Jeder läuft für sich allein

Mehr als 300 Teilnehmer beim „virtuellen Volks-Waldlauf“ der TGS Hausen

Sportler stehen auf einem Sportplatz und freuen sich.
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Freude im Zieleinlauf: Mit Bürgermeister Manuel Friedrich (rechts) sind Aktive stolz auf ihre Ergebnisse beim „virtuellen Volks-Waldlauf“ der TGS Hausen.

Die gesamte Vereinswelt der „liebenswerten Kleinstadt“ hat vornehm abgesagt, zu Zeiten von Corona sind Aktivitäten nicht möglich. Doch eine kleine Gruppe begeisterter Sportler im Norden der Stadt hat den Volks-Waldlauf der Turngesellschaft (TGS) Hausen von einer Massenveranstaltung mit mehr als 1000 Teilnehmern in eine virtuelle verwandelt. 328 Aktive haben mitgemacht.

Obertshausen – „2020 steht eine Sache im Fokus: unsere Liebe zum Laufen“, gab Steffen Bogdahn als Parole aus. Der TGS-Vorsitzende und Motor der Idee registrierte die meisten Starter auf der Strecke, die sein Team im Vorfeld markiert hatte. Viele wählten aber eigene Wege. Dr. Klaus-Uwe Gerhardt von der Mannschaft Grüne Lunge Obertshausen absolvierte die Zehn-Kilometer-Distanz in 1,21 Stunden – und das als Berglauf im Urlaub auf dem Hahnenköpfle von Faschina nach Garsella in Österreich.

Gewonnen hat über diese Entfernung der Hausener Rolf Ciesielski in 36:44 Minuten. Die erste Frau heißt Sigrid Grygosch und brauchte 44:34 Minuten. Beide zählen zu den „langen Bekannten“ des Volkslaufs. Eine Läuferin war auch verantwortlich für eine große Überraschung im Halbmarathon. Franziska Baist legte die gut 21 Kilometer als Zeitschnellste in 1,23 Stunden zurück. Ihr folgte eine Minute später Florian Kaltenbach.

„Wir hatten Anmeldungen bis aus Berlin und Potsdam, Duisburg und Leverkusen, Ingolstadt, Karlsruhe und Aschaffenburg“, verkündete Bogdahn stolz. Aus Obertshausen beteiligten sich 78 Sportler. „Das unterstreicht, wie überregional wir hier aufgestellt sind.“ Die 10 000-Meter-Strecke war mit Abstand die beliebteste, 44 Frauen und 113 Männer waren darauf unterwegs. Den Jedermann-Lauf über fünf Kilometer wählten 80 Personen, den Halbmarathon 59. Insgesamt 32 Jugendliche, Schüler und Bambini rannten eine Tour über 5000, 1000, 400 oder 200 Meter.

„Für viele Läufer im Rhein-Main-Gebiet ist unsere Veranstaltung ein Begriff und seit 44 Jahren eine echte Institution in der Szene“, fasste Organisator Bogdahn zusammen. 2019 nutzte mit Philipp Pflieger und Laura Hottenrott sogar die deutsche Lauf-Elite den Hausener Volkslauf zur Wettkampfvorbereitung. „Dass die staatlichen Regelungen die Aktion in ihrer ursprünglichen Form nicht erlauben, haben wir schon Anfang März befürchtet. Aber wir wollten Corona auch nicht so einfach gewinnen lassen“, betonte der Vereinschef.

Die Initiatoren standen frühzeitig und eng mit dem neuen Bürgermeister Manuel Friedrich in intensivem Dialog. Vor seinem Amtsantritt richtete der Veranstaltungskaufmann mit einer Agentur auch den Frankfurt Marathon aus. „Ich freue mich sehr, dass die TGS den Mut hatte, einfach mal einen anderen Weg zu gehen und nicht einfach aufzugeben“, lobte der passionierte Läufer.

Das Konzept war denkbar einfach: Die Interessierten meldeten sich online an und erhielten ihre Startnummer per Mail. Zudem gab es einen Zugang zu einem Internet-Portal, um das persönliche Ergebnis und Fotos hochzuladen. „Alle Angaben erfolgten auf Vertrauensbasis, der Wettbewerb rückte in den Hintergrund“, erläuterte Bogdahn. Die Teilnahme war kostenfrei, die TGS bat lediglich um Spenden für die Jugendarbeit.

Das Kinder- und Jugendtraining sei in nahezu jedem Verein ein Zuschussgeschäft und müsse durch andere Aktivitäten gedeckt werden. „Die TGS Hausen betreut rund 600 Mädchen und Jungen, entsprechend wichtig ist uns diese Arbeit“, betonte der Vorsitzende. (Von Michael Prochnow)

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