22-Jähriger zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt

Handyraub im Vollrausch

Obertshausen - Der Staatsanwalt wirft einem 22-Jährigen am Schöffengericht in Offenbach vor, im Juli 2015 in Obertshausen eine Bekannte geschlagen und sich ihr Handy angeeignet zu haben. Im Kern gibt der Mann, der zur Tatzeit etwa 2,4 Promille Alkohol im Blut hatte, alles zu. Das Handy habe er jedoch nicht behalten wollen. Er wird zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Von Stefan Mangold

Der reuige Angeklagte betont, „eigentlich bin ich lieb“. Sein Problem sei die Wirkung von Alkohol. Trinke er, „bin ich ein Anderer“. Richter Beck wirft ein, kurz vor den Ereignissen habe er ebenfalls vor Gericht gestanden: wegen Sachbeschädigung und Diebstahl, ebenfalls im Suff verübt. Mit Geldstrafe und Sozialstunden habe er vom Jugendgericht die Auflage erhalten, sich an ein Suchthilfezentrum zu wenden. „Die Gespräche dort haben nichts gebracht“, erklärt der Mann. Der Angeklagte und die junge Frau waren Kollegen im Verkaufsbereich. In jener Nacht schlug der Angeklagte ihr über „WhatsApp“ vor, sich nach Feierabend zu sehen. Die Frau bot ein Treffen vor ihrem Haus an. In die elterliche Wohnung habe sie ihn nachts nicht lassen wollen. Auf einem Spielplatz hätten sie sich unterhalten. Dass er nicht nüchtern war, habe sie gemerkt. Unangenehm habe er sich nicht benommen.

Anschließend gingen die beiden in den nahen Wald auf eine Bank. Dort kippte die Stimmung. Seine sexuellen Absichten vermittelte der Mann auf abschreckende Weise. Die Frau schildert, wie er unvermittelt seine Hose herunterzog und sich an ihrer zu schaffen machte. Nachdem sie ihn weggeschubste, habe er ihr einen Schlag auf den Kopf verpasst, der sie zu Boden streckte, „dort schlug er noch mal zu“. Mit dem Hinweis, ihm ginge es um die Bilder, die er ihr von sich geschickt hatte, habe er ihr Handy entrissen. Er wolle nicht, dass seine Freundin davon erfahre. Dann ging er. Die Geschädigte erzählt, seitdem habe sie ein Problem, Menschen zu vertrauen. In den Wald gehe sie nicht mehr alleine.

In der Nacht bekam die Polizei mehrere Anrufe aus dem Umkreis der Bieberer Straße. Die Geschädigte hatte geschrien. Eine Zeugin rannte mit ihrem Freund raus und fand die Frau in aufgelöstem Zustand. Später stellte die Polizei eine Beule am Kopf und blaue Flecken fest. Derweil wurde auch der Täter telefonisch bei der Polizei aktiv, meldete laut Protokoll, eine Frau habe versucht, ihm das Handy zu stehlen. Er warte an einer bestimmten Stelle auf einen Streifenwagen.

Der Angeklagte behauptet, er habe gesagt, er wolle ein Handy abgeben. Laut Polizei fanden sich bei der Leibesvisitation das Handy und die Schlüssel der Geschädigten beim Angeklagten. Dessen Verteidigerin Birgit Na’amni fragt den Polizisten, ob es möglich sei, dass der Angeklagte anfangs auf das Handy verwiesen, er aber entgegnet habe, er nähme das erst später an sich. Der Beamte verneint. Bei der Vernehmung habe der Angeklagte anfangs zwar keinen nüchternen, aber einen ruhigen Eindruck hinterlassen, „bis wir ihn mit dem Vorwurf einer versuchten Vergewaltigung konfrontierten“.

Polizeibeamte müssen belastbar sein

Dieser Verdacht habe anfangs nahe gelegen. Der Angeklagte habe die Polizisten dann mit unflätigen Worten beschimpft und ihnen sexuelle Handlungen an ihm angeboten. Auf dem Boden mussten sie ihn fixieren.

Der Staatsanwalt sieht neben der Körperverletzung einen minderschweren Fall von Raub. Der Angeklagte habe die Tat nicht geplant, ihm sei es nur um die Bilder gegangen. Er fordert ein Jahr Haft auf Bewährung. Die Verteidigerin plädiert auf eine Geldstrafe für Körperverletzung und seelische Schäden. Für sie ist nicht erwiesen, dass sich ihr Mandant das Handy explizit gewaltsam aneignen wollte. Richter Beck begründet, wegen diverser Vorstrafen komme eine Geldstrafe nicht in Frage, „das beeindruckte Sie bisher nicht“. Deshalb verhängt er neun Monate Haft auf Bewährung. Verminderte Schuldfähigkeit sei wegen der hohen Promillezahl nicht auszuschließen. In den nächsten drei Jahren bekommt der Angeklagte einen Bewährungshelfer zur Seite, „der kontrolliert, ob Sie die auferlegte Alkoholtherapie auch machen“.

Rubriklistenbild: © dpa

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