Gemeinsamer Kick für bessere Integration

Kickers Obertshausen sucht Trainer für Flüchtlings-Hobby-Team

+
Mannschaftsbesprechung: Kickers Obertshausen lädt Flüchtlinge zum gemeinsamen Kicken.

Obertshausen - Sie sind praktisch Nachbarn und lieben den Fußball. Was liegt also näher, als dass der FC Kickers Obertshausen die Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft zum Kicken einlädt? Aus dem ersten Versuch soll eine regelmäßige Veranstaltung werden – denn ein gemeinsames Hobby verbindet. Von Michael Prochnow 

König Fußball ist es gleich, welche Nationalitäten unter seinem Banner über Asche jagen. Wer am Ende die Krone aufsetzt, hat mit Können gesiegt. Herkunft? Egal. Hauptsache Spaß und Herzblut treten gegen die Kugel. Sport verbindet – auch die Spieler von Kickers Obertshausen (FCK) mit fußballbegeisterten Flüchtlingen aus der nahen Gemeinschaftsunterkunft an der Georg-Kerschensteiner-Straße. Turnschuhe aneinander, einer trägt sogar das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. An diesem Abend ist der Hartplatz von Schnee bedeckt – das erste Spiel auf Eis für die Syrer, Iraker, Afghanen und einen Eritreer. Keiner von ihnen zeigt blaue Lippen oder klappernde Zähne. Stattdessen Einsatz ohne Ende, mit den Knien in den Schnee, grinsen bis über beide Ohren.

Annegret Kraus, die Ansprechpartnerin für Flüchtlinge in der Stadt, vermittelte bereits im vergangenen Jahr ein Treffen zwischen ihren Schützlingen und den Kickers. „Wir haben den Jungs bei einer Tasse Tee unseren Verein vorgestellt“, berichtet Gerald Schulze, zweiter Vorsitzender des FCK. Marc Zimmermann und Sascha Hoehn, Trainer der ersten und zweiten Mannschaft, waren sofort begeistert. Die Trainingseinheit startet mit einem Trab ums Areal und ein paar Konditionsübungen, dann werden Teams gebildet. Die Gruppen stellen sich automatisch zusammen, aufgeteilt nach Herkunftsländern. Das gefällt Zimmermann gar nicht. Er zählt „1-2-1-2“ durch.

Arabische Sprachfetzen fliegen über den Platz, ein paar sprechen Englisch, zwei schon richtig gut Deutsch und dolmetschen die knappen Anweisungen des Trainers. „Beim Fußball muss man nicht viel reden“, lautet seine Parole. Dann schieben die Sportler mit wachsender Begeisterung den Ball durch die Flocken. Fast eine Stunde lang kämpfen die Jungs, als ging’s um einen Meistertitel. Andere Bewohner aus der Unterkunft und einige Vorstandsmitglieder schauen zu – und sind angetan. Weil die Stars ihr Können demonstrieren und stets fair bleiben. Die beiden Fußballlehrer haben schon zwei Spieler entdeckt, die mal den aktiven FCK-Kader verstärken könnten. Ab zum Duschen, und danach „Mannschaftssitzung“. Im Clubheim holen die Sportskanonen ihre Telefone aus den Jacken. Ein Syrer zeigt ein Foto von seinem Heim-Team und deutet auf sich: Bei Damaskus United hat er im Tor gestanden, übersetzt Mohammad, der Dolmetscher.

Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

Sein Landsmann kann das toppen, präsentiert ein Bild mit Promis von Kickers Offenbach und tippt auf das OFC-Logo auf seinem Shirt. Immerhin, bei den Oberts-hausener Kickers haben die Spieler freien Eintritt zu jeder OFC-Heimpartie. Und wenn alles gut geht, dann bilden die „Neuen“ bald den Grundstock einer sowieso schon lange geplanten Hobby-Truppe. Dazu braucht der FCK aber noch einen Trainer, denn Zimmermann und Hoehn stecken mitten in der Vorbereitung für die Rückrunde. Die Trainingszeit ist egal – „die Jungs können immer“, wirbt Siggi Herth vom Spielausschuss. Und die Nachwuchstalente benötigen Ausrüstung: Winterspielkleidung und Kickschuhe.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion