Krimi-Aufführung des Atelier-Theaters

Tief in Rollen eingetaucht

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Ein Schluck aus dem falschen Glas? Wieder ist ein Anschlag gescheitert.

Obertshausen - Haben Frauen das bessere Gedächtnis oder sind sie die größeren Schauspieler? Das „Gefährliche Wochenende“ lässt – mit aller Vorsicht – beide Schlüsse zu.

Mit dem Kriminalstück diesen Titels aus der Feder des Südafrikaners Glyn Jones wagte sich das Atelier-Theater Obertshausen (ATO) an ein Werk, das allein Frauen auf die Bühne des Pfarrer-Schwahn-Hauses führte. Die drei Vorstellungen glänzten durch einen hohen Anspruch, dem Schauspielerinnen wie Technik genügten.

Die Handlung, die fast allein aus der Aufregung und Panik der Hauptfigur besteht, dreht sich um die Autorin Gillian Howard, überzeugend und sehr sicher gespielt von Sabrina Grab. Die Schriftstellerin hat gerade den Preis „Krimi des Jahres“ gewonnen und kehrt mit ihrer Verlegerin Irene Knight (Claudia Scheitler) in ihr Apartment zurück. Doch selbst die zurückhaltende Privatsekretärin Sarah Robinson (Sylvia Pieroth) leidet unter den Launen der Preisträgerin.

Diese wandeln sich in Angst-Attacken, als Gillian die Ereignisse in ihrer Wohnung als Angriff auf ihre Person interpretiert: Erst erhält sie „Die Tote aus dem vierten Stock“, ihr eigenes Buch, ohne Absender geschickt. Dann bekommt sie einen Stromschlag, in der Küche löst sie eine Gasexplosion aus, schließlich nippt Irene am vergifteten Cognac – der wohl der Hausherrin gegolten hat. Alles Anschläge, wie sie Bestseller-Autorin Howard in ihrem prämiierten Werk geschildert hat. Schwiegermutter Edith Howard (Gisela Reinschmidt) kann nicht helfen, aber zum Glück ist Hausärztin Dr. Rita Spence (Anja Schade) stets rasch zur Stelle.

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Vielleicht zu rasch. Sie weckt im Wahn der Wirren das Misstrauen ihrer Patientin. Es geht, wie sollte es anders sein, um einen Mann. Frau Doktor möchte Martin haben, von dem sich die Schriftstellerin längst getrennt hat. Mit Mixturen soll die vermeintliche Widersacherin aus dem Weg geräumt werden. Zu spät, Gillian hat den Plan durchschaut. Zum Schluss geht’s ganz flott Richtung Happy-End. Das eigentliche Erlebnis des Stücks sind seine Damen, allen voran Sabrina Grab. Scheinbar mühelos bewältigt sie ein enormes Textpensum und war vom ersten Satz an tief in ihre Rolle eingetaucht.

Claudia Scheitler, sonst als Line-Dance-Trainerin im Ort aktiv, und Sylvia Pieroth vom eher seriösen Immobiliengeschäft offenbarten ganz neue Talente. Mit „Ärztin“ Schade und „Mama“ Reinschmidt machten sie Souffleur Jaro Wolters fast arbeitslos. Marc Oliver Reinschmidt und Alexander Pokorny hatten professionelle Technik fest im Griff, Iris Grab haute live in die Tasten, verstärkte so effektvoll Schrecksekunden, Emma Grab und Eva Roth besorgten die Requisiten. Für Sprecherrollen standen auch Manfred Pertold und Erika Teufel parat. Theaterdirektor Heinz-Jürgen Grab zeigte sich stolz ob der erneuten Steigerung und dankte den Teams des Pfarrer-Schwahn-Hauses, einer „idealen Spielstätte“, sowie des Hauses Jona, wo die Truppe probt.

M.

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