Leben retten im Dschungel

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Dr. Werner Haag engagiert sich bei den „Ärzten für die Dritte Welt“.

Obertshausen - Werner Haag könnte es sich gemütlich machen, ein Feuer im Kamin entfachen und den Fernseher einschalten. Macht er auch manchmal, aber so viel Ruhestand liegt dem ehemaligen Hausarzt nicht. Von Michael Prochnow

Vor ein paar Jahren gab er seine Praxis ab und wendete sich den „Ärzten für die Dritte Welt“ zu. Seit dem fliegt Dr. Haag jedes Jahr in den Dschungel, um Menschen zu helfen und Leben zu retten.

2007 flog Haag zum ersten Mal nach Cebu auf der gleichnamigen philippinischen Insel. Beim nächsten Mal landete er auf dem benachbarten Eiland Mindanao. Die Hälfte der Flugkosten übernimmt jeder der „German Doctors“ selbst, die andere die Organisation. Kost und Logie vor Ort sind frei. Täglich sind 40 deutsche Mediziner in dem Inselstaat freiwillig im Einsatz. Sie praktizieren und bilden 300 Schwestern aus.

Beschränkung auf 200 Medikamente

Wenn ein Team in entlegene Bergregionen aufbricht, fährt ein Organisator mit dem Motorrad voraus und kündigt die „Rolling Clinic“ an. Hebamme, Krankenschwester, Fahrer und Übersetzer, der von cebuano ins Englische übersetzt, sind neben dem Arzt mit dem Geländewagen unterwegs. Sie behandeln nach straffen Regeln und einem Blue Book, der „Bibel“ der „Doctors“. Sie umfasst eine Liste aus lediglich 200 Medikamenten, auf die sich die Helfer auch aus Kostengründen beschränken.

Manchmal ist der Kontakt mit den politischen Problemen der Region nicht zu vermeiden. Haag berichtet von einer Schießerei mit Kriminellen, Rebellen haben die Banditen vertrieben. Die deutschen Ärzte behandeln alle, auch verletzte Gangster. Korruption und Großgrundbesitzer, die den Eingeborenen auf den Zuckerrohr-Plantagen und Maisfeldern nur einen bis zwei Euro am Tag geben, schüren die Konflikte. „Wer aufbegehrt, wird erschossen“, hat der Hausener gelernt. „Wir müssen immer neutral sein.“

Politische Probleme sind allgegenwärtig 

Als sinnvoll habe sich die Zusammenarbeit mit Father Heinz von den Steyrer Missionaren in Cagmayan de Oro auf Nord-Mindanao erwiesen, dem zweiten Standort der „Doctors“ auf den Philippinen. Der Ordensbruder kennt sich aus, wird von den Bewohner der Müllhalden wie denen im Rotlicht-Millieu akzeptiert. „Ich weiß, wo ich nicht hin darf, welche Viertel ich abends meiden muss“, erläutert Haag. Doch gerade in den gefährlicheren Vierteln diagnostizieren sie häufig Tuberkulose, ein großes Problem in den Slums.

Die „Ärzte für die Dritte Welt“ haben eigens ein Zentrum zur Behandlung dieser Krankheit eingerichtet. Die Patienten müssen über einen längeren Zeitraum täglich Medikamente gegen multiresistente Bakterien in Gegenwart der Schwestern einnehmen, „damit sie die Medizin nicht verkaufen“, erklärt Dr. Haag. Vor Weihnachten wurde das Gebäude von einem schweren Taifun getroffen. Auch das Armen-Krankenhaus in Cagmayan wurde beschädigt. „20 Pfleger und Helferinnen haben alles verloren, zum Teil waren auch Tote zu beklagen“, berichtet der Hausarzt. Mehr als 1000 Tote forderte das Unwetter. In San Fernando bei den Ureinwohnern in der Provinz Buidnon, wo Haag ebenfalls arbeitet, fielen 300 Liter Regen innerhalb weniger Stunden. Viele Orte sind unzugänglich, die „German Doctors“ betreuen nun Obdachlose in Turnhallen in Cagmayan de Oro.

Vortrag im Pfarrer-Schwahn-Haus

Zwei Wochen arbeitet ein Arzt in der Klinik, dann fährt er zweimal für zehn Tage in die Dörfer im Busch, dazwischen liegen vier Tage Erholung. „Man muss schon ein harte Natur haben“, betont der 68-Jährige, schließlich lebe man mit den Eingeborenen zusammen, schlafe auch mal mit Luftmatratze und Moskitonetz auf dem Boden. Die Verbindung zur Außenwelt stellt oft nur ein einziges Motorrad pro Dorf her. Stoße der „Doc“ dort auf einen schweren Fall, fährt er den Patienten mit dem Auto vier bis sechs Stunden durch den Regenwald zum Krankenhaus. Am Sonntag, 29. Januar, stellt Sportmediziner Haag ab 17 Uhr sein Engagement im Pfarrer-Schwahn-Haus vor. Dort geben die Obertshausener Sängerin Marianne Wycisk und der 13-jährigen Klavierspieler Vincent Knüppe ein Benefizkonzert. Eintritt ist frei, um Spenden für die „Ärzte für die Dritte Welt“ wird gebeten.

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