Kickers Obertshausen in Bedrängnis

Saniertes Sportfeld, aber „Platz nicht bespielbar“

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Verletzungsgefahr: Kickers-Vorsitzender Siggi Herth (links) und sein Stellvertreter Gerald Schulze zeigen die „Lavasteine des Anstoßes“, die über den ganzen Platz verteilt sind. Im Boden vor ihnen steckt ein faustgroßer Brocken, im Hintergrund wächst Grün.(

Obertshausen - Eigentlich ist der Hartplatz des Sportzentrums an der Badstraße nach einer Erneuerung seit März wieder freigegeben. Aber nur eigentlich. Mängel sorgen dafür, dass die Fläche aktuell unbespielbar ist. Von Thomas Holzamer 

„Die hier sind das größte Problem“, sagt Gerold Schulze und zeigt auf die scharfkantigen Lavasteine in seiner Hand“. Die Steine, die in etwa die Größe einer Traube haben, sind über den gesamten Hartplatz verteilt und stellen für die Sportler ein hohes Verletzungsrisiko dar, weiß der stellvertretende Vorsitzende des FC Kickers Obertshausen. Keine zwei Meter mussten er und Vorsitzender Siggi Herth beim Ortstermin auf dem Platz laufen, um jeweils eine Handvoll von den Brocken zu finden. Dabei taucht auch ein faustgroßer Stein auf, der direkt an der Oberfläche im roten Belag des Platzes steckt. „Stellen Sie sich vor, da fällt ein Spieler beispielsweise mit der Hüfte drauf“, sagt Herth.

Eigentlich sollte der Hartplatz im städtischen Sportzentrum an der Badstraße nach der Sanierung vor rund einem Jahr in bestem Zustand sein. Erledigt hat dies schließlich eine Spezialfirma, die ausreichend Erfahrung mit Sportstätten hat. Denn der Platz war nach über drei Jahrzehnten trotz der hervorragenden Pflege durch das Team der städtischen Platzwarte in die Jahre gekommen und so verdichtet, dass Regenwasser so gut wie nicht mehr abfließen konnte.

Allerdings sei Platz B seit der Sanierung nun praktisch unbespielbar, beklagen der Vorsitzende und sein Stellvertreter auf dem Gelände an der Badstraße. Neben den Steinen sorgt auch die umlaufende Entwässerungsrinne für zusätzliches Gefahrenpotenzial. Die steinernen Rinnen, in die überschüssiges Regenwasser ablaufen soll, liegen teils bis zu zwei Zentimeter über dem Belag, erläutert Herth. „Wie da das Wasser ablaufen soll, ist mir schleierhaft“, sagt er.

Dass die Fußballer mit dieser Meinung nicht alleine stehen, bewies kürzlich eine Prüfung der Anlagen des Sportzentrums durch die Sachverständigen der „Hessischen Sportstätten Ausstattungs- und Service GmbH“, die ebenfalls Mängel an der Anlage feststellten. Allerdings liege der Stadt der fertige Bericht noch nicht in schriftlicher Form vor, sodass man bisher noch nichts unternehmen konnte, hatte Bürgermeister Roger Winter in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Sport, Kultur- und Bildung festgestellt.

An dessen Mitglieder hatte sich der Verein jetzt gewandt, nachdem den Mannschaften in etwa vier bis sechs Wochen ein weiteres Mal der Stopp des Spielbetriebs droht. Denn sinken – meist im Oktober – die Temperaturen und die Rasenplätze des Stadions werden zum Schutz der Grasnabe für die Wintermonate gesperrt, bleibt den Kickern nur der Hartplatz für das Training der zahlreichen Jugend- und der zwei Herrenmannschaften. Doch der ist seit rund drei Jahren nur eingeschränkt und seit der Sanierung gar nicht mehr nutzbar, sagt Schulze.

Die Folge: Für jene Mannschaften, die nicht auf andere Plätze ausweichen können fällt das Training zwangsläufig aus, erläutert Schulze. Und das treffe vor allem die Jugend. Denn während die beiden Herrenmannschaften im vergangenen Winter „Asyl“ auf dem Gelände von Germania Bieber erhielten und einzelne Jugend-Teams zur benachbarten Teutonia ausweichen konnten, war für die übrigen Knirpse kein Platz. Das habe in den vergangenen drei Jahren – der in die Jahre gekommene Platz war auch vor der Sanierung nur sehr eingeschränkt nutzbar, da dort bei Regen das Wasser nicht abfloss – dafür gesorgt, das der Verein insgesamt 80 Nachwuchskicker verlor – zusammen fünf Jugendmannschaften. Sicher, eine gewisse Fluktuation gebe es natürlich immer, bestätigt Siggi Herth, aber nicht in dieser Größenordnung. „Die Kids wollen natürlich kicken und wenn sie das nicht können, wechseln sie zu anderen Vereinen“, fasst Schulze das Dilemma zusammen. Auch habe es bereits Anfragen von Eltern gegeben, die einen Teils des jährlichen Beitrags zurückerstattet haben wollten, da ihre Kinder im Winter nicht trainieren konnten, ergänzt Herth.

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Auf die im Zuge der Abnahme im März festgestellten Mängel habe die Stadt die ausführende Firma hingewiesen, informiert der Bürgermeister auf Anfrage. Einmal sei bereits nachgebessert worden. Auch der Bericht der „Hessischen Sportstätten“ liege der Stadt seit Ende letzter Woche schriftlicher vor.

Mit der Deckschicht sei man danach allerdings noch nicht zufrieden gewesen. So wurden bei der Begutachtung des Platzes drei unterschiedliche Gesteinssorten festgestellt. Woher jene zwei stammen, die im Belag nichts zu suchen hätten, könne sich bei der Firma keiner erklären, sagt Obertshausens Rathauschef. Fest stehe jedoch, für die ausgeführten Arbeiten gebe es die Gewährleistungspflicht. Nun sollen im September nochmals Pflegearbeiten folgen, sodass der Platz rechtzeitig für den Spielbetrieb zur Verfügung stehe. „Damit sollte es erledigt sein“, hofft Winter.

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