Konzert im Wohnzimmer

Tom spielt im „Jet-Stream“

+
Via Livestream ist Lokalmatador Tom Jet für seine Fans trotz Corona-Krise zu sehen.

Obertshausens Lokalmatador Tom Jet unterhält seine Fans mit einem Konzert im Livestream. Der erste Anlauf macht Lust auf mehr.

Obertshausen – „Dankeschön, es war einfach toll“, schreibt Martina. „Du bist der Knaller“, schwärmt Karin, „Danke Tom für die schöne Stunde der guten Gedanken“, verneigt sich Sigrid schriftlich. Der „Starlighter“ fegte am Sonntagabend 60 Minuten mit seinem Jet-Stream durchs Internet. Der Hausener Bandleader Thomas Jeutter spielte kurzerhand ein Konzert aus seinem Wohnzimmer – für die Fans live im Internet verfolgbar. „Da bekommt man gleich bessere Laune und vergisst den Mist“, lobt Frank in der Kommentarleiste. „Meine Nachbarn haben sich gerade gefreut, weil ich mitgespielt habe“, berichtet Musiker-Kollege Maggy und Dieter spielt vorm Laptop am Waschbrett mit.

Toms größter Raum gleicht eher einem Tonstudio als einem Wohnzimmer. Mehrere Tastaturen und Monitore umringen einen Drehstuhl. In den Regalen stapeln sich CDs, Musikbücher und alte Hörkassetten, an der Wand hängt ein Dutzend Saiteninstrumente, darüber eine Girlande aus kostbarem Klopapier. Die hat Tom Jet als Hintergrund für seine Liveübertragung zusammengetragen. Vor ihm prangt ein Tablet auf einem Stativ. Das zeigt ihn auf der Facebook-Seite und dazu all die schulterklopfenden, heiteren und ermutigenden Bemerkungen seiner Fans.

Die Texte und Gitarrengriffe ruft er auf einem anderen Bildschirm auf, über ein drittes Display steuert er die Musik. Schon lange vor dem Start um 20.30 Uhr, „nach der Tagesschau und den Corona-Sondersendungen“, hat er sich mit einem Headset-Mikrofon verkabelt, die „Music Man Albert Lee“ und die „Godin“ hinter sich bereitgestellt. Auf der ersten Gitarre spielt er Songs im Country Stil. „Der Klang kommt fast nur über die Elektronik rüber“, erläutert er den Vorzug der kanadischen Godin gegenüber einer üblichen Akustikgitarre.

Der erste Anlauf am Donnerstag hat Lust auf mehr gemacht: „Wir haben unsere Probe abgesagt, obwohl wir weit auseinander stehen“, erzählt Tom. Dann habe er eines seiner Lieder vor dem Handy gespielt und auf die Facebook-Seite geladen. Seine Anhänger haben das direkt mitverfolgen können. „Das hat Spaß gemacht, es waren so viele Leute dabei“, berichtet der Künstler.

„Unsere Branche liegt am Boden“, schildert er die Situation. „Jeder von uns muss Versicherungen, Fahrzeuge, Miete und Material bezahlen, aber ohne Auftritte kommt kein Geld rein.“ Beeindruckt habe ihn „der Heiner mit dem Hut“: Der Zuhörer habe einen digitalen Hut auf Toms Seite gepostet. Über die Seite gebe es drei Möglichkeiten zu spenden. Aber betteln möchte der Musikant nicht, „ihr seid herzlich willkommen“, ruft er in die winzige Kamera am iPad.

Oldies, Deutsches und Rock hat er für das kleine Konzert ausgesucht. „Heiner, Du bist da“, bestätigt er den Text neben seinem Bild, das jetzt in die Welt hinaus übertragen wird. „Die Begrüßungsrede kommt erst, wenn mehr Besucher da sind!“, sagt er und kündigt Cohens Halleluja als ersten Titel an. „Frank, klingt’s gut?“ Tom wartet gar nicht auf eine Antwort und stimmt die „Kreise“ von Johannes Oerding an.

„Mir ist nicht nach großer Party, aber es ist schön, dass ihr da seid“, wird der Gastgeber förmlich. „Cousinchen, hallo“, winkt er aber dann wieder ganz locker der Verwandtschaft. „Es wird gerockt, wie soll’s anders sein, Musik hebt die Laune erheblich“, weiß der Experte. Einer seiner Helden aber ist nicht mehr unter uns, Kenny Rogers zu Ehren spielt Tom „The Gambler“, das der Verstorbene mit Dolly Parton zum Welthit erhoben hat. „Straßenmusik wie in Griechenland“, erinnert Uwe an die Zeit, als er mit Tom durch Südeuropa tingelte. Das „Extra-Lied für Inka“ muss warten, die Dame befindet sich noch nicht unter den Zuschauern. Also Heimatliches, Seiler und Speer und „Ham kummst“. „Just A Gigolo“ leitet das unbeschwerte Finale ein, und ein weniger bekanntes Stück von Elvis Presley.

„Genau das, was man jetzt braucht!“, klopft Stephanie Tom virtuell auf die Schulter. „Der Tatort musste heute weichen“, hat sich Sigi entschieden, Ilse hat „Dirty Dancing sausen lassen“.

„Wie wäre es das nächste Mal mit einer Pyjama-Wohnzimmer-Party?“, schlägt Joe vor. „Vielleicht lässt sich mithilfe eines IT-Spezialisten ein digitales Rudel-Singen organisieren“, träumt er weiter. Eine Neuauflage kommt bestimmt, „wenn’s schlimmer wird, dann werden wir uns öfter mal sehen“, verspricht Jet.

VON MICHAEL PROCHNOW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare