Martina Bode setzt sich für Inklusion in Schule ein

Mittendrin statt am Rand

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Hausaufgaben, für beide: Anthea und Martina Bode.

Obertshausen - Seit rund vier Jahren gehört Inklusion, der gemeinsame Schulbesuch von behinderten und nichtbehinderten Kindern, in deutschen Schulen zum Pflichtprogramm. Dass es in der Praxis hapern kann, hat Martina Bode selbst erlebt. Von Sebastian Schwarz

Gemeinsam mit anderen Eltern hat die Obertshausenerin also den Verein IGEL-OF gegründet, der die Inklusion vorantreiben will.

„Es war ein harter Kampf, bis meine Tochter Anthea eingeschult war“, sagt Monika Bode. Das Mädchen leidet am Down-Syndrom. Trotzdem soll die Achtjährige eine Regelschule besuchen. Seit 2009 ist das in Deutschland dank der UN-Behindertenrechtskonvention möglich.

Auf eine Förderschule will die 46-Jährige ihr Kind auf keinen Fall schicken. Anthea soll sich auch an nichtbehinderten Kindern orientieren können und mit diesen Freundschaften schließen. „Ich wollte ihr die Erfahrung ersparen, ausgegrenzt und ausgesondert zu werden, nur weil sie nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht.“ Monika Bode möchte ihrer Tochter ein normales Leben ermöglichen, sie soll wie die anderen Kinder auch Schreiben und Lesen lernen. Im August 2013 ist es soweit; Anthea wird auf der Sonnentauschule Obertshausen eingeschult, in deren Einzugsgebiet sie wohnt.

Ein langer Weg für Kind und Mutter

Doch bis es einmal soweit ist, liegt bereits ein langer Weg hinter Kind und Mutter. Als Martina Bode 2011 erstmals mit ihrem Wunsch an die Schule herantritt, trifft sie dort noch auf einige Skepsis. Schulleitung und Lehrer hätten Sorge gehabt, Anthea könnte Hänseleien von Mitschülern zu hören kriegen. Aber diese Befürchtungen lösen sich bald auf. Wenn sie einen Schulbegleiter besorge, kümmere sich die Schule gerne um den Rest, habe man ihr erklärt. Drei Tage in der Woche steht der Schulbegleiter dem Mädchen nun zur Seite, an den anderen beiden Tagen kümmert sich ein Förderlehrer um sie.

Den Schulbegleiter zu finden, wird indes erstmal zu einer nervenzehrenden Angelegenheit. Martina Bode stellt den Antrag beim Sozialamt. Aber das Amt habe nicht reagiert und sie zappeln lassen. Erst als sie einen Anwalt einschaltet, damit der einen Eilantrag einleitet, kommt Bewegung in die Sache. Der Antrag wird angenommen, für ein Jahr wird dem Mädchen der sogenannte Integrationshelfer bewilligt. Kennen lernt Monika Bode den Begleiter, eine junge Frau im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), ebenso wie den Förderlehrer erst am ersten Schultag ihrer Tochter. „Das war natürlich nicht optimal“, sagt sie. Doch trotz der Startschwierigkeiten ist sie im Rückblick sehr zufrieden. Denn Anthea wurde von ihren Mitschülern wie selbstverständlich aufgenommen und hat bereits Freunde gefunden. „Die Mühe hat sich gelohnt“, sagt Bode.

„Kreis windet sich wie ein Aal“

Aber auch andere Eltern in vergleichbaren Situationen hätten mit ähnlichen Problem zu kämpfen, weiß die Obertshausenerin. Seit 2011 engagiert sie sich im Verein „Initiative Gemeinsames Lernen für Stadt und Kreis Offenbach“, kurz IGEL-OF. Zusammen mit rund 100 anderen Eltern setzt sie sich für das Thema Inklusion ein. „Wir wollen, dass die Kinder später ein freies und selbstbestimmtes Leben führen können“, erklärt die Vereinsvorsitzende Dorothea Terpitz. „Kinder brauchen eine andere Art der Förderung und Ansprache, dann können sie es sehr weit bringen“, glaubt sie.

Doch mit ihrem Anliegen stoßen die engagierten Eltern zu Beginn nicht überall auf Begeisterung. Vor allem das Landratsamt habe sich als schwieriger Partner gezeigt. „Bei der Finanzierung der Inklusion windet sich der Kreis Offenbach wie ein Aal“, meint Monika Bode. Denn das Sozialamt müsse die Integrationshelfer für Schüler mit Einschränkungen bezahlen. Wie schwierig es ist, diese bewilligt zu kriegen, habe sie ja erlebt. „Aber langsam wird es besser“, sieht Dorothea Terpitz zumindest einen Silberstreif am Horizont. Zu tun hätten sie und Monika Bode trotzdem mehr als genug. Als Ansprechpartner für Eltern, Fortbildunganbieter für Lehrer und öffentliche Stimme für das Thema Inklusion liege noch jede Menge Arbeit vor ihnen.

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