Zuhören, statt selbst zu reden

Joachim Zweigler wird neuer Schiedsmann für Obertshausen 

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Neue Aufgabe für Joachim Zweigler: Künftig vermittelt der ehemalige Richter als Schiedsmann bei Streitigkeiten.

Obertshausen - Joachim Zweigler ist Obertshausens künftiger Schiedsmann. Der pensionierte Richter wurde jetzt von den Mitgliedern des Stadtparlaments gewählt. Von Thomas Holzamer 

Nachbarschaftsstreitigkeiten, Sachbeschädigung oder Beleidigung – wenn es um rechtliche Streitigkeiten im Bagatellbereich geht, ist in vielen Fällen das Schiedsamt der Stadt die richtige Anlaufstelle für beide Parteien. Dort kümmert sich künftig Joachim Zweigler um Kläger wie Beschuldigte, versucht zu schlichten und eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden. Dabei tritt er in die Fußstapfen von Babara Stumpf, deren Amtszeit mit Zweiglers Bestätigung durch das Amtsgericht endet.

Jeweils für fünf Jahre werden die Schiedsleute vom Stadtparlament gewählt und vom zuständigen Amtsgericht bestätigt. Sie übernehmen die außergerichtliche Streitschlichtung. Das bewahrt die Streitenden nicht selten vor hohen Gerichtskosten und entlastet die Zivilgerichte.

Beim Streitschlichten kommt es vor allem aufs Zuhören an, weiß Zweigler. Denn gerade bei Streitigkeiten unter Nachbarn – in solchen Fällen werden die Schiedsmänner mit am häufigsten eingeschaltet – geht es oft auch um Emotionen, nicht nur die Sache. Ziel der Streitschlichtung sei daher nicht nur, den jeweiligen Sachverhalt zu klären, sondern auch um eine dauerhafte Entspannung des Verhältnisses zwischen beiden Parteien zu erreichen. Und dazu gelte es zunächst einmal, zuzuhören und beide Seiten zu verstehen, erläutert der Experte. „Wenn der Schiedsmann nur redet, hat er keine Chance“, sagt er.

Der 67-Jährige weiß, wovon er spricht. Vor seiner Pensionierung vor zwei Jahren war er 36 Jahre lang Richter am Arbeitsgericht, zunächst in Frankfurt, nach weiteren Stationen schließlich in Offenbach. So verschlug es den gebürtigen Frankfurter auf der Suche nach einem Wohnort in der näheren Umgebung seiner Arbeitsstelle 1982 nach Obertshausen.

Seitdem engagiert er sich dort auch in der Kommunalpolitik, sitzt seit 1985 für die SPD im Stadtparlament. Seine Fraktionskollegen waren es auch, die ihn schließlich dafür gewinnen konnten, sich für das Amt des Schiedsmanns zur Verfügung zu stellen. Denn eins sei sicher, sagt der ehemalige Richter, „Freunde macht man sich in dieser Funktion in der Regel nicht“. Erfahrung mit Schlichtungsverfahren hat Joachim Zweigler bereits bei zahlreichen innerbetrieblichen Schlichtungsverfahren sammeln können, bei denen es in der Regel um Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Betriebsräten ging, beispielsweise über Arbeitszeitvereinbarungen und Sparmaßnahmen. Diese ziehen sich nicht selten über Monate hin und sind meist festgefahren, wenn ein Schli-chter hinzugezogen wird.

Doch auch wenn der eine oder andere Fall einmal nicht außergerichtlich geklärt werden kann, Vorteile bietet das Schiedsverfahren für die Beteiligten allemal. So sind die Kosten mit etwa 20 bis 50 Euro weitaus niedriger als ein kostspieliges Verfahren und es ergeht auch kein Schuldspruch. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis der Schlichtung rechtlich bindend und kann notfalls vor Gericht eingeklagt werden, so sich eine Seite nicht an die Vereinbarung hält. Neben seiner neuen Aufgabe engagiert sich Joachim Zweigler auch im Vorstand des Tennisclubs am Waldbad (TCAW). Das städtische Schiedsamt im Rathaus an der Beethovenstraße ist für Fragen und Termine telefonisch unter der Nummer  06104/703-3111 erreichbar.

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