Kampf gegen multiresistente Erreger 

Caritas-Sozialstation erhält Qualitätssiegel

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Caritas-Qualitätsbeauftragte Julia Jedlicsek (von links), Hygienefachbeauftragter Christoph Diehl, die Leiterin der Sozialstation Obertshausen, Dana Radtke, und Bereichsleiterin Ute Kern-Müller freuen sich über den Erhalt des MRE-Qualitätssiegels.

Obertshausen - In Krankenhäusern und Pflegeheimen sind sogenannte multiresistente Erreger kein Einzelfall. Strenge Hygienestandards und die Zusammenarbeit von Kliniken, Ärzten und Pflegediensten sollen helfen, ihre Verbreitung einzudämmen. Dafür engagiert sich auch die Caritas-Sozialstation in Obertshausen. Von Thomas Holzamer 

Sie heißen Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistenter Enterococcus faecium und Enterococcus faecalis (VRE) oder Multiresistenter Pseudomonas aeruginosa – die Rede ist von sogenannten multiresistenten Erregern (MRE), Bakterien die eine Resistenz gegen jene Medikamente entwickelt haben, mit denen die durch sie ausgelösten Krankheiten behandelt werden. Infiziert sich ein Mensch mit diesen Krankheitserregern, schlagen die bisher bekannten Antibiotika zur Behandlung nicht an.

Um dem wachsenden Problem der multiresistenten Erreger entgegenzuwirken hat sich vor einiger Zeit das „MRE-Netzwerk-Rhein-Main“ gebildet. Darin haben sich Krankenhäuser, Gesundheitsämter, Ärzte und andere Akteure aus dem Gesundheitswesen zusammengeschlossen, um das Problem gemeinsam anzugehen. Mit dabei ist auch der Caritasverband Offenbach mit seinen vier Sozialstationen in Obertshausen, Heusenstamm, Rödermark und Seligenstadt.

Für die Erfüllung der hohen Hygiene- und Qualitätsstandards des Netzwerks wurde die Caritas-Station Obertshausen am Montag mit dem MRE-Qualitätssiegel ausgezeichnet. Dafür müssen die Einrichtungen eine Reihe von unterschiedlichen Kriterien erfüllen, wie Julia Jedlicsek, Qualitätsbeauftragte des Caritas-Verbands Offenbach, erläutert. So müssen die Obertshausener beispielsweise regelmäßig die Zahlen der aufgetretenen Fälle im Tagesgeschäft melden. Auch eine gute Kommunikation mit Krankenhäusern, Ärzten und Pflegeheimen sei wichtig, wenn es darum gehe, die Verbreitung der Erreger einzudämmen, informiert sie.

Achtung: Diese vier Erreger können Krebs auslösen

Ein wichtiger Ansatzpunkt sei dabei die Schnittstelle zwischen dem stationären und dem ambulanten Bereich, ergänzt Ute Kern-Müller, Bereichsleiterin für Gesundheit und ambulante Pflege. Ein erster Erfolg sei daher, dass inzwischen alle Patienten im Krankenhaus ein MRE-Screening durchlaufen. Nur hapere es bisweilen in manchen Fällen noch am Informationsfluss. „Wenn beispielsweise ein Patient, der einen MRE in sich trägt, von einem Krankenfahrdienst gefahren wurde, ist es wichtig für dessen Mitarbeiter, das zu wissen“, informiert Jedlicsek. So sei sichergestellt, dass das Fahrzeug vor seinem nächsten Einsatz gründlich desinfiziert werde.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Denn das wirksamste Mittel im Kampf gegen die Erreger sei eine gründliche Hygiene, erläutert der stellvertretende Pflegedienstleiter der Obertshausener Sozialstation, Christoph Diehl. Als Hygienefachbeauftragter des Caritas-Verbands Offenbach ist er seit Jahren für die Entwicklung der nötigen Standards und die Schulung der Caritas-Mitarbeiter in den vier Sozialstationen des Kreises zuständig. Doch sollten es gesunde Menschen damit nicht übertreiben. „Regelmäßig gleich die ganze Küche mit Sagrotan zu desinfizieren, ist das Schlimmste“, rät er von zu viel Panik ab. Das stete Bemühen um Keimfreiheit fördere Resistenzen eher, als dass es vor solchen Bakterien schütze, mahnt er. „Das Wichtigste ist und bleibt die Handhygiene“, betont der Fachmann. „Und mit der sollten wir es ernst nehmen.“

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