Größere Vielfalt in der Küche

Kerschensteiner-Schüler retten Lebensmittel vor Mülltonne

Begleiten das Projekt „Zu gut für die Tonne“: Dennis De Meo (von links), Susanne Hausmann, Abteilungsleiterin Gastronomie an der Georg-Kerschensteiner-Schule, Melanie De Meo und Schulleiter Dirk Ruber.
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Begleiten das Projekt „Zu gut für die Tonne“: Dennis De Meo (von links), Susanne Hausmann, Abteilungsleiterin Gastronomie an der Georg-Kerschensteiner-Schule, Melanie De Meo und Schulleiter Dirk Ruber.

Kann man eine Banane, die bereits braune Flecken hat noch essen? Mit unter anderem dieser Frage beschäftigen sich zwei Berufsschulklassen der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) in ihrem Projekt „Zu gut für die Tonne“ regelmäßig. Dabei sollen die Schüler nicht nur mehr auf Nachhaltigkeit achten, sondern auch mehr über die Lebensmittel lernen.

Obertshausen - Die Initiative des Projektes geht auf das Ehepaar Melanie und Dennis De Meo zurück, die beide als Praxislehrer im Gastronomiebereich an der GKS angestellt sind. „Wir haben uns gefragt, wie man den Berufsschulunterricht attraktiver machen kann“, erinnert sich Melanie De Meo. Durch Freunde sei man auf das Retten von Lebensmitteln aufmerksam geworden und habe direkt das Potenzial für die Schüler erkannt. „Das ist genau das, was wir brauchen, um die Schüler mitzunehmen“, so die Hotelmeisterin.

Also initiierte man eine Lebensmittelrettung an der Schule. Zweimal die Woche werden nun Lebensmittel von kooperierenden Betrieben abgeholt und anschließend vorsortiert. Im Anschluss stehen diese den Schülern zur Verfügung.

Ein Teil der geretteten Lebensmittel wird dann kostenlos unter den Schülern verteilt. Der andere Teil wird von den Gastronomieschülern verarbeitet. Dies habe auch Vorteile für die Warenkunde, berichtet Dennis De Meo, der seine Schüler zu Köchen ausbildet. „Ich habe durch die geretteten Lebensmittel eine größere Vielfalt in der Küche, als wenn ich normal einkaufen würde“, sagt er. Zudem seien die Schüler auch neugierig und fragten bei ihnen unbekannten Produkten eher nach.

Doch auch der soziale Aspekt spiele bei dem Projekt eine Rolle. Viele Jugendliche der Schule kommen aus sozial benachteiligten Familien. In den vergangenen Jahren ist dem Ehepaar De Meo aufgefallen, dass der Bezug zu Lebensmitteln, gesunder Ernährung und der globalen Bedeutung von Lebensmittelverschwendung bei sehr vielen Jugendlichen gänzlich fehle. Dies ändere sich durch das Projekt. Zudem würden die sozial Benachteiligten durch das Retten von Lebensmitteln kostenlos an qualitativ hochwertige Produkte kommen. „Ich finde das sensationell“, sagt Susanne Hausmann, Abteilungsleiterin für den Bildungszweig Gastronomie an der GKS. „Das Projekt verknüpft so viele Dinge miteinander – und die Schüler sehen, dass man Lebensmittel auch noch verwenden kann, wenn sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben.“

Auch der Schulleiter Dirk Ruber steht voll hinter dem Projekt. „Ich habe da eine Hemmschwelle – daher finde ich es großartig, dass nicht nur genießbare, sondern einwandfreie Lebensmittel vor dem Wegwerfen gerettet werden“, sagt er. Zudem sei es ihm auch von Anfang an wichtig gewesen, dass diejenigen unterstützt werden, die es benötigen, meint er im Hinblick auf den sozialen Aspekt.

Die Schüler begeistert das Projekt „Zu gut für die Tonne“ ebenso. „Wir finden es toll, denn wir tun damit ja auch was für die Umwelt“, sagt Lilian Tina Rieser. „Aber wir würden uns auch wünschen, dass noch mehr Menschen darauf aufmerksam werden, dass man Lebensmittel retten kann.“ Dem stimmt Jasmin Biebel zu und ergänzt: „Wir würden uns auch wünschen, dass die Leute nicht mehr denken, dass etwas gleich schlecht ist, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.“

Die Arbeit der Jugendlichen ist übrigens auf Instagram zu zusehen. Unter „gks_gastronomie“ präsentieren die Kerschensteiner-Schüler, was sie aus geretteten Lebensmitteln zaubern. (Von Jan Max Gepperth)

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