Bestnoten für Sozialstation

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Sozialstation-Leiterin Gabriele Hermann-Kollig (links) und Bereichsleiterin Ute Kern-Müller präsentieren vor den Pflegekräften stolz das Zertifikat der Qualitätsprüfung.

Obertshausen ‐ Den 21. Dezember vergangenen Jahres werden die Mitarbeiter der Caritas-Sozialstation Obertshausen-Mühlheim so schnell nicht vergessen. Am Vormittag standen plötzlich die Prüfer des Medizinischen Dienstes der Kranken- und Pflegekassen (MDK) vor der Tür. Von Jörn Polzin

Ihr Auftrag: Den Pflegedienst auf Herz und Nieren zu prüfen. „Das war schon sehr aufregend für uns, da sich der MDK natürlich nicht angekündigt hatte“, blickt Sozialstation-Leiterin Gabriele Hermann-Kollig zurück. Die Prüfer begleiteten die Pfleger einen Tag lang bei ihren Hausbesuchen und schauten auch hinter die Kulissen. Ergebnis: In allen vier Kategorien - „pflegerische Leistungen“, „ärztlich verordnete pflegerische Leistungen“, „Dienstleistung und Organisation“ sowie „Befragung der Kunden“ - erhielt die Sozialstation jeweils den Bestwert. Macht im Gesamtergebnis eine glatte 1,0. „Damit hat Obertshausen eine erste Duftmarke gesetzt“, stellte Caritas-Direktor Heinz-Martin Hofmann bei der Zertifikatsübergabe zufrieden fest. Er lobte die gute Arbeit der Sozialstation Obertshausen-Mühlheim, die eine Vorbildfunktion für andere Pflegedienste habe.

Entsprechend des Pflege- und Weiterentwicklungsgesetztes von 2008 werden alle ambulanten Pflegeeinrichtungen bis Ende dieses Jahres von Mitarbeitern des MDK aufgesucht. „Unsere Station war die erste im Kreis Offenbach, die sich einer Qualitätsprüfung gestellt hat“, sagt Ute Kern-Müller, Bereichsleiterin Ambulante Pflege. Sie erhofft sich von diesem Vorzeigeergebnis einen Impuls für die anderen Stationen des Verbands.

25 Pfleger, darunter elf Festangestellte

Das Resultat sei nur eine Momentaufnahme, kommt für die Verantwortlichen aber nicht überraschend. „Alle Sozialstationen arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam im Rahmen von Qualitätszirkeln zusammen“, erklärt Kern-Müller. In der Sozialstation Obertshausen-Mühlheim sind hauptsächlich examinierte Pflegekräfte tätig - immer orientiert an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Eine von ihnen ist Eva Kaufmann, die den 21.  Dezember noch gut in Erinnerung hat. „Das war wirklich das ganze Programm der Pflege - für uns und die Prüfer“, fasst sie zusammen.

Insgesamt verfügt die Sozialstation über 25 Pfleger, darunter elf Festangestellte. Sie betreuen etwa 140 Patienten, die zumeist über 80   Jahre alt sind und unter Demenz leiden. Die Hilfe erfolgt nicht nur in medizinischer Hinsicht. „Wir beraten auch bei Ernährungsfragen und in finanziellen Angelegenheiten“, erklärt Hermann-Kollig. Ein Kostenvoranschlag für die Pflegedienste gehört zum festen Betreuungsangebot.

Wichtig: Die Pflege findet immer bei den Patienten zu Hause statt. „Im vertrauten Umfeld fällt es den Menschen leichter, Hilfe anzunehmen“, sagt Bereichsleiterin Ute Kern-Müller. Zielvorgabe sei es, die Patienten hin zu einem selbstbestimmten Leben zu führen.

Fehlt an qualifiziertem Personal

Eine Lücke im Pflegesystem gibt es allerdings noch: die 24-Stunden-Betreuung. „Das können wir einfach nicht leisten“, sagt Hofmann. Dazu fehle es weiterhin an qualifiziertem Personal für die „körperlich und psychisch anstrengende Tätigkeit.“ Der Caritasverband denkt daher über Möglichkeiten nach, den Beruf des ambulanten Pflegers für Neueinsteiger interessanter zu machen. Hofmann weiß, dass dies nicht zuletzt auch eine finanzielle Frage ist. „Mit einem armutsfesten Gehalt wäre sicher vieles leichter.“

Einen Ansporn für neue Pflegekräfte gibt es in jedem Fall schon: 2011 will der Sozialverband die Qualitätsprüfung wieder mit der Bestnote abschließen.

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