Fotos durch die Autoscheibe

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Ursula Zepter (im Vordergrund) erläutert den Gästen der Ausstellungseröffnung ihre ganz spezielle Technik.

Obertshausen - Main Town Feeling brachte Ursula Zepter ins Rathaus Schubertstraße, und dazu seine Architektur zurück. Von Michael Prochnow

Die Obertshausener Künstlerin, die 2011 den Kulturpreis des Kreises Offenbach erhalten hatte, eröffnete am Freitagabend im Foyer des Verwaltungsgebäudes eine Ausstellung mit Collagen aus gemalten und fotografierten Elementen von Stadtansichten.

Das am meisten beachtete Werk Zepters in ihrer Heimatstadt ist wohl die Dokumentation des S-Bahn-Baus in den 90er Jahren. In fast naiver Form brachte sie bekannte Gebäude mit der mächtigen Baugrube im Vordergrund zusammen. Der Heimat- und Geschichtsverein kaufte das Bild an und stellte es jetzt als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung. Die Malerin verfolgte ihr Projekt weiter, schuf eine aktuelle Version des Verkehrsknotenpunkts.

Dazu verwendete sie Teile ihres Bildes von der Baustelle – unverkennbar die schwere Spundwand im Mittelpunkt. Drumherum ordnete sie Treppenabgang, benachbarte Häuser und Schilder vom Bahnsteig an, krumm, schräg und gebogen, alles ohne die gewohnte geradlinige Oben-unten-Struktur. Diese Technik fesselte die Besucher, die in der Komposition immer wieder Bekanntes entdeckten.

Ursula Zepter arbeitet bereits seit 1987 mit einem Macintosh-Computer. Sie erwarb ihre Kenntnisse als Gaststudentin für Computergrafik an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Die Digital-Collagen fertigt sie seit 15 Jahren, als sie ein Foto durch die regenbenetzte Windschutzscheibe ihres Autos auf das bunte Treiben in Sachsenhausen schoss.

Diese Perspektive kombinierte sie immer wieder mit den neuen Hochhäusern, der Westhafen-Fassade, dem „Gerippten“, Messeturm und den Wolkenkratzern der Banken sowie den historischen Fassaden von Dom, Römer und Paulskirche. Auch wenn sie tagelang vor dem Monitor in ihrem Atelier sitzt, stört sie das nicht: „Der Computer ist für mich ein Werkzeug, der mich immer wieder Neues ausprobieren lässt“, sagt sie.

Im Rathaus ließ sie die zahlreichen Stellwände und Vitrinen entfernen. Die nüchterne Architektur der 60er und 70er Jahre habe durchaus ihren Reiz und sei versteckt worden, befand sie. Jetzt ist bereits vom Eingang der Blick auf alle vier Wände freigegeben. Das lässt die großformatigen Bilder, die ein kobaltblauer Hintergrund eint, auf den Gast wirken. „Die Farbe ist wunderschön“, schwärmt Zepter, „nicht so schwarz wie die Nacht“.

Auch Motive aus Seligenstadt präsentiert sie nach ihrem Muster: Sie bringt Ansichten mit dem Pinsel auf die Leinwand und erstellt so ein eigenes Werk. Dann fotografiert sie Teile dieses Bildes ab und führt sie am Rechner mit Fotos von denselben sowie weiteren Objekten aus dem Stadtbild zusammen. Bürgermeister Bernd Roth berichtete vom Interesse der jüngeren Generation unter den städtischen Mitarbeiter an der Kunstform.

Die Stadt „schmückt sich gern mit fremden Federn“, äußerte auch er Gefallen an der aktuellen Dekoration an seinem Arbeitsplatz. „Zum Glück“ habe sich die Preisträgerin damals ihrem Vater widersetzt und sei Künstlerin geworden, würdigte Roth das Können und die lokalen Themen, die Ursula Zepter in ihren Arbeiten aufgreift. „Selbst Offenbach und Frankfurt hat sie vereint!“ Die Bilder sind noch bis zum 14. Dezember zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Am kommenden Sonntag, 2. Dezember, steht die Ausstellerin von 11 bis 16 Uhr zu einem Künstlergespräch zur Verfügung.

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