Mitarbeiter sollen auf sechs Millionen Euro verzichten

Magna will bei Gehältern sparen

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Obertshausen - Beim Automobilzuliefer Magna in Obertshausen strebt das Management nicht nur den Abbau von Personal an. Im nächsten Jahr soll die Belegschaft auch auf Gehalt verzichten. Von Marc Kuhn 

Sechs Millionen Euro sollten eingespart werden, sagten der Gewerkschaftssekretär der IG Metall Offenbach, Peter Wich, und Joachim Schecher, der Betriebsratschef, unserer Zeitung. Magna lehnte weitere Informationen ab, wie eine Sprecherin erklärte.

Der Obertshausener Bürgermeister Bernd Roth sagte, er sei von der Entscheidung überrascht worden. Er habe von den Plänen erst aus der Zeitung erfahren. Roth erklärte, jeder Arbeitsplatz, der in der Stadt verloren gehe, tue ihm weh. Die Geschäftsführung habe die Katze aus dem Sack gelassen und der Belegschaft auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung mitgeteilt, dass 230 Mitarbeiter ihren Job verlieren sollen, sagte Schecher. Betriebsrat und IG Metall hätten Gespräche mit dem Management aufgenommen.

„Es ist ein geplanter Personalabbau“

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„Es ist ein geplanter Personalabbau, weil die Zahlen nicht stimmen“, erklärte Wich. Aber: „Die Beschäftigten haben einen Superjob gemacht.“ In den vergangenen zehn bis 15 Jahren habe Magna in Obertshausen gute Zahlen geliefert. Das Werk sei ein Vorzeigeunternehmen im Konzern gewesen. Doch seit zwei Jahre schreibe es rote Zahlen, „weil sehr stark investiert wurde“, berichtete Wich. Rund 60 Millionen Euro seien für eine Lackieranlage, das Verwaltungsgebäude und ein Hochregallager ausgegeben worden, fügte Schecher hinzu. Fast alle Werke von Magna in Europa würden rote Zahlen schreiben. Auch das Vorzeigewerk. „Das wollten die sich nicht angucken“, sagte Schecher mit Blick auf das Management.

Das kanadische Unternehmen hat in Deutschland 47 Werke. Insgesamt unterhält der Konzern 315 Produktionsstätten und 87 Vertriebszentren in 29 Ländern. Er erwirtschaftete mit etwa 121.000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von fast 31 Milliarden Dollar (rund 23,6 Milliarden Euro). Die Zahl der Mitarbeiter ist in Obertshausen in den vergangenen Jahren gestiegen. Rund 1200 Menschen würden dort zurzeit arbeiten, erläuterte Schecher. 2010 waren es 900 Mitarbeiter.

In der Informationsphase

Nach den Worten von Wich befinden sich Management und Arbeitnehmervertreter beim geplanten Arbeitsplatzabbau noch in der Informationsphase. Bis morgen Abend werde eine Vereinbarung über das freiwillige Ausscheiden von Mitarbeiter angestrebt. Wich betonte, alles sei offen. Es gebe Angebote vom Arbeitgeber, die dann wieder zurückgenommen würden. „Ich habe in dieser Weise noch keine Verhandlungen geführt“, sagte der Gewerkschaftssekretär.

Beide Seiten strebten eine einvernehmliche Lösung an, berichtete Wich weiter. Auf keinen Fall dürfe es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Laut Wich will Magna 234 Jobs abbauen. 90 bis 100 Kollegen sollten das Unternehmen freiwillig verlassen. Die restlichen Stellen sollten über Leiharbeitsplätze abgebaut werden. Der IG-Metall-Experte befürchtet, dass diese dann auch von den Firmen entlassen würden, die sie ausgeliehen haben. Wich berichtete weiter, dass es bei Magna bis zu 100 Angestellte gebe, die 58 Jahre und älter seien. Ob sie freiwillig ausscheiden, hänge von der Höhe der Abfindungen ab. „Das Betriebsklima ist nicht so, dass jeder arbeiten will, die sind froh, wenn sie draußen sind.“ Allerdings würden sich die verbleibenden Mitarbeiter fragen, wie die Produktion mit weniger Personal aufrecht gehalten werden könne.

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Schecher berichtete: „In ersten Gesprächen haben wir dem Management noch mal in Erinnerung gerufen, dass die Kollegen hier am Standort über 15 Jahre hoch motiviert gearbeitet haben und somit zur Entwicklung und Expansion der Magna-Gruppe im erheblichen Maße beigetragen haben.“ Nun laufe es mal nicht gut „und sie sprechen gleich von Personalabbau. Dies ist sehr einfach und nicht nachhaltig gedacht und der Betriebsrat hat mit der IG Metall dem Management klar und deutlich gesagt, dass Kündigungen nicht mit uns machbar sind.“ Dem Management sei angeboten worden, es „bei der Optimierung der Abläufe und Prozesse zu unterstützen, um so den Turn Around zu erreichen. Wir diskutieren aktuell mit dem Management, wie eine Anpassung der Personalkapazitäten sozial verträglich gestaltet werden kann, das heißt Mitarbeiter, die das Unternehmen freiwillig verlassen möchten, soll ein Anreiz geschaffen werden, woanders anheuern“, erklärte Schecher. Für rentennahe Jahrgänge solle ein Übergang in den Ruhestand ermöglicht werden. „Der Betriebsrat und die IG Metall haben mehrere Gesprächstermine diese Woche festgelegt, damit noch vor Weihnachten eine Einigung erzielt werden kann, damit wir den Kollegen noch vor dem Weihnachtsfest was Konkretes sagen können.“

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