Familienverein Tausendfüßler

Mehr Platz fürs echte Leben

Tausendfüßler-Vorsitzende Nicole Luque und TEO-Sprecherin Nicole Walter (hinten) freuen sich mit TEO-Kassenwartin Claudia Sauer und zwei Tagespflegekindern über die Kooperation.
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Tausendfüßler-Vorsitzende Nicole Luque und TEO-Sprecherin Nicole Walter (hinten) freuen sich mit TEO-Kassenwartin Claudia Sauer und zwei Tagespflegekindern über die Kooperation.

Obertshausen - Es ist seit Jahren ein Zähneknirsch-Thema in der Stadtverwaltung: Die Tausendfüßler brauchen neue Räume, jeder sieht’s ein, aber das Geld fehlt. Jetzt haben sich die Tageseltern Obertshausen (TEO) dem Verein angeschlossen. Und die Platz-Not wird nicht kleiner. Von Eva-Maria Lill

Nicole Luque steigt mit Storchenschritten über Holzkisten. „Das ist eigentlich unsere Küche“, erklärt sie und winkt entschuldigend mit der Hand. „Aber im Bewegungsraum liegen gerade Matten.“ Mehr Platz ist nicht.

Seit Jahren bekannt, aber deshalb nicht minder brennend: Der Familienverein Tausendfüßler hat Raumsorgen. Das Domizil an der Seligenstädter Straße reicht vorn und hinten nicht, ist bezüglich Brandschutz und Barrierefreiheit eine Katastrophe. „Es wird eher schlimmer als besser. Irgendwann komme selbst ich nicht mehr gegen die Bausubstanz an“, sagt Vorsitzende Luque.

Den Traum von einer Lösung hat sie nicht aufgegeben, trifft sich regelmäßig mit den Parteien. „Alle sind sich einig, dass etwas passieren muss“, weiß Luque. Auch in der nächsten Stadtverordnetenversammlung liegt wieder ein entsprechender Antrag auf dem Tisch. Ein Mehrzweckgebäude an der Vogelsbergstraße geistert schon eine Weile durch die Stadtplaner-Köpfe. Jetzt haben’s die Christdemokraten zurück auf die Agenda gebracht. Das wäre auch in Luques Interesse. Und im Sinne der Tageseltern für Obertshausen (TEO).

Schon seit 2005 vermittelt die Fachstelle für Kindertagespflege ihre Mamas im Gebäude der Tausendfüßler. „Bisher haben alle Tagesmütter ihr eigenes Süppchen gekocht. Es war einfach Zeit, sich besser zu organisieren“, sagt TEO-Kassenwartin Claudia Sauer. Daher wurde auf der Jahreshauptversammlung der Tausendfüßler beschlossen: TEO und Familienverein gibt’s ab sofort im Doppelpack. Am Wochenende stehen die beiden erstmals gemeinsam auf dem Martinsmarkt. Die Tausendfüßler verkaufen Selbstgestricktes zugunsten der Flüchtlingshilfe, die Tagesmamas wollen Kinder mit Fingerpuppen, Muffins und Weihnachtskarten glücklich machen. „Wir setzten uns dafür ein, dass unsere Arbeit eine höhere Wertschätzung erfährt“, verdeutlicht Luque. Dazu gehöre eben auch, die Dringlichkeit der Raumsuche immer wieder in die Köpfe zu hämmern.

Aktuell stehen den Tausendfüßlern 200 Quadratmeter zur Verfügung – ideal wären 600. Das Herzstück ist der Minikindergarten, in dem 20 Sprösslinge jeweils neun Stunden die Woche betreut werden. Daneben gibt’s offene Treffs und kreative Angebote. Auch die Verwaltung braucht Platz. Im Sommer hat zudem der Besitzer des Grundstücks gewechselt: „Mir wurde gesagt, dass alles beim Alten bleibt. Aber es macht mich trotzdem unsicher“, sagt Luque.

Auf der Wunschliste der Tausendfüßler stehen neben einem großen Außengelände auch ein Familienbüro sowie eine Kinderkrippe für 20 Mini-Obertshausener oder sogar ein Tagesmütterhaus. Letzteres liegt Luque nicht erst seit dem Zusammenschluss mit TEO am Herzen. „Die Stadt braucht U3-Plätze“, stellt sie schlicht fest, „und Tagesmütter sind persönlicher als eine Krippe, sind eher wie eine Familie und das echte Leben.“

Auch Claudia Sauer stimmt zu: „Wir wollen uns vergrößern, haben aber aktuell keine Möglichkeit, uns zusammenzusetzen und über wichtige Themen wie Krankheitsvertretung zu sprechen.“ Die Angliederung an die Tausendfüßler ist da nur der erste Schritt. 15 Tagesmütter und Tages-Omas gibt es aktuell bei TEO. „Aber Anfragen kommen viel mehr“, sagt Sauer. Grundbedingung für mehr Ersatz-Mamas: viel Platz. „Solange sich die Raumsituation nicht ändert, stecken sowohl die Tausendfüßler als auch TEO bezüglich unserer Kapazitäten fest“, verdeutlicht Luque.

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