„Man muss darauf tanzen können“

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Thomas Jeutter alias Tom Jet (mit Sonnenbrille) und Christine Löb alias Christin feiern 2011 ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum.

Obertshausen - Kaum zu glauben, aber es ist 20 Jahre her, dass „Tom Jet“ zum ersten Mal seine Saiten auf einem Biertisch liegend zupfte. So kennen und lieben ihn seine Fans, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen – und das Beste aus fünf Jahrzehnten im Repertoire. Von Michael Prochnow

Tom Jet alias Thomas Jeutter ist die Musik eigentlich in schon in die Wiege gelegt worden. Die „Crazy Cats“, Tom und Christin’, gibt’s aber erst seit 1991. Okay, eigentlich schon seit 22 Jahren, aber „vorher haben wir ja nur „rumprobiert“, sagt Thomas Jeutter.

Die Karriere des jungen Jeutter war vorgezeichnet: Geboren in Nachbarschaft zur Traditionsgaststätte Krone übte er mit zehn, elf Jahren bei der Musikschule Jentsch klassische Gitarre. „War aber langweilig“, befand Teenager Thomas. Interessanter war die Scheune hinterm Haus, da probte die große Schwester mit ein paar Freunden, die nannten sich später „Rodgau Monotones“. Tom saß dabei, als sie noch „Blues Authority“ hießen. Etüden-Üben war abgemeldet, Schlagzeug angesagt, „das Instrument der Freiheit“, strahlt der Unternehmer. „Die Basis für das, was ich heute mache“.

Die echte Grundlage fürs Musikverständnis, berichtigt er sich rasch, habe er vor der Konfirmation bei Pfarrer Lotz und mit der „Mundorgel“ bekommen. „Wer Fahrtenlieder spielen kann, kann alles spielen!“ Es folgten Einzelunterricht, und zur Förderstufenzeit in der Joseph-von-Eichendorff-Schule seine erste Band, „Tohuwabohu“. Da spielten sie Pop und Rock, auch Blues, „eben alles, was man im Radio gehört hat“. Als junger Bursche hat er fast überall mal gespielt. Mit den „Colorados“ trat er in Los Angeles sechs Wochen auf.

„Der Verrückte mit der bunten Brille“

Christin’ alias Christine Löb begann mit dem Akkordeon, sang in Kinder- und gemischten Chören und begründete die Gruppe „Madi Titsch“, die kräftig rockte. Dann schloss sie sich „Sound Track“ an, einer „Top Fourty Band“ aus dem Ostkreis. Längst waren Tom und Christin’ ein Pärchen, als ein befreundeter Autoverkäufer ein Duo suchte, das in Steinau den Renault Clio präsentierte. Unter dem Motto „Made in Paradise“ sollte es „Adam und Eva“ darstellen. „Weil wir aber mehr Musiker als Moderatoren waren, haben wir das in Musik verpackt und sind so um das Auto herum gerockt“, erzählt der „Adam“.

Das war der Startschuss. Die Zwei lernten einen Manager kennen, der sie überredete, das Singen zum Beruf zu machen. Tom hatte als Maschinenbautechniker bei der Ymos AG angefangen, wo er dann selbstständig Aufträge abarbeitete. Christin’ war Fremdsprachensekretärin bei Dunlop und Löbro in Hanau.

Mit sieben schrillen Formationen repräsentiert Jeutter heute ein halbes Jahrhundert weltweit erfolgreiche Musik. Der original Rock’n’Roll der 50er und 60er Jahre ist die Sache der Starlighters, die MTGs spielen den so genannten Classic-Rock der 70er und 80er á la Deep Purple, Queen, Santana und Eric Clapton.

Toms Jet Set steht für alles, was sich in den Hitparaden hielt, „was die Leut’ halt kennen“, was auch die jüngere Generation vom Hocker reißt. Dazu zählen eine Bon-Jovi-Nummer und Malle-Atmosphäre. Dann gibt’s noch die Coming Home Blues Band mit Toms Schwester Ute.

Auftritte im Fernsehen

„Für mich macht das Sinn“, wirbt er, „wir sind nicht eine Band, die alles spielt, vom Zillertaler Hochzeitsmarsch bis zu AC/ DC.“ Mancher Zeitgenosse habe das aber noch nicht erkannt: „Die Leute sehen oft nur, da ist schon wieder der Verrückte mit der bunten Brille“, seufzt er, „dabei ist jede Gruppe schon an eigenen Klamotten zu erkennen.“ Fans kennen „die mit den spitzen Schuhen“ oder „die mit den Schlangenanzügen“.

Zum Job gehören heute Auftritte zu Karneval und beim Hessischen Apfelweinfest beim Fernsehen. Dazu müssen dann immer eigene Texte und Arrangements geschrieben werden. „Du bist viel unterwegs, erlebst schöne Reisen, aber dabei muss man auch hart arbeiten“, betont Jeutter. „Ab der ersten Show bist du öffentlich, dann ist der Urlaub vorbei. Erholung ist was anderes.“

Über allem stehen die „Crazy Cats“. Die Starlighters sollten eigentlich nur die Begleitband sein. „Musik für die man keine Gehhilfe benötigt“, definiert Tom die Tanz- und Party-Rhythmen. „Ich muss mich am Markt orientieren“, sagt der Berufsmusiker – und will noch ein Talent mit ins Boot holen. Die Idee ist, eine weitere Band zu gründen, die nur deutschsprachige Titel spielt, nichts Schweres, eher Schlager-Pop. „So was gibt’s noch nicht“.

Er denkt an Titel von Udo Jürgens, Howard Carpendale und an aktuelle Formationen wie die Band Silbermond und Adel Tabiel, deren Hits ein großes Publikum erreichen. Noch ist nichts in trockenen Tüchern, „aber man muss drauf tanzen können, es muss schöne Zuhör-Musik sein“, ist Tom Jet klar. Darauf stehen seine Anhänger.

Das Jubläumsfest steigt am Samstag, 13. August, im Biergarten der Gaststätte „Zur Kreuzung“ als Zeltlager und wird am Sonntag mit einem musikalischen Frühschoppen fortgesetzt.

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