Von Geschwindigkeit überholt

Kreis korrigiert Zahlen für Flüchtlingszuweisung nach unten

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Symbolbild

Obertshausen - Der Kreis hat seine Zahlen korrigiert: 36 Flüchtlinge soll Obertshausen im ersten Quartal unterbringen – 37 sind schon da. Bürgermeister Winter hofft auf eine nötige Verschnaufpause. Von Eva-Maria Lill 

Unterdessen hat die Stadt Wohnungen für die Asylsuchenden gefunden, die aktuell im Gymnastikraum leben. Für viele Menschen hat die Flüchtlingsdebatte das persönliche Gesicht verloren. „Sie denken nur noch in Massen, nicht mehr in Schicksalen“, sagt Bürgermeister Roger Winter. Dabei ginge es darum, denen zu helfen, die vor Tod, Elend, Vernichtung weggelaufen sind – und nicht um nackte Zahlen. Kalkulationen sind es aber, die der Stadt Kopfzerbrechen bereiten – nicht das Menschliche. „Zwei Jahre lang lief alles gut“, verdeutlicht Winter und lobt das Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen. Auch die Spendenbereitschaft der Bürger sei enorm: Rund 40.000 Euro liegen auf dem Konto der Flüchtlingshilfe. Davon soll demnächst ein Kleinbus für den Transport von Sachmitteln und Menschen angeschafft werden. „Manchmal überholt uns die Geschwindigkeit“, sagt Winter, „aber wir arbeiten an Lösungen.“

Zum Beispiel für die Familien, die seit zwei Wochen im Gymnastikraum der Badstraßen-Halle hausen. „Wir haben Wohnungen gefunden“, verspricht der Bürgermeister. Voraussichtlich Ende nächster Woche können die Flüchtlinge umziehen. Im gleichen Atemzug weist Winter auch Vorwürfe zurück, nach denen er die Informationen über die Hallen-Belegung nicht offen kommuniziert habe. „Ich kann nicht mit dem Megafon durch die Stadt laufen. Die Zuweisungen ändern sich täglich.“ Ein zusätzliches Aufatmen: Der Kreis hat seine Zahlen korrigiert: Statt 1623 kommen „nur“ 1213 Menschen im ersten Quartal an. Davon soll Obertshausen 36 Asylsuchende aufnehmen – 37 sind bereits da. Insgesamt leben zur Zeit 230 Flüchtlinge in der Stadt. Winter will nun mit dem zuständigen Dezernenten Carsten Müller telefonieren und horchen, „wie es mit einer Verschnaufpause aussieht“. Zumal Obertshausen im vergangenen Jahr 20 Asylsuchende mehr aufgenommen habe, als vorgesehen.

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Aktuell schaut sich die Stadt verstärkt nach privaten und gewerblichen Immobilien um. Sebastian Zimmer, zuständig für den Fachbereich allgemeiner Service, verspricht: „Wir lehnen nichts leichtfertig ab.“ Die Sicherheit der Menschen habe höchste Priorität. „Wir können nicht viele Standards erhalten, aber das ist wichtig.“ Vergangene Woche begutachtete Winter die Zelt-Unterbringung in Mühlheim. „Sowas braucht viel Platz“, erklärt er. Platz, der in Oberts-hausen rar ist. Zumal auch Flächen für das Mehrzweckgebäude und andere Bauvorhaben gebraucht werden. „Wir laden jeden ein, mit uns kreativ zu sein, anstatt nur zu meckern“, fordert Winter. Eine Bürgerversammlung, wie von vielen gewünscht, empfindet er zum gegenwärtigen Zeitpunkt als wenig sinnvoll. „Das, was ich heute verkünde, hat morgen schon keinen Bestand mehr“, erläutert der Bürgermeister. Im Sommer kann er sich aber vorstellen, eine solche Veranstaltung nachzuholen.

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