Kopfsprung ins Meer

Start-up verspricht die Fernreise fürs Sofa

Den Sprung in ferne Ozeane können Start-up-Gründerin Jil Herold und ihr Freund Lars Holzhacker aktuell nur im Kopf tun.
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Den Sprung in ferne Ozeane können Start-up-Gründerin Jil Herold und ihr Freund Lars Holzhacker aktuell nur im Kopf tun.

Jil Herold aus Obertshausen hat eine Mission: Junge Menschen beim Traum vom Backpacking unterstützen. Von Corona lässt sich die Start-up-Gründerin nicht aus dem Konzept bringen.

Obertshausen – Wenn einer eine Reise tut, dann kann er bekanntlich viel erzählen – oder im Fall von Jil Herold gleich ein komplettes Start-up-Unternehmen aus ihren Erfahrungen formen. Vor rund einem Jahr kehrte die junge Weltenbummlerin aus Obertshausen mit ihrem Freund von einer zweijährigen Reise zurück.

Mit „Worldcatcher“ bietet sie nun all jenen jungen Menschen eine Alternative, die nach dem Schul- oder Uni-Abschluss als Rucksacktouristen oder per „Work & Travel“ ferne Länder und Kulturen kennenlernen möchten und sich dabei die meist kostspielige Organisation durch eine der vielen Agenturen auf dem Markt nicht leisten können oder wollen (wir berichteten).

Die Idee: Wer einen Auslandsaufenthalt plant, kann bei Jil Herold speziell auf das jeweilige Ziel zugeschnittene Box-Sets ordern. Diese enthalten verschiedene Ratgeber-Magazine, die neben einem Einblick in die Kultur des jeweiligen Landes und Insidertipps für lohnende Ziele einen guten Überblick über die notwendigen Dinge geben, die es vor der Abfahrt zu organisieren und zu beachten gilt. Dazu gibt es nützliche Produkte für die Reise, die alle aus fairer Herstellung in jenen Ländern stammen, die Jil Herold gemeinsam mit ihrem Freund bereist hat.

Und die Idee kommt bei der Zielgruppe an, das junge Start-up erzielt die ersten Einnahmen, bringt weitere Länder-Boxen heraus. „Wir waren in den ersten Monaten fast jedes Wochenende auf Messen und haben mehr als 20 Vorträge an Schulen gehalten“, berichtet die junge Gründerin. Sogar drei Mitarbeiter musste sie schon zur Verstärkung einstellen.

Doch dann schlägt – wie in der gesamten Tourismusbranche – auch bei Worldcatcher die Corona-Pandemie zu. „Zuerst wurden die Messen abgesagt, das war für uns schon schwer, weil das unsere größte Werbeplattform ist“, erläutert sie. Auch die Schulabgänger und Studenten, die ihre Hauptkunden sind, denken derzeit nicht ans Reisen. „Dabei wäre die Zeit, die viele gerade haben, eigentlich wie gemacht, um eine Weltreise mit dem Rucksack schon mal in Ruhe zu planen“, weiß Jil Herold. „Schließlich werden wir ja irgendwann wieder reisen können.“ Auch wenn die Kunden vom Reisen in ferne Länder aktuell nur träumen können.

Und mit dem Träumen hat auch Jil Herolds neueste Geschäftsidee zu tun, die das junge Start-up durch die Krise bringen soll. „Wenn wir andere Länder schon nicht persönlich besuchen können, dann vielleicht doch wenigstens im Kopf“, findet sie. Das soll allen Menschen mit Fernweh ab sofort ihre „Kolumbox“ ermöglichen – quasi die Fernreise fürs Sofa. Namenspate für die Idee stand dabei mit Kolumbus einer der wohl bekanntesten Entdecker. Wobei die erste Box der Reihe, Fernwehgeplagte statt nach Westen zunächst in den Fernen Osten zieht: Bali, die Sehnsuchtsinsel vieler Erholungssuchender ist das Ziel der Reise.

Bei der Reise vom Sofa lernen die Leser auch die Straßenkids des Projekts „Bali Life Foundation“ kennen.

Das Prinzip hinter der Reise im Kopf ist dabei das gleiche, wie bei den bisherigen Boxen. Ein Magazin mit vielen Informationen über die Insel nimmt die Leser mit auf Entdeckungstour über Bali. Mit selbst geschriebenen Texten hat die Abenteurerin ihre eigenen Erlebnisse und Eindrücke festgehalten. Auch die zahllosen Bilder im Heft stammen von ihr. Gemeinsam entdecken die „Kopfurlauber“ unter anderem die Kultur, erleben das bunte Treiben auf einem Markt oder besuchen ein Hilfsprojekt für Straßenkinder und deren Mütter.

Letzteres unterstützt Jil Herold seit ihrer Reise auch mit Worldcatcher. „Zehn Prozent der Einnahmen einer Box gehen an ein soziales Projekt im jeweiligen Land“, erläutert sie. Zudem finden die Kunden in der Bali-Box, die die „Bali Life Foundation“ unterstützt, auch Produkte, die von den Müttern des Projekts von Hand gefertigt und fair gehandelt wurden.

Und wer weiß, vielleicht packt den einen oder anderen bei der Gedankenreise ans Meer auch die Neugier für einen realen Trip mit dem Rucksack – eben nach der Corona-Zeit.

VON THOMAS HOLZAMER

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