Pizza, Pasta... Kunst

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Der Hausener Künstler Frank Zimmermann stellt seine Werke zurzeit im Restaurant Michelangelo aus.

Obertshausen - Den Insalata Mista zwischen weißen Kieselsteinen, die Pizza Quattro Stagioni unter lackierten Ästen und das Steak medium im Schatten der Historie des Hauses: Im Restaurant Michelangelo begleitet derzeit ein Augenschmaus die Gaumenfreuden der italienischen Küche. Von Michael Prochnow

Die Leinwand mit den Fußballer-Beinen ist nämlich nicht die einzige, die das Tafeln zum Erlebnis macht. „Kunst trifft Genuss“ dank des Obertshausener Künstlers Frank Zimmermann, der Bilder mit Objekten zeigt. Oder sind es Objekte mit Bildern? Die Sammlung Fractale beflügelt jedenfalls die Fantasie in drei Dimensionen. Die plastischen Werke im Rahmen eröffnen überraschende Kombinationen aus realen Gegenständen, expressiver Malerei, abstrakten Strukturen und filigraner Grafik. „Aus der Vielgestaltigkeit und der formalen Ästhetik dringen archaische Mystik und Rauheit an die Oberfläche“, erklärt Zimmermann seine Hingucker. Er will gewohnte Seh- und Erfahrungswelten aufbrechen, Motive und Objekte aus dem gewohnten Kontext herauslösen sowie „eine intensive Auseinandersetzung mit dem Sichtbaren und der Interpretation provozieren“.

Der gelernter Diplom-Designer, Jahrgang 1959, ist Absolvent der Hochschule für Gestaltung in Offenbach in der Fachrichtung Visuelle Kommunikation, arbeitet als selbstständiger Werbe- und Messedesigner, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Sohn Marc ist mit einer Michelangelo-Mitarbeiterin liiert, das muss an dieser Stelle verraten werden. Gianna Micciché passt das sehr gut ins Konzept. Die Juniorchefin des Traditionshauses an der Robert-Stolz-Straße möchte in unregelmäßigen Abständen Raum für Kreativität schaffen. Unter anderem soll darstellende Kunst Eingang in die Galerie finden, „das kann aber auch mal ein Gast-Koch sein“, schlägt die Restaurant-Fachfrau vor.

Zimmermann entwickelt beruflich Werbung, Messestände und Marketing-Ideen. „Das ist ein Fundament, auf dem experimentell gearbeitet werden kann“, unterstreicht er Ausbildung und Job-Erfahrung als Basis für sein künstlerisches Wirken. Seine Perspektive ermögliche dem Betrachter, „dass er mehr sieht, als es oberflächlich erscheint, dass er ein Bild selbst entdecken und eigene Zusammenhänge entwickeln kann“.

Dem Besucher möchte er auch nicht durch Titel eigene Interpretationen vorgegeben. In den Augen des Frank Zimmermann ist die Ausstellung ein „Spielplatz für die Sinne“. „Fractale“, der Name für das Ganze, bedeute in der Mathematik „nicht berechenbar“. Während die Wissenschaft heute alles zu berechnen versuche, sei das bei Naturphänomenen nicht so. In seinen Werken lösen sich „normale“ Grenzen auf: Elemente des täglichen Lebens werden aus ihren Zusammenhängen herausgelöst und gehen neue Verbindungen ein

Am Brunnen mit der berühmten Davidfigur Michelangelos hat der Künstler die Geschichte des Gasthauses aufgearbeitet, Zeitungsartikel und Fotos in Farbe getaucht, Mitarbeiter, Gaststätte und Speisekarten als Collage auf Tafeln drapiert. Heute ist die Schau ab 17 Uhr geöffnet.

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