Abschied von der „Männerdomäne“

Isabelle Wenzel ist neue stellvertretende Wehrführerin in Obertshausen

Die Ernennungsurkunde bekam die Isabelle Wenzel von Stadtbrandinspektor Leith Aissa (links) und Bürgermeister Manuel Friedrich überreicht.
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Die Ernennungsurkunde bekam die Isabelle Wenzel von Stadtbrandinspektor Leith Aissa (links) und Bürgermeister Manuel Friedrich überreicht.

Jugendgruppenleiterin, Kinderfeuerwehrwartin und nun stellvertretende Wehrführerin der Freiwilligen Feuerwehr Obertshausen – seit mehr als einem Jahrzehnt ist die Freiwillige Feuerwehr Isabelle Wenzels Leidenschaft. Mit dem Aufstieg in die Wehrführung Ende des vergangenen Jahres ist die Obertshausenerin nun eine von wenigen Frauen im Kreis Offenbach, die eine Führungsposition in der Männerdomäne bekleiden.

Obertshausen - Sie übernimmt von Vorgänger Thorsten Manus, der das Amt des stellvertretenden Wehrführers seit 2013 innehatte.

Für die nötige Leidenschaft, sich ehrenamtlich bei den Brandschützern zu engagieren, sorgt bei der Feuerwehrfrau vor allem die besondere Kameradschaft innerhalb der Wehr. „Das ist noch einmal ein ganz anderes Teamwork als in anderen Vereinen“, beschreibt Isabelle Wenzel. Denn wer etwa zusammen im Trupp ein brennendes Haus betritt, um andere zu retten, und sich damit selbst in Lebensgefahr begibt, muss sich auf seine Kameraden blind verlassen können.

Ganz vorne mit dabei, ist Wenzel, die inzwischen den Rang einer Hauptlöschmeisterin bekleidet, im Einsatz gerne. „Die Tätigkeit im Angriffstrupp ist für mich das Interessanteste, egal ob bei Türöffnungen oder der Arbeit unter Atemschutz“, sagt sie.

Aber auch das Führen im Einsatz, macht Isabelle Wenzel durchaus Spaß. „Es ist ein anderes Arbeiten, mit dem Kopf, statt mit den Händen, das macht es interessant“, erläutert sie. Nicht umsonst hat sie im vergangenen Jahr erfolgreich ihren Zugführer-Lehrgang absolviert – als erst Frau in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Obertshausen. Und das nächste Lehrgangs-Ziel hat sich Isabell Wenzel auch schon gesetzt: „Ich würde gerne noch das Thema Gefahrgut angehen“, sagt sie.

Unterschiede bei den Anforderungen an Frauen und Männer gibt es bei den der Obertshausener Wehren übrigens nicht. „Bei uns macht jeder alles“, betont die stellvertretende Wehrführerin. „Ich bin hier bei uns in der Stadt sehr gut aufgenommen worden, da hört man von anderen Wehren durchaus anderes“, weiß Wenzel. Klar freue es sie auch mal, wenn einer der Kameraden fragt, ob er etwas abnehmen könne. „Vor allem wenn es sehr schwer ist und mal etwas weiter oben liegt; ich bin ja nicht die Größte“, sagt sie und lacht. Und auch was den ein oder anderen derben Spruch – etwa auf der Rückfahrt von einem erfolgreichen Einsatz – angeht ist Isabell Wenzel sicher: „Da stehen wir Mädels denn Männern in nichts nach.“

Zur Freiwilligen Feuerwehr kam Isabelle Wenzel im Jahr 2006 eher zufällig. „Meine Cousine hat mich mit zur Jugendfeuerwehr genommen, da waren wir beide 15 Jahre alt“, erinnert sie sich. Im Gegensatz zu dieser wechselt Isabelle Wenzel bereits nach zwei Jahren in die Einsatzabteilung der Obertshausener, engagiert sich von 2011 bis 2014 als Betreuerin bei der damals neugegründeten Kinderfeuerwehr und übernimmt dann als Kinderfeuerwehrwartin deren Leitung. In ihre Amtszeit fällt auch die feierliche Indienststellung des zweiten Kleine-Kinder-Löschfahrzeuges (KKLF-2), an dessen Gestaltung sie mitgewirkt hat. Für die technische Ausrüstung ist ebenfalls eine der Interessen der frischgebackenen Wehrführerin. „Auch wenn ich beruflich eigentlich ehr aus einer ganz anderen Ecke komme“, sagt die studierte Ökologin, die als Lehrerin und Dozentin im Sana-Klinikum arbeitet.

Ihren Posten als Kinderfeuerwehrwartin hat Isabelle Wenzel mit dem Wechsel in der Wehrführung und dem damit verbundenen Zeitaufwand inzwischen weitergegeben. Diese Aufgabe bleibt allerdings in der Familie. Den Staffelstab hat nämlich ihre jüngere Schwester Lea Wenzel übernommen – pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Nachwuchstruppe. (Von Thomas Holzamer)

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