Clubabend bei „Portefeuiller Chuchi Obertshausen“

Köche aus Leidenschaft

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Zwei Hobbyköche bei der Arbeit: Dalibor Vujcic (links) und Wolfgang Schönert der Obertshausener „Chuchi“. Neben Schweinelende im Weißbrotmantel servieren sie und ihre Kochbrüder an diesem Abend Linguine mit Baslikum-Rucola-Pesto, Kartoffeln und grünen Bohnen.

Obertshausen - Tatar von der Räucherforelle auf Gurkencarpaccio, weißes Bohnensüppchen und ummantelte Schweinelende – was die Mitglieder des Kochclubs „Portefeuiller Chuchi Obertshausen “ auf die Teller bringen, kann sich sehen und vor allem schmecken lassen. Von Lena Marie Jörger 

Einmal im Monat treffen sich die Hobbyköche. Nun suchen sie Verstärkung.  Die goldbraune Kruste glänzt verführerisch. Heißes Fett zischt. Behutsam lässt Dalibor Vujcic das nächste Stück in die Pfanne gleiten: Schweinelende, eingerollt in dünne Weißbrotscheiben, bestrichen mit Leberwurst und Brät. Mit dem Handrücken wischt sich Vujcic den Schweiß von der Stirn und blickt zufrieden auf die brutzelnden Rollen.

Seit mehreren Jahren ist der Obertshausener Mitglied im Hobbykoch-Club „Portefeuiller Chuchi“. Einmal im Monat trifft er sich mit seinen „Kochbrüdern“ in den Räumen der Georg-Kerschensteiner-Schule zum gemeinsamen Schlemmen. Neben Genuss und Freude am Kochen spielen Tischsitten eine große Rolle.

Liebevoll gedeckter Tisch, Weingläser stehen parat

Ein Raum weiter steht deshalb schon ein Tisch, liebevoll gedeckt mit weißem Tuch, Kerzen, Dekokugeln und lilafarbenen Blümchen. Die Wein- und Wassergläser blitzen, als stammten sie direkt aus einer Werbung für Spülmaschinentabs. „So Männer!“, ruft Roland Groh und klatscht drei Mal in die Hände. Er ist seit zwölf Jahren Chuchi-Leiter. Nach und nach lösen sich die anderen Hobbyköche von ihren Töpfen, Pfannen und Schneidebrettern und versammeln sich um sechs weiße, flache Teller. Darauf: Gurkencarpaccio und Räucherforellentatar. Das Gericht, dekoriert mit roten Pfefferkörnern, eröffnet diesmal den Kochabend. „Das ist das sogenannte Küchenessen“, erläutert Groh, schnappt sich einen der Teller. Gegessen wird im Stehen – und meist mit den Fingern. „Wenn wir loslegen, kommen die meisten direkt von der Arbeit und haben erst einmal Hunger“, führt Dalibor Vujcic aus, während er etwas von dem Tatar auf ein Stück Weißbrot bettet. „Mit leerem Magen kocht es sich nicht gut, da ist man unkonzentriert.“ Daher das Küchenessen. Üblicherweise besprechen die Kochbrüder dabei den weiteren Ablauf des Abends und teilen ein, wer welchen Gang zubereitet. Jeweils einer der Männer überlegt sich vorher das komplette Vier-Gang-Menü. Zwei Vorspeisen, ein Hauptgang, ein Dessert. Einzige Vorgabe: Lecker muss es sein.

Damit das gelingt, sind die Männer perfekt ausgestattet. Wie Dalibor Vujcic und Wolfgang Schönert. Während der eine sein Handwerkszeug in einer zusammenrollbaren Tasche verstaut, ruhen Schönerts Messer in einem schwarzen Köfferchen. Stundenlang könnten die Köche vermutlich über das perfekte Schneidewerkzeug referieren, ob Holz oder Metallgriff, ausbalanciert oder mit Schwerpunkt – eine regelrechte Glaubensfrage.

Die Liebe zum Kochen vereint

Was alle Chuchi-Mitglieder aber eint, ist die Liebe zum Kochen. „Wenn man in der Küche steht, ist der Stress des Alltags vergessen“, sagt Groh. Außerdem könne man sich Tipps holen und Neues ausprobieren. Deshalb ist auch Vujcic dabei. Er sorgt immer wieder für spektakuläre Szenen, etwa, wenn er auf einer Folie auf dem Küchenboden Engelshaar, dünne Zuckerfäden, herstellt oder Tomatensuppe in Mozzarella spritzt. „Das hätte ich daheim nicht machen können“, gibt er zu und lacht.

Mehr Infos unter 06071/612080, E-Mail: r.groh@chuchi-obertshausen.de

Zuhause schwingen die Köche die Löffel aber auch. „Die Lieben freut’s“, sagt Groh. Anregungen und Rezeptideen holen sich die Kochbrüder im Netz, in Kursen oder in Büchern. Davon hat jeder von ihnen mehr als genug. „Ich habe bei 500 aufgehört zu zählen“, verrät Groh.

Die Köche lassen sich aber auch Eigenkreationen einfallen. Eine solche ist der Nachtisch, den der Chuchi-Leiter an diesem Abend zubereitet. Tiramisu mit Kirschgrütze und Vanille-Mascarpone-Quark. Vorsichtig bedeckt er sein Werk mit gesiebtem Kakaopulver. An der Seite spart er gekonnt die Umrisse eines Teelöffels und einer Kuchengabel aus. „Das Auge isst schließlich mit!“

Für Roland Groh braucht man schon ein gewisses Talent zum Kochen. „Einen Geschmack zu treffen, den andere Menschen teilen, ist schon eine Gabe“, sagt der Eppershäuser. Derzeit sei der Club auf der Suche nach Interessierten, die dieses Talent haben – allerdings nur nach männlichen, so will es die Tradition. „Berufsköche nehmen wir aber nicht auf!“, stellt er klar. Grundkenntnisse sollten die Bewerber aber mitbringen. Ansonsten gebe es keine besonderen Kriterien. „Hauptsache, derjenige hat Spaß am Kochen.“

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