„Die Betroffenen fragen“

Islamwissenschaftler gibt Besuchern Einblicke in die Religion

+
Der Vortrag des Islamwissenschaftlers und Pädagogen Talha Taskinsoy lockte zahlreiche Besucher in die Räume des Malteser Hilfsdienstes. Wegen des großen Interesses an dem Thema soll die Veranstaltung wiederholt werden.

Obertshausen - Die fast 50 Besucher denken beim Stichwort Islam an Koran, Moschee, Ramadan, Zuckerfest, Kopftuch, viele Strömungen, einen Gott. Von Michael Prochnow

Auf Einladung der Flüchtlingshilfe beim Malteser Hilfsdienst (MHD) beleuchtete jetzt ein Imam theologische Grundlagen, religiöse Alltagspraxis und Strömungen der Religion.
Auch im Islam beginnt alles mit Adam. Der erste Mensch gilt auch als erster Prophet. 25 bis 30 seien es, lehrte der Islamwissenschaftler und Pädagoge Talha Taskinsoy. Der Bremer ist als Imam in Neu-Isenburg tätig und informierte, „bei einigen Größen wie Buddha und Sokrates sind wir uns nicht sicher, ob sie als Propheten zählen“. Bei Noah, Lot und Abraham hingegen schon, sie spielen auch für Juden und Christen eine wichtige Rolle. In der „abrahamischen Religion“ seien also auch Abrahams Frau Haga, ihre Söhne Ismail und Isaak und dessen Sohn Jakob wichtig, ebenso Mose und Jesus.

Taskinsoy schilderte auch die Schlüsselszene des Islam: Beim Marsch durch die Wüste entdeckt Haga eine Quelle. Sie bleibt und gewährt Karawanen, Wasser zu schöpfen. An diesem Ort, dem heutigen Mekka, wird der Prophet Mohammed geboren. Der Referent übersetzte das Glaubensbekenntnis der Muslime: „Es gibt keinen Gott außer Allah, ich bezeuge, dass Mohammed Diener und Gesandter ist.“ Mit diesem Satz seien auch alle Propheten vor Mohammed akzeptiert.

In seinen Fortbildungen für Lehrer und Polizisten stoße der Islam-Kenner auf viel Unwissenheit und Vorurteile. Darum notierte er die sechs Glaubenspfeiler: der Glaube an Gott, an seine Engel, seine Bücher, seine Gesandten, die Propheten, der Glaube an den „Letzten Tag“ sowie an das Schicksal und die göttliche Bestimmung. Die fünf Säulen seien das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten, die Pflichtabgabe für Arme und das Pilgern nach Mekka.

Zum Spenden heiße es, wer über ein Jahr keine Schulden hat und seine Familie ernähren kann, gibt 2,5 Prozent seines Besitzes ärmeren Menschen. Bei großen Vermögen erhöhe sich die „verpflichtende Sozialabgabe“. Die Gläubigen sollen das Geld einer anerkannten Organisation, Stiftung oder dem Nachbarn in Not geben. Durch den islamischen Kalender rücke der Beginn des Fastenmonats Ramadan alljährlich zehn Tage nach vorne. „Wir freuen uns auf die Wintertage“, verriet der Imam lächelnd. Denn dann sei der Tag und somit das Fasten kürzer.

Papst mahnt Myanmar zur Achtung der Menschenrechte

Zur Kopftuchdiskussion, bemerkte Taskinsoy, diese werde meist nur von Männer geführt. Man möge die betroffenen Frauen fragen. Für Minderjährige sei die Kopfbedeckung nicht vorgeschrieben. Zudem trügen christliche Nonnen ebenfalls eine und auch die Jungfrau Maria werde meist mit einem Tuch dargestellt. Von Radikalisierung oder gar Islamisierung zu sprechen sei Unfug, so der Islamwissenschaftler. Die rund 26 Millionen Muslime, knapp fünf Prozent der Bevölkerung in Europa, gehörten unterschiedlichen Strömungen an.

Wegen des großen Interesses plane man eine Wiederholung des Vortrags, kündigt Katy Walther von der Flüchtlingshilfe der Malteser an.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare