Abstand geht in der Pflege nicht

Katharina Schulz leitet die Caritas-Sozialstation Obertshausen-Mühlheim

Seit Oktober leitet Katharina Schulz die Caritas-Sozialstation Obertshausen-Mühlheim im Haus Georg, die mehr als 100 Kunden betreut.
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Seit Oktober leitet Katharina Schulz die Caritas-Sozialstation Obertshausen-Mühlheim im Haus Georg, die mehr als 100 Kunden betreut.

Die Maske verbirgt ein leises Lächeln, nicht aber die grau-grünen Augen hinter dem Brillenglas. Durch den Filter dringt eine ruhige und klare Stimme. „Mit Corona und den Hygienemaßnahmen haben wir neue Schwerpunkte in unserer Arbeit“, skizziert sie die aktuelle Situation in der ambulanten Pflege. Katharina Schulz ist seit Oktober Leiterin der Caritas-Sozialstation Obertshausen-Mühlheim im Haus Georg.

Obertshausen – An ihrem Schreibtisch in der Alexanderstraße 39 organisiert sie die Touren von Früh- und Spätschicht, bereitet Besprechungen vor und vereinbart Termine. „Anfangs bin ich oft mit raus gefahren, um die Mitarbeiterinnen und Kunden kennen zu lernen“, berichtet die Niedersächsin. „Aufnahmegespräche, Veränderungen der Leistungen bei einzelnen Senioren und die Abstimmung der Versorgung sind generell Aufgaben der Leiterin.“

Die 22 Pflegekräfte der Station betreuen mehr als 100 Kunden. „Manche Kolleginnen sind schon seit einem Vierteljahrhundert bei der Caritas“, zeichnet die neue Chefin eine Besonderheit des kirchlichen Betriebs. „Ich spreche regelmäßig Schwesternschülerinnen an“, stellt Ute Kern-Müller eine Taktik vor, um Nachwuchs zu gewinnen. „Wir bewegen uns, um als Arbeitgeber für junge Leute interessant zu sein“, ergänzt die Leiterin des Caritasverbands Offenbach.

Die Pflege-Schulen haben derzeit einen größeren Zulauf, beobachtet sie, „aber das reicht bei weitem nicht aus, um den demografischen Wandel bedienen zu können“. Der „schwierige Stellenwert des Berufs in der Gesellschaft“ habe sich noch nicht wesentlich verändert. Bewerbungen sind also willkommen – auch im Hause Caritas. Denn auch der katholischen Einrichtung fehlen gut ausgebildete Kräfte. Ab nächstem Jahr werden an der Obertshausener Adresse Interessierte auf den Einsatz am Patienten vorbereitet. Chefin Schulz ist nämlich ebenso als Praxisanleiterin, Ausbilderin, qualifiziert.

Derzeit stehen Ängste und Sorgen der Patienten wegen der Pandemie im Mittelpunkt. „Die älteren Menschen sind wie ihre Angehörigen und die Mitarbeiter verunsichert“, schildert die 33-Jährige die Lage. „Schließlich kann ein Schnupfen ja auch Corona sein.“ Und, „wir sind Gast bei den Kunden“, stellt sie klar, „wir achten auf die Einhaltung der höchsten Standards“. Dazu zählt, dass die Angestellten grundsätzlich die sicheren FFP2-Masken tragen, denn „Abstand geht in der Pflege nicht immer“.

Katharina Schulz stammt aus der Hannoveraner Gegend, wo sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvierte. Sie hat sich zur Pflegedienstleiterin weitergebildet und war in einem ambulanten Dienst tätig. Da ihr Mann in Offenbach beschäftigt ist, nahm sie zunächst eine Stelle im Odenwald an, das Paar zog nach Dieburg. In ihrem Heimatort hat Katharina Schulz Kinder- und Jugendgottesdienste gestaltet, engagierte sich bei Ferienaktionen und mit der Querflöte im Musikzug der Feuerwehr. Auf dieses Hobby möchte sie zunächst verzichten, „hier gibt’s zu viel Karneval“, lässt sie das Nordlicht erkennen. (Von Michael Prochnow)

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