Ab sofort jeder für sich

Kreis Freundlicher Fachgeschäfte (KFF) löst sich auf

Obertshausen - Der Kreis freundlicher Fachgeschäfte ist Geschichte. Nach 42 Jahren haben die verbliebenen 40 Mitglieder die Auflösung der Werbegemeinschaft beschlossen. Offizieller Grund: Es fand sich niemand mehr, der den Vorsitz übernehmen wollte. Von Michael Prochnow

Adreas Jagic. 

Ostereier-Sammeln, Gänse-Gutscheine, Schlemmerkisten – der Kreis Freundlicher Fachgeschäfte (KFF) gehörte zu den aktiven Gewerbe-Gemeinschaften in der Region. Ideen wie Marken-Kleben und Gutscheine, die in allen Geschäften gelten, haben Einzelhändler in Obertshausen ersonnen. Auch den Weihnachtsmarkt haben anfangs die Kaufleute und Dienstleister des Kreises in der Ortsmitte aufgebaut. Doch jetzt ist die Luft raus. „Es war einfach nicht möglich, einen geschäftsführenden Vorstand zu finden“, fasst Schuhmachermeister Andreas Jagic zusammen. „Es ist heute wie bei vielen anderen Vereinen schwierig, jemanden zu finden, der sich über den aufreibenden Beruf hinaus engagiert.“

Viele Kollegen des langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden überlegten, warum sie sich engagieren sollen, während andere Nutznießer kein Mitglied sind. Oder nicht einmal bereit, einen Obolus zu erbringen. Und selbst große Gewerbevereine, wie der in Langen mit 180 Mitgliedsbetrieben, fänden nur 15 Anmeldungen für eine Veranstaltung. Auch in Obertshausen war es in den vergangenen Jahren schwer, genügend Teilnehmer für den verkaufsoffenen Sonntag zu gewinnen. „Ich mach’ auch mal bei einer Aktion mit, wenn sie mir nicht so sehr gefällt oder ohne großen Profit läuft“, sagt er, „ich präsentiere dann einfach mein Angebot“.

Jagic plädierte stets für eine Gewerbeausstellung an einem Ort. Eine Neuauflage sei gescheitert, weil Kollegen den vermeintlich größeren Aufwand scheuten. „Für die Besucher wäre es effektiver, wenn sie zentral viele Sachen anschauen und Informationen bekommen“, ist er sich sicher. Der Verbraucher erwarte Spaß und Unterhaltung, früher funktionierte das mit der Ausstellung im Bürgerhaus – „vielleicht, weil’s kein Internet gab“. Grundsätzlich könne man den Wert solcher Aktionen nicht gleich in klingender Münze spüren, findet Jagic. „Trotzdem sollte man zeigen, dass es fast alles am Ort gibt, der Kunde muss nicht auf die grüne Wiese oder in die Großstadt fahren.“ Andererseits sei das Getöse groß, wenn ein Laden zumacht, aber „von Gelegenheitseinkäufern kann man nicht leben“, stellt der Schuster klar.

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Beratung und Know-how der Fachbetriebe seien nach wie vor gefragt, doch viele kaufen im Internet, was „oft nicht mal günstiger“ sei. Das hinterlasse bei den Fachhändlern vor Ort Frust, „da fehlt die Laune, sich zu engagieren“. Erfolg verspricht sich Jagic von lokal begrenzten Aktionen. Das Lichterfest der Geschäftsleute an der Beethovenstraße habe klein angefangen, mittlerweile seien mehr als 20 Stände vorgesehen. Auch die Mieter im Kapellenhof stechen mit eigenen Veranstaltungen hervor. „In Obertshausen ist es halt schwierig, wir sind zweigeteilt, ohne echten Stadtkern“, analysiert der Sprecher. Vielleicht helfen Sammeltaxis zu den Discountern, ein Stadtbus wie in den Nachbarkommunen oder Bänke für die älteren Menschen auf dem Weg zum Einkaufszentrum.

Vielleicht funktioniert’s auch, wenn die Gemeinschaft „wesentlich breiter aufgestellt“ ist. „Wenn’s passt, wäre ich da auch Mitglied“, sagt Jagic. Der Mann vom Marktplatz denkt an einen Zusammenschluss, in dem jeder dem anderen hilft, um den Standort attraktiv darzustellen. Ohne KFF und Vorstandsarbeit genießt Jagic jetzt ein kleines Plus an Freizeit und baut seinen Stand bei Veranstaltungen auf, „wenn sich was ergibt“.

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