Aufbruchstimmung bei Kolpingsfamilie hält an

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Während des feierlichen Hochamtes anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kolpingsfamilie Obertshausen wurde in der Herz Jesu-Kirche eine Holzfigur Adolph Kolpings eingeweiht.

Obertshausen - Orange-schwarze Fahnen sind für gewöhnlich erst im November am Christkönigssonntag vor Kirchengebäuden zu sehen, gestalten doch dann die Kolpingsfamilien das feierliche Hochamt mit. Von Simon Broll

Dass ein regelrechtes Fahnenmeer schon am vergangenen Wochenende den Eingangsbereich der Herz-Jesu-Kirche zierte, hatte einen ganz besonderen Grund: Die Kolpingsfamilie Obertshausen feierte ihr 50-jähriges Bestehen. Aus dem gesamten Umfeld waren deshalb befreundete Ortsgruppen erschienen und zogen in einer großen Parade ins Gotteshaus ein.

Bei seiner Festpredigt erinnerte Pfarrer Hans-Joachim Wahl an die Anfänge der Kolpingbewegung in der „Kleinstadt mit Herz“. Auf Initiative einer zehnköpfigen Gruppe, darunter dem Vorsitzenden Walter Kretschmer, wurde der Ortsverband am 28. Oktober 1962 gegründet. Nur zwei Wochen zuvor hatte das Zweite Vatikanische Konzil begonnen, mit dem die katholische Kirche für „frischen Wind“ sorgen wollte. „Diese Aufbruchstimmung war auch bei unserer jungen Kolpingsfamilie spürbar“, betonte Wahl.

Die Lehre des Evangeliums

Schnell fanden sich Mitstreiter, die gemäß den Ideen des als „Gesellenvater“ bekannten Priesters Adolph Kolping versuchten, die Lehre des Evangeliums in Gemeindeleben und Alltag umzusetzen. Sie luden zu Erwachsenenbildungen ein, organisierten Wallfahrten oder Familiennachmittage. Erst erhielten nur Männer eine Mitgliedschaft, später stießen auch Frauen hinzu.

„Passt auf, dass die Aktion kein Strohfeuer wird“, hatte der damalige Gemeindepfarrer Emil Neidig den Gründungsvätern mit auf den Weg gegeben. Ein Rat, den alle befolgten. Aktuell zählt die Kolpingsfamilie Obertshausen 111 Mitglieder. Ihre vielfältigen Aufgaben stellte die Ortsgruppe während des Hochamtes vor. Neben Vorträgen und Pilgerfahrten seien in den letzten Jahren die Kleidersammlung und die Geschenkspenden zu Weihnachten an bedürftige Kinder in Rumänien hinzugekommen. Ein weiterer wichtiger Pfeiler der sozialen Arbeit ist der Kinderkleiderkorb, mit dessen Hilfe seit vier Jahren bedürftige Mütter in der Region unterstützt werden. Auch mit ihren Spendenaktionen für die portugiesische Gemeinde Lamego erwarben sich die Kolpinger einen guten Ruf. Durch die beliebten Fastnachtssitzungen wurde die Gruppe über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Viele ehrenamtliche Helfer

Dass diese Arbeit nur durch viele ehrenamtliche Helfer gelingen kann, daran erinnerte der Obertshausener Pfarrer und Präses der Kolpingsfamilie Norbert Hofmann. Ein besonderes Lob sprach der Geistliche an Walter Kretschmer aus, der die Gruppe seit ihrem Bestehen leitet und dadurch maßgeblich beeinflusst hat. Für seine Verdienste erhielt Kretschmer neben Urkunden und Glückwünschen auch eine Holzfigur geschenkt, die den seligen Adolph Kolping zeigt. Die Miniaturstatue ist der „kleine Bruder“ der Kolping-Figur, die anlässlich des runden Jubiläums im Auftrag der Kolpingfamilie vom Lorscher Künstler Adam Huba geschnitzt und auf dem Dreikönigsaltar des Gotteshauses an der Bahnhofstraße aufgestellt wurde.

Damit hat die Herz-Jesu-Kirche eine zweite deutliche Verbindung zu Adolph Kolping erhalten, nachdem bereits 1996 eine Reliquie des Geistlichen im Zelebrationsaltar der renovierten Basilika eingesetzt worden war.

Im Anschluss an den Gottesdienst lud die Kolpingsfamilie alle Gemeindemitglieder zum Umtrunk ins benachbarte Schwesternhaus ein. Am Nachmittag wurden langjährige Mitglieder ausgezeichnet, unter anderem Walter Kretschmer für seine vielfältigen Aufgaben. Dem Vorsitzenden soll zudem eine besondere Ehre zuteil werden: Am 27. Januar 2013 wird er die Martinus-Medaille erhalten, die höchste Auszeichnung des Bistums Mainz.

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