INTERVIEW 

Bürgermeister Manuel Friedrich im Gespräch: Kommunikation und kurze Nächte

Auf seinem neuen Stuhl im Rathaus gibt es für Bürgermeister Manuel Friedrich in den kommenden Monaten viel zu tun. Foto: Billart / Bernd Ollinger
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Auf seinem neuen Stuhl im Rathaus gibt es für Bürgermeister Manuel Friedrich in den kommenden Monaten viel zu tun. 

Rund dreieinhalb Monate sind vergangen, seit Manuel Friedrich das erste Mal für eine Überraschung gesorgt hat. Im ersten Wahlgang holte der als unabhängige Kandidat angetretene 34-Jährige 51,89 Prozent der Stimmen.

Obertshausen - Heute hat er seinen ersten Tag auf dem Rathausstuhl und am morgigen Donnerstag gleich die erste Stadtverordnetenversammlung im neuen Amt.

Herr Friedrich, ein Amtsantritt im Zeichen der Coronakrise. Den Start ins neue Amt hatten Sie sich sicher auch etwas anders vorgestellt, oder?

Das natürlich schon, aber ich bin ein positiver Mensch und sehe die schwierige Situation auch ein bisschen als Chance.

Inwiefern?

Zum Beispiel beim Thema Kommunikation. Da hat uns die Krise noch einmal gezeigt, wie wichtig es ist, Entscheidungen, die auf Bundes- oder Landesebene laufen, verständlich auf die Lokalpolitik herunterzubrechen. Wir müssen Entwicklungen hier vor Ort für die Bürger transparenter machen.

Wie kann so etwas gelingen?

Da bleibe ich meinem Credo „zuhören, verstehen, realisieren“ treu. Ich war schon immer ein kommunikativer Mensch, und Netzwerken bringt gute Ideen. Zudem möchte ich auch Angebote für den Austausch mit den Bürgern schaffen. Auch will ich versuchen, die Verwaltung in diese Richtung ein wenig mehr zu öffnen, gewissermaßen menschlicher zu machen. Das ist mein Angebot an die Fachbereiche und ihre Mitarbeiter. Klar liegt der Fokus in einer Verwaltung immer auf dem Bürgermeister und dem Ersten Stadtrat, aber ohne ihr Team schaffen beide auch nichts.

Welchen Fahrplan haben sie sich für die ersten 100 Tage im Amt gesetzt?

Es gibt natürlich einen Kompass, auch wenn es jetzt in der Krise vieles neu zu bewerten gilt. Der Fokus liegt erst mal bei den Finanzen: Wo stehen wir, was ist noch in der Pipeline und was muss vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation vielleicht auch geschoben werden? Dann müssen wir so schnell wie möglich einen neuen Haushalt entwerfen.

... der auch den Segen der Fraktionen braucht.

Das stimmt. Deshalb will ich bereits im Vorfeld Kontakt mit allen aufnehmen und über die Wünsche, aber auch Prioritäten sprechen. Jeder kennt den Haushalt, den wir ursprünglich für 2021 beschlossen haben. An vielem darin werden wir nicht rütteln können, zum Beispiel die steigenden Ausgaben für die Kinderbetreuung. Gleichzeitig müssen wir jedoch einen massiven Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen befürchten. Alle Wünsche werden sich vor diesem Hintergrund sicher nicht erfüllen lassen. Insofern müssen wir abwägen und unsere Entscheidungen den Bürgern transparent machen.

Womit wir wieder beim Stichwort Kommunikation wären. Sollte die Stadt in diesem Bereich auch stärker auf digitale Kanäle setzen?

Ich denke, die Bürger wollen von der Politik und der Verwaltung mitgenommen werden. Da kommen wir inzwischen um die sozialen Medien nicht drumherum – mit allen Vor- aber auch Nachteilen. Klar muss allerdings auch sein, dass das nur funktionieren kann, wenn es keine Einbahnstraße ist. Man darf nicht nur kritisieren, sondern sollte auch Ideen für eine Verbesserung haben. Als Stadt sollten wir da mitspielen.

