Keine Aufgabe für Langschläfer

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Gemeinsam werden die Sternsinger der Pfarrei Hausen von heute an unterwegs sein.

Obertshausen - Kein Job für Langschläfer: Manche Sternsinger sind in den Ferien mehr beschäftigt als während der Schulzeit. Zumindest in der Pfarrei Hausen. Von Michael Prochnow

Bereits vor Weihnachten hatten sich die ersten Kinder und Jugendlichen getroffen. Seitdem bereiteten täglich bis zu 40 Mädchen und Jungen im Pfarrer-Schwahn-Haus die Aktion vor. Gestern haben sie das Haus erstmals verlassen - in dicke Jacken und bunte Gewänder gehüllt. Das Freizeitpädagogische Zentrum der Waldschule war ihr erstes Ziel.

Seit mehr als 30 Jahren greifen die Hausener die Tradition rund um den morgigen Dreikönigstag auf. „Damals lag auch hoch Schnee“, erinnert sich Leiterin Dagmar Silber, die damals als Kind mitgezogen war – nach den Proben ging’s mit dem Schlitten auf den Müllberg. Die künstliche Erhebung am Anglersee war ein Rodelparadies, und die „Könige“ tobten sich mit ihrem „Gefolge“ damals gern nach dem konzentrierten Lieder-Üben aus.

Spanier organisierten in den 80er Jahren regelrechte Festzüge

Bald begleiteten die Hausener Sternsinger auch die Familien des spanischen Elternvereins. In deren Heimat wird am 6. Januar beschert, wenn, wie es die Bibel berichtet, die „Weisen aus dem Morgenland“ die Krippe erreichen und dem Gottessohn Weihrauch, Gold und Myrrhe schenken. Die Spanier organisierten in den 80er Jahren regelrechte Festzüge, stellten die „Heilige Familie“ auf einem Wagen dar, der von Pferden quer durch die Stadt gezogen wurde.

Die jungen Christen der Hausener Pfarrei folgten dabei dem Fuhrwerk im schnellen Schritt und mit mehreren spanischen Liedern im Repertoire. Diese können die treuen Teilnehmer auch heute noch auswendig. Mit den Flüchtlingen aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina kamen Anfang der 90er auch kroatische Texte dazu.

Die Beschäftigung mit fremden Kulturen bestimmt einen großen Teil der Vorbereitung. Das Kindermissionswerk in Aachen und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) unterstützen diese Arbeit mit Material. In diesem Jahr lenken sie den Blick auf das von Diktatur und Bürgerkrieg gebeutelte Kambodscha. „Kinder zeigen Stärke“, lautet das Motto der 53. Aktion, die den Blick auf Menschen mit Behinderungen lenkt.

Segen Gottes in Kitas und ins Rathaus bringen

Mangelernährung und schlechte Gesundheitsversorgung seien dort Ursachen von Krankheiten bei Tausenden Kindern, lernen die Sternsinger. Hinzu komme das Problem von rund vier bis sechs Millionen versteckter Landminen, die auch jetzt noch Menschen töten oder verstümmeln. „In Kambodscha zeigen Kinder, dass es möglich ist, ohne Beine Fußball zu spielen und ohne Hände zu schreiben“, schreibt Prälat Dr. Klaus Krämer, Leiter des Missionswerks.

Mehr als 730 Millionen Euro wurden mit der „weltweit größten Aktion von Kindern für Kinder“ gesammelt. Bei der 52. Aktion vor einem Jahr hatten Mädchen und Jungen aus rund 12. 000 Pfarrgemeinden rund 40,6 Millionen Euro gesammelt– fast 7000 Euro waren es allein in Hausen.

Die Hausener Sternsinger bringen den Segen Gottes heute in Kitas und ins Rathaus. Am Abend nehmen sie am dekanatsübergreifenden Gottesdienst in Rödermark-Ober-Roden teil, morgen feiern sie den Gottesdienst um 10 Uhr in St. Josef mit und besuchen am Abend den spanischen Elternverein. Am Wochenende schreiben sie das „C-M-B“, „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne das Haus“, über die Türen vieler Wohnungen.

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