„Das ist eine Lebenseinstellung“

Lackierer Reich bietet in Obertshausen mit „Rent a Camper“ eine neue Urlaubsalternative

Fast pausenlos ausgebucht: Sven Holland präsentiert seinen Camper.
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Fast pausenlos ausgebucht: Sven Holland präsentiert seinen Camper.

Jahrzehntelang hätten die Deutschen über ihre Nachbarn gelästert, die mit Wohnwagen-Gespannen die heimischen Autobahnen verstopfen. Die aktuelle Lage sorgt nun dafür, dass man selbst die Vorzüge eines Urlaubs mit der eigenen Unterkunft auf vier Rädern schätzen gelernt habe, erklärt einer, der auch noch so heißt wie das große Vorbild.

Obertshausen - Sven Holland weiß: „Wenn Du jetzt einen Wagen bestellst, wird er im September 2023 ausgeliefert.“ Der Chef von Lackiererei und Karosseriebau Reich hat sich auf den Service für die rollenden Heime spezialisiert und lädt ein zu „Rent a Camper“. Das gilt allerdings frühestens ab Herbst. Denn bis dahin sind seine Gefährte fast nonstop vermietet. „Das ist eine Lebenseinstellung“, wirbt der Frankfurter für Freiheit in den Ferien.

Seit 20 Jahren verreist er auf diese Weise mit seiner Ehefrau und jetzt auch mit den beiden Sprösslingen. Er selbst hat als Kind die Leidenschaft fürs Campen auf Korsika entdeckt. Die Insel begeistere mit mehr als 50 2000er-Bergen. Sie sei das Ziel vieler Besitzer eines VW California, des Kleinbusses mit Klappdach, und nicht so überlaufen. „Die Landschaft ist traumhaft schön“, schwärmt der Vermieter, „aber campen ist keine billige Alternative“.

Allein die Überfahrt auf einem Lkw-Stellplatz auf der Fähre koste 140 Euro, am Wochenende noch mehr. Aber der Nachwuchs könne sich austoben, man finde schnell Anschluss mit Gleichgesinnten aus aller Herren Länder. Klar, gebe es auch Zeltplätze mit Animation, Fünf-Sterne-Service. „Das ist dann wie Club-Urlaub, da fehlt’s an nichts“, aber das sei halt nicht die Sache echter Camper.„Durch Corona ist es extrem schwierig, einen freien Stellplatz zu finden“, erklärt der Automechaniker. „Die Branche hatte schon vor der Pandemie zweistellige Zuwächse und erlebt gerade einen Boom.“

Und wenn so viele der großen Gefährte auf der Straße unterwegs seien, passiert auch immer wieder was, weist der Werkstattleiter auf Einbruchschäden und Rempler hin. „Die Fahrzeuge schwenken weit aus, der Fahrer sieht oft nicht alles.“ Selbst bei älteren Modellen rechne sich eine Unterboden-Instandsetzung, „die sind nach 20 Jahren durchgerostet, haben aber immer noch einen Wert von rund 25 000 Euro.“

Die Preise für neue Wohnmobile beginnen bei 50 000 Euro, in der Klasse darüber verfügen sie über Sonnenenergie und Möbel, die automatisch und hydraulisch ausgerichtet werden. Das Angebot „Rent A Camper“ sei in diesen Wochen mit einem Wohnwagen und einem Mobil gestartet.

Die Firma Reich begann 1949 als Malerbetrieb in Hausen, hat sich dann mehr Richtung Auto orientiert. Anfang der 1970er zog die Lackiererei an die Feldstraße. Vor 21 Jahren übernahm Sven Holland mit Vater Volker das Unternehmen. Es beschäftigt acht Karosseriebauer, Automechaniker und -lackierer und darf auch E-Autos und Hybrid-Fahrzeuge reparieren. (Michael Prochnow)

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