Jubiläumskonzert der Musikschule

„Hier gehen die Uhren anders“

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Eigens für das Jubiläumskonzert, mit dem die Musikschule Obertshausen im Hausener Bürgerhaus ihr 25-jähriges Bestehen feierte, fanden sich Musikerinnen und Musiker zu einem Streichorchester zusammen. Auch diverse Chöre und Musikgruppen gestalteten das unterhaltsame Programm mit.

Obertshausen - Ohne sie wäre die Stadt ärmer. Sie habe ihren festen Platz im kulturellen Leben, lobte Bürgermeister Bernd Roth und gratulierte zum „Jubiläum einer Erfolgsgeschichte“. Von Michael Prochnow

Diese heißt Musikschule Obertshausen und feierte ihre Gründung vor einem Vierteljahrhundert: Am 1. November 1988 begann der Unterricht mit rund 50 Schülern, die vor allem Flöte, Mundharmonika oder Akkordeon beherrschen wollten. Beim Jubiläumskonzert im Hausener Bürgerhaus erklangen zunächst die vereinten Chöre von Peter Krausch, von Sonnentau-, Eichendorff- und Waldschule sowie von der Offenbacher Mathildenschule.

Die Regie präsentierte danach Ausnahmetalente, äußerst erfolgreiche Instrumentalisten aus der eigenen Schmiede. Dazu zählen das Saxophon-Ensemble von Jürgen Weiss ebenso wie das große Streicherorchester, das eigens für das Fest zusammenfand. Leiter Waldemar Szymanski und Kollege Weiss begleiteten die Schüler Victoria Reichenbach an der Klarinette und Lukas Battel an der Violine, dann beeindruckten die mit Auszeichnungen überhäuften Gitarrenspielerinnen von Mechthild Halter.

Annette Dörr und Marina Bogdanova ließen mit zwölf Händen an zwei Klavieren spielen, an den Tasten überzeugte danach virtuos Dominic Mann. Die Mini-Combo warb für ihr Konzert, Oguz Dogans Trommelgruppe und eine Band erfüllten den Raum mit Rhythmen. Worte spielten da fast nur eine Nebenrolle. Roth lobte wie so viele Redner am Bürgerhaus-Pult die fruchtbare Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen, Kindergärten und Häusern für Menschen mit Behinderungen – auch wenn die „finanziellen Rahmenbedingungen“ der Stadt nicht mehr so gut seien wie zu Zeiten der Gründung der Musikschule. Diese sei aber nach wie vor ein „lebendiger, pulsierender Bestandteil des kulturellen Angebots. Den engagierten Lehrkräften sei der gute Ruf der Institution zu verdanken.

„Hier gehen die Uhren anders“, bekannte Michael Weis, Direktor der Hermann-Hesse-Schule im Namen seiner Kollegen. „Schüler brauchen Musik“, betonte der Pädagoge, und selber machen sei besser, als sie nur theoretisch kennen zu lernen. Der Unterricht der Musikschule in ihren Mauern bereichere die Gesamt- und die Grundschulen. Martin Simmich, pädagogischer Leiter der Awo-Werkstätten im Offenbacher Hainbachtal, erinnerte an den Erfolg der Combo, die vor einigen Jahren den europäischen Wettbewerb für Bands mit Menschen mit Behinderungen gewann. Die Musikschule leiste, vor allem in Person des Combo-Leiters Jürgen Weiss, einen Beitrag zur Akzeptanz.

Landrat Oliver Quilling lobte die Institution als eine der zwei größten im Kreis und dankte den Initiatoren. Entscheidend aber sei, „Musik macht Spaß“, das konnten die Musikpädagogen in Obertshausen vermitteln. Darauf sei die Stadt stolz, unterstrich Parlamentschefin Heide Heß, zugleich Vorsitzende des Volksbildungswerks (VBW). Ihre Vorgängerin Hildegard Bühl und der damalige Rathauschef Robert Roth hatten das Projekt nach dem Vorbild der Landesmusikschule in der österreichischen Partnerstadt Laakirchen geplant, Politiker beschlossen das Vorhaben über die Parteigrenzen hinweg.

„Wir brauchen Fans!“ Heide Heß gelang es bei der Geburtstagsfeier, dezent auf die Bedürfnisse des 25-jährigen Sprosses des Volksbildungswerks hinzuweisen. Seit dem Startschuss dabei sind Schulleiter Dietmar Schrod und seine Stellvertreterin Annette Dörr, Barbara Schramke, Hans-Günther Labahn und Waldemar Szymanski. Heute umfasst das Team sieben Festangestellte und 30 Honorarkräfte.

Ihr Chef redete im voll besetzten Saal Tacheles: „Die Musikschulen in Hessen haben ihr Ziel, eine Drittelfinanzierung, nicht erreicht“, das Aufteilen der Kosten zwischen Land, Kommune und Gebührenzahler. „Eines der reichsten Bundesländer hat es nicht hingekriegt, ein Musikschul-Gesetz zu schaffen“, kritisierte Schrod. Der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi sprang in die Bresche, versprach, sich in Wiesbaden um das Anliegen der Einrichtungen zu kümmern. Und legte noch eine Grillparty als Geburtstagsgeschenk obendrauf. Den glanzvollen Schlusspunkt setzte der kreative Jugendchor 2000 der Sängerlust, die Zugabe servierte die überragende Jazz-Band von Udo Brenner im Foyer.

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