Mit welchen Angeboten?

In den vergangenen Jahren und gerade in den letzten Monaten sind bereits viele Angebote und Initiativen von privater Seite entstanden, etwa die Seite www.63179.info, die Gruppe „Obertshausen hilft“ oder die Initiative „Obertshausen, Rette deinen Ort!“. Alles Angebote, die gebündelt etwas zum positiven Image der Stadt beisteuern. Dort können auch wir stärker kommunzieren, etwa mit Videobotschaften und Informationen. Das möchte ich künftig gerne ausbauen, auch wenn das angesichts der Vielzahl an Baustellen vielleicht nicht gleich in den ersten Tagen klappt.

Wo gibt es aktuell am meisten zu tun?

Die Corona-Krise stellt die Verwaltung vor viele Herausforderungen. Wie gesagt, wir müssen jetzt so schnell wie möglich Klarheit über die finanzielle Situation bekommen und einen neuen Haushalt aufstellen. Gleichzeitig muss aber auch all das aufgearbeitet werden, was in den vergangenen Wochen wegen der Mehrbelastung durch die Corona-Beschränkungen liegen geblieben ist. Da sind bei einigen auch viele Überstunden angefallen. Gleichzeitig hat die Krise aber auch zu neuen Arbeitsweisen geführt, wie etwa digitalen Besprechungsmöglichkeiten. Beim ein oder anderen lohnt es sich sicher, es auch künftig beizubehalten.

Auch im Hinblick auf die forschreitende Digitalisierung der Verwaltung?

Zum Beispiel. Nicht zuletzt, weil wir die Vorgaben des Onlinezugangsgesetzes bis 2022 erfüllen müssen. Da ist vieles machbar, denke ich, wichtig ist allerdings, immer auch die Mitarbeiter mitzunehmen. Aber Ideen habe ich einige.

Wird die Digitalisierung also zur Chefsache und behalten sie die gewohnte Verteilung der Dezernate zwischen Bürgermeister und Erstem Stadtrat bei?

Bezüglich der Dezernatsverteilung habe ich mit Michael Möser schon gesprochen, möchte das aber zuerst den Mitarbeitern kommunizieren. Kein Geheimnis ist allerdings, dass ich wie mein Vorgänger die Finanzen und den Fachbereich Zentrale Dienste behalte. Dort ist auch das Thema Digitalisierung angesiedelt.

Welche Ziele haben Sie sich perspektivisch für die kommenden Jahre gesetzt?

Unter anderem mehr Angebote für die Jugend zu schaffen. Es gibt in unserer Stadt viele Plätze und Idee, was man dort umsetzen könnte. Da ist vielleicht auch das ein oder andere mit einem kleinen Budget oder ehrenamtlichem Engagement umsetzbar. Generell müssen wir auch das Thema Stadtentwicklung in Angriff nehmen und dabei über die Frage sprechen, ob wir noch mehr Verdichtung wollen. Auch im Hinblick auf Klimaschutz und Umwelt. Da gilt es nun zunächst, die Hausaufgaben zu machen und die beschlossene Stelle des Klimaschutzmanagers zu besetzen. Bei der Entwicklung des Klimaschutzkonzeptes sollten wir auch die Bürger mit einbinden, etwa so wie es Heusenstamm gemacht hat, mit Werkstatt-Treffen.

Und dann bekommen Sie in ein paar Wochen ja auch Familienzuwachs. Was meinen Sie, welche der beiden neuen Aufgaben wird Ihnen wohl mehr kurze Nächte bescheren?

Da mache ich mir eigentlich keine Gedanken, schließlich ist es die Familie, die einem auch Kraft gibt. Das ist vielleicht auch ein Vorteil des Alters. Und von meiner Arbeit in der Veranstaltungsbranche bin ich ständiges Improvisieren und kurze Nächte ja schon gewohnt (lacht). Und hier in Obertshausen kann ein höherer Kaffeeverbrauch des Bürgermeisters ja glücklicherweise auch zur Wirtschaftsförderung beitragen.

Das Gespräch führte Thomas Holzamer.

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