Verwaltung

„Kosten im Auge behalten“

Obertshausen - Ungewöhnlich scharf hat der scheidende Bürgermeister Bernd Roth auf die Äußerungen des Fraktionschefs der „Bürger für Obertshausen“ (BfO), Rudolf Schulz, über die Stadtverwaltung reagiert, der in der vergangenen Woche in einem Gespräch mit unserer Zeitung unter anderem von Inkompetenz und einer aus dem Ruder gelaufenen Verwaltung gesprochen hatte. Von Karl-Heinz Otterbein 

Die „Verbalattacke“ wolle er nicht auf sich beruhen lassen, sagte Roth gestern gegenüber unser Zeitung. „Bis zum 23. Juni bin ich als Bürgermeister und Chef aller Beschäftigten im Amt“, erklärte Roth. „Bis dahin werde ich grundlose Beschimpfungen der Verwaltung nicht unkommentiert lassen“. Dabei hätte Rudolf Schulz ihn in dem Gespräch als „Garant der Kooperation“ gelobt und von der Kritik ausgenommen, so der scheidende Bürgermeister. Er wolle sich aber nicht vereinnahmen lassen.

„Garant für meine Arbeit und die Erfolge in dieser Zeit war für mich immer eine zuverlässige CDU im Stadtparlament“, sagte der Noch-Rathaus-Chef. „Diese Zuverlässigkeit fehlt bei der BfO, denn was einem morgens gesagt wird, wird abends schon wieder anders verlautbart.“ Er warne davor, dass nun Polemik in der Politik Einzug halte. „Schlechte Beispiele gibt es genug“, sagte Roth. „Städte, in denen Politiker die Verwaltung beschimpfen und ihre politischen Mitbewerber verunglimpfen, kommen nicht voran“.

Vertreter im Magistrat

Die BfO stelle zwei Vertreter im Magistrat. Sie sei seit 2011 wesentlich an der Stadtregierung beteiligt. Da sollte man sich überlegen, ob man die eigenen Beschäftigten der Bauverwaltung in derartig grober, ungebührlicher und unsachlicher Weise angreife. Roth wies die Kritik von Schulz an der Bauverwaltung zurück und verwies darauf, dass allein in den vergangenen Jahren mehrere Großprojekte nebeneinander gestemmt worden seien.

Rudolf Schulz wisse, dass man dabei mit einer äußerst dünnen Personaldecke arbeite. „Gerade die Bauverwaltung hat unbemerkt von der Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten Unterkünfte für die Vielzahl von Flüchtlingen hergerichtet“, so Roth. „Da wird sehr viel in Eigenleistung gemacht, was andernorts teuer vergeben wird. Die Kritik zeugt meines Erachtens eher von der Inkompetenz des Kritikers“.

Er wolle zudem BfO-Fraktionschef Schulz Unwahrheiten nicht durchgehen lassen: „Schulz weiß sehr genau, dass die BfO-Führung den Skater-Park gekippt hat und nicht die Bauverwaltung“, erklärte Roth. Verzögerungen bei anderen Projekten beruhten auf Umständen, die die Verwaltung und teilweise auch die Politik nicht beeinflussen könnten. „Wenn die Bahn AG ewig braucht, um die Umlegung des Bahnhofsgeländes durchzuführen, dann können wir das nicht ändern. Aber auch da wird es weitergehen.“ Das treffe auch auf die Umgestaltung des Beethovenparks zu.

Roger Winter ist neuer Obertshausener Bürgermeister

Roger Winter ist neuer Obertshausener Bürgermeister

„Die Stadt muss bei jedem Projekt die Kosten im Auge behalten“, erläuterte der Noch-Bürgermeister. „Mehrkosten sind manchmal nicht zu vermeiden. Beim Beethovenpark hat die Ausschreibung ergeben, dass die Plankosten nicht zu halten sind. Da muss man die Notbremse ziehen. Nun müssen Verwaltung und Politik noch einmal ran. Das halte ich für gut. Nur weil Herr Schulz unbedingt den Beethovenpark will, kann sich die Stadt doch nicht in ein finanzielles Abenteuer stürzen.“

Besonders enttäuscht sei er über die Anfeindungen gegenüber dem Ersten Stadtrat Hubert Gerhards, so Roth. „Ich konnte während meiner Amtszeit stets auf den Ersten Stadtrat setzen. Alleine kann man eine Verwaltung dieser Größe nicht leiten. Ich wünsche meinem Nachfolger, dass die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Ersten Stadtrat auch weiterhin so gut klappt.“

Von „Bürger“--Fraktionschef Rudolf Schulz erwarte er nun eine deutliche Entschuldigung, sagte Roth: „Rudolf Schulz hat das Ansehen der Stadt mit einer haltlosen Verbalattacke beschädigt. Er ist gut beraten, sich bei allen Beschäftigten, die hier vollen Einsatz bringen, für seinen Ausfall zu entschuldigen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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