Routinier entdeckt immer neue Klangwelten

Edmund Sauerteig spielt seit 60 Jahren an der Orgel

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Von Pfarrer Norbert Hofmann bekam Edmund Sauerteig (links) ein steinernes Herz überreicht

Obertshausen - Ein wahrlich seltenes Jubiläum feierte die katholische Kirchengemeinde Herz Jesu zum Start in den Advent: Edmund Sauerteig begleitet Gottesdienste und andere liturgische Feiern seit 60 Jahren an der Orgel. Von Michael Prochnow 

Ein Herz aus Stein hat er nun. Das aus einem Ring herausgeschlagene und glatt geschmirgelte Liebessymbol ließ Pfarrer Norbert Hofmann eigens von einem kenianischen Künstler anfertigen. Es gilt einem Mann, der fast täglich seine Liebe zu seinem Glauben und seinem Lieblingsinstrument zeigt. Organist Edmund Sauerteig wurde zwar in Offenbach geboren, bewegte sich aber zeitlebens in Obertshausen.

Der Jubilar wuchs mit einer älteren und zwei jüngeren Schwestern an der Goethestraße auf, wo er noch heute zu Hause ist. Er erlernte – wie fast alle Nachbarn seines Jahrgangs – den Beruf des Feintäschners. Ausbildungsort war die Firma Horch in der Nähe des Elternhauses. Später fertigte Sauerteig in Heimarbeit Teile für die Lederwarenindustrie, bestand nebenbei auch die Meisterprüfung.

Doch die Branche befand sich auf dem Rückzug. Als sein Arbeitgeber 1969 in Konkurs ging, begann der Musikus bei der Arbeiterwohlfahrt in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Im Offenbacher Hainbachtal betreute er 30 Jahre lang die gehandicapten Mitarbeiter bei der Montage von Werbeartikeln. Bereits 1958 legte er im Institut für Kirchenmusik in Mainz das Organisten-Examen ab, spielte in Herz Jesu als zweiter Organist neben Hans Drumm.

Instrumente richtig säubern und lagern

In Hausen konnte er die „Nummer Eins“ sein, also begann er 1960 bei Pfarrer Alois Luttermann in St. Josef. Der „Seitenwechsel“ hatte zur Folge, dass der junge Mann seine heutige Ehefrau Marie-Luise kennen lernte. Seit 1967 sitzt er wieder regelmäßig am Orgeltisch seiner Heimatgemeinde, ein Jahr später übernahm er obendrein die Leitung des Obertshausener Kirchenchors.

„Der geblasene Ton hat mich immer fasziniert“, begründet er seine Konzentration auf die Orgelpfeifen. Denn zu seinem Repertoire gehören auch Akkordeon und Gitarre. Aber die Orgel sei nun mal sehr vielseitig. „Bis heute fesselt mich die Kirchenmusik, entdecke ich an dem Instrument neue Klangwelten“, formuliert er seine Zuneigung. Und anstatt beim Üben in einen Alltagstrott zu verfallen, komponiert der Bewunderer des Mainzer Kollegen Heinrich Rohr auch selbst – oder, wie er es nennt, „ich schreibe vom Kopf in die Finger“.

„Mit dem Nachwuchs ist’s schwierig“, sagt der Vater von drei Söhnen und einer Tochter und meint den an den Tasten. Auch sonst hat der Experte noch Wünsche: „Auf dem Neuen Friedhof bräuchte das Instrument nach mehr als 40 Jahren neue Pfeifen“, schränkt aber gleich ein, dass dies natürlich teuer sei. Dafür erfüllte er sich einen anderen Traum. Den Kirchenchor hat er zwar längst in jüngere Hände gelegt, doch eine Männerschola leitet er mit großer Hingabe.

Edmund Sauerteigs Herzblut und Leidenschaft würdigten auch die Vertreter von Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat. Markus Jäger lobte die Zeit und das Engagement, das Edmund Sauerteig für die Gottesdienst-Gestaltung aufwendet, und bewunderte die intensive Vorbereitung, die der routinierte Organist leiste. Diese Konzentration sei beim aktuellen Zeitgeist alles andere als üblich, betonte auch Pfarrer Norbert Hofmann.

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