Wahlergebnis stößt Türen für viele Koalitionen auf:

Was nach dem Kreuzchen kommt

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Die einen feiern mit Bierchen und Pommes, die anderen freuen sich lieber in gediegenem Schwarz: Die CDU bleibt mit Abstand stärkste Kraft in der Stadtverordnetenversammlung.

Obertshausen - Plakate gehängt, um Prozente gegurrt: Am Ende entscheidet aber die Stimme des Bürgers übers Ergebnis der Kommunalwahl – nicht das Werbegewitter der Parteien. Und Obertshausen hat eindrucksvoll gedonnert: Auf dem Papier sind fünf Koalitionen möglich. Von Eva-Maria Lill

Erste Flirtversuche gibt aber nur einer offen zu. Auf die Abstimmung folgt das große Schweigen. Mit Annäherung und Ablehnung halten sich die Parteien nach der Kommunalwahl erwartungsgemäß zurück. Die Großen analysieren, die Kleinen warten auf Verlockung. Nach der Auszählung der kumulierten und panaschierten Stimmen hat die CDU einen bequemen Stand: 39,9 Prozent entfallen auf die Christdemokraten (Trendergebnis von Sonntagabend: 35,9 Prozent). Die SPD ist entgegen erster Hochrrechnungen doch zweitstärkste Kraft mit 21,4 Prozent (Trend: 21,4). Die Bürger für Oberts-hausen (BfO) legen kräftig zu und erreichen 20,1 Prozent (Trend: 22,4). Ein Plus gibt’s auch für die FDP (7,1 Prozent, Trend: 8,1). Die Grünen verlieren und landen bei 11,4 Prozent (Trend: 12,2).

Möglich sind somit fünf Koalitionen: Das „Dreierbündnis“ aus Grünen, BfO und SPD käme auf 19 Sitze und könnte seine Arbeit fortsetzen. Ebenfalls 19 Plätze würde Schwarz-Grün wärmen. Auch denkbar: Schwarz-Grün-Gelb (22), große Koalition aus SPD/CDU – oder aber auch die Rückkehr zu BfO und Christdemokraten.

CDU-Vorsitzender Björn Simon freut sich über das gute Ergebnis – obwohl seine Partei einen Sitz einbüßt. „Wir haben zwar mit der Vier vor dem Komma gerechnet – aber das hat ja fast geklappt“, betont der Spitzenkandidat. Er bedauert, dass es nicht zur Wunsch-Koalition mit der FDP gereicht hat. „Das wäre unkompliziert geworden.“ Nun gehe die Partei unvoreingenommen in Gespräche. „Wir reden mit allen, die wollen“, betont Simon.

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Die SPD konnte ihr Ergebnis fast unverändert bestätigen. Trotzdem ist Spitzenkandidat Manuel Friedrich nicht ganz zufrieden: „Wir haben viel Herzblut in den Wahlkampf gesteckt, hätten uns ein Plus gewünscht.“ Partei-Chef Helmut Hiepe ergänzt: „Wir überlegen jetzt in Ruhe, was das beste für Obertshausen ist.“ Das Wahlergebnis erklärt der Vorsitzende damit, dass ähnlich wie 2011 ein überregionales Thema die Kommunalwahl bestimmte. Damals habe der Reaktorunfall in Fukushima den Grünen ein Plus geschenkt. Diesmal gehe es um die Flüchtlingsthematik: „Rudolf Schulz von den BfO hat in diese Kerbe geschlagen und Erfolg gehabt“, sagt Hiepe.

Ähnlich argumentiert Grünen-Kandidat Klaus-Uwe Gerhardt. „Zum Glück ist Oberts-hausen nicht anfällig für Parolen“, sagt er. Seine Partei verliert drei Sitze, schrumpft im Parlament um fast die Hälfte. „Wir haben aber nicht die rote Laterne im Kreis“, betont der bisherige Fraktions-chef. Das Dreierbündnis sei eine gute Option. Aber nicht die einzige: „Schwarz-grün ist nicht unattraktiv.“ Erste Kontakte habe es bereits gegeben – auch mit den Christdemokraten. Einige Steine lägen der Koalition aber im Weg. „Wenn die CDU über die thematischen Stöckchen springt, bekomme ich ganz weiche Knie“, sagt Gerhardt.

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Auch die FDP hat Grund zum freudigen Schwanken: „Ich schwebe zwei Zentimeter über dem Boden“, jubelt Elke Kunde. Bisher war sie Einzelkämpferin in der Stadtverordnetenversammlung. Nun bekommt sie zwei weitere Mitstreiter zur Seite gestellt, hat ihr Wahlziel erreicht. „Die großen Parteien sind an der Reihe, Gespräche zu führen“, übt sich Kunde in Geduld.

Das größte Plus gibt’s für die BfO. Der bisherige Fraktionschef Schulz nennt mehrere Gründe: Junge Gesichter und polarisierende Thesen hätten zum Erfolg geführt. Den Vorwurf, mit dem Flüchtlingsthema Stimmen am rechten Rand gesammelt zu haben, weist Schulz scharf zurück: „Wir haben keine ausländerfeindlichen Parolen verbreitet. Wir sind nicht die AfD von Obertshausen.“ Die BfO seien offen für Gespräche, hätten gern einen Posten, der Einfluss auf die Verwaltung erlaubt. „Auch der Bürgermeister hat ein Wörtchen bei der Koalitionsbildung mitzusprechen“, sagte Schulz. Rathaus-Chef Roger Winter sieht’s gelassen: „Ich komme mit jedem klar.“

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