler Arbeitskollegen verfügt eine Großfamilie in Mittelamerika nun über ein Eigenheim. Von Michael Prochnow 

Oh, wie schön ist Panama! Die Tigerente aus dem Buch von Janosch hat’s nie dahin geschafft, wo die Bananen so gut riechen. Die Müllers von der evangelischen Waldkirche schon. Katja Müller moderiert Gottesdienste und begleitet Missionare. Jedes Jahr sendet die Gemeinde zwei, drei junge Leute und betreut Familien, die den Glauben in der Ferne verbreiten. Katja Müller reiste nach dem Abitur zwei Jahre mit einer christlichen Organisation per Schiff in zwölf Länder, habe die Idee des Helfens „immer im Herzen getragen“. Später lebte sie mit ihrem Mann Oliver, Öffentlichkeitsreferent beim Hilfswerk „World Vision“, und dem Sohn ein halbes Jahr auf den Philippinen. Dort unterrichtete sie an Schulen Kultur und soziale Werte, leitete Kinder- und Jugendstunden.

In Mexiko an der amerikanischen Grenze lernte sie Jean Lambert kennen. Der Chef der Hilfsorganisation „Homes of Hope“ hat auf einem Zelt- und Caravanplatz ein Schulungszentrum aufgebaut, organisiert von dort den Bau von Häusern für Familien in Not. Referentin Müller kehrte mit diesen Eindrücken an ihren Schreibtisch im Personal-Management der Lufthansa zurück. Die Fluggesellschaft fördert ehrenamtliche Projekte ihrer Mitarbeiter und startete ohnehin im Februar ihre Direktflüge nach Panama-Stadt. Katja Müller schlug vor, den Neu-Anflug mit einer sozialen Aktion zu begleiten, eine Unterkunft für eine Familie zu errichten. Das Land Panama hat vier Millionen Einwohner, ein Drittel lebt in der Hauptstadt zwischen Hochhäusern. Wie’s dort aussieht, zeigten die Müllers auf Fotos im Gemeindehaus, „da ist Frankfurt ein Dorf dagegen“. Panama sei ein „Schwellenland“, die Kluft zwischen Arm und Reich groß, „die Lebenshaltungskosten sind höher als bei uns“.

Der Vorschlag, ein Heim zu errichten, fand sofort die Zustimmung des Lufthansa-Hilfswerks „Help Alliance“. Bauleiter Richard Tracy war mit Lambert und einem Team der christlichen Hilfsorganisation „Youth With A Mission“ in Panama, traf mit der Kirchengemeinde eine Vorauswahl und entschied sich dann für die Familie Cabezon. Sie lebte in einer Wellblechhütte und zählt fünf Kinder im Alter von elf, zehn, neun, vier und einem Jahr. Die Mutter färbt Bast, näht stilvolle Körbchen mit landestypischen Motiven. Tracy hat die Kosten kalkuliert, Material geordert und, ganz wichtig, die Landrechte gesichert. Das sechs mal sechs Meter große Fundament wurde gegossen, bevor die Lufthanseaten aus Deutschland, den USA, Kanada, Kolumbien und Panama eintrafen. Insgesamt 50 Kollegen packten an zwei Tagen mit an, auch Nachbarn sägten, hämmerten und richteten die Wände aus Holz auf. Fachleute leiteten die Helfer an, die Fenster einzusetzen, bevor die Fassade gestrichen wurde – alles bei schwülen 30 Grad.

„Die Schlüsselübergabe war ein bewegender Moment“, erzählt Katja Müller. „Viele Firmen geben viel Geld für gemeinsame Veranstaltungen aus. Unsere ist günstiger, die Kollegen arbeiten zusammen und lernen sich kennen“. Das Haus hat rund 12. 000 US-Dollar gekostet. Eine norwegische Gruppe übernahm die Inneneinrichtung. Wichtig sei bei solchen Vorhaben, „die Leute mitzunehmen“, sagt Müller. In Deutschland gebe es „viel Angst vor allem“, dabei sei es oft „einfach und sehr bereichernd, wenn man helfen kann“.

Kanal und mehr: Panama bietet Regenwald und Kolonialviertel

Kommentare