Ausgleich für Verluste schaffen

Mehrheit ist für Schutzgebiete

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Im Biotop Kreuzloch sind auch viele seltene Tier- und Pflanzenarten Zuhause.

Obertshausen - Die Forderung, aus dem Naherholungsgebiet Kreuzloch ein Schutzgebiet zu machen, gibt es bereits seit vielen Jahren. Nun soll aus dem Wunsch Realität werden. Doch über das „wie“ sind sich Obertshausens Parlamentarier noch nicht einig. Von Thomas Holzamer 

Nicht bauen, doch bauen oder doch ein für alle Mal unter Schutz stellen? Die Diskussion um Gräbenwäldchesfeld, Kreuzloch und die Rodauauen ist schon viele Jahre alt und wurde auch in diesem bereits mehrmals in den Ausschussrunden des Stadtparlaments diskutiert. Zuletzt nach einem Vorstoß der Grünen, die nun Nägel mit Köpfen machen und Obertshausens letzte grüne Lungen bei der anstehenden Fortschreibung des regionalen Flächennutzungsplans durch den Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main als Landschaftsschutzgebiet oder „Ökologisch bedeutsame Flächennutzung mit Vorrang für Natur und Landschaft“ ausweisen lassen wollen. Das würde deren dauerhaften Schutz vor einer Bebauung bedeuten.

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Bei den betroffenen Arealen handelt es sich um für die Stadt essenzielle Kaltluftentstehungsflächen, Naherholungsgebiet sowie Lebensräume für zahlreiche heimische Tierarten, so die Begründung der Grünen-Fraktion. Sie sind im Plan derzeit noch als „Siedlungserweiterungsfläche“ oder unter „Gemischte Baufläche – geplant“ geführt. Um dort zu bauen, würde es derzeit lediglich der Aufstellung eines Bebauungsplans durch die Stadt bedürfen. Das Thema hatte man in der vergangenen Sitzungsrunde noch einmal geschoben, weil sich die übrigen Fraktionen unter anderem eine detaillierte Übersicht der betroffenen Areale in Form einer Karte gewünscht hatten. Die haben die Grünen inzwischen geliefert.

Einig waren sich die Vertreter aller Fraktionen in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses darin, zum jetzigen Zeitpunkt keine der Flächen bebauen zu wollen. Auch CDU und SPD wollten weder das Kreuzloch noch das Seewiesenwäldchen bebauen, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Anthony Giordano. Da es sich jedoch bei beiden um die letzten beplanbaren Wohnungsbauflächen der Stadt handelt, gelte es bei deren Ausweisung als Naturschutzgebiet an anderer Stelle einen Ausgleich zu schaffen.

Dazu hat Große Koalition für die heutige Stadtverordnetenversammlung einen eigenen Antrag vorgelegt. Der sieht ebenso wie der der Grünen vor, für Kreuzloch sowie die Fläche westlich der Bürgermeister-Mahr-Straße beim Regionalverband die Ausweisung als Schutzgebiet zu beantragen, dafür jedoch im Gegenzug anderen Flächen in gleicher Größe – zusammen etwa zwölf Hektar – innerhalb der städtischen Gemarkung als geplante Wohnbauflächen auszuweisen, wie Giordano den Ausschussmitgliedern erläuterte. Den Ausgleich brauche es, damit die Stadt auch künftig noch über Möglichkeiten verfügen könne, neues Bauland auszuweisen – vor allem in Hinblick auf den aktuellen Mangel an Wohnraum.

Kritik dazu gab es neben den Grünen auch vom Fraktionsvorsitzenden der „Bürger für Obertshausen“, Rudolf Schulz, der im Vorstoß der Koalition vielmehr das Eingeständnis sah, dass diese letztlich doch dort bauen wolle. „Der erste Teil des Antrags ist doch ohnehin schon lange Beschlusslage, jetzt soll nur noch ein Ausgleich dazu geschaffen werden“, argumentierte er. An welcher Stelle im ohnehin kleinen Stadtgebiet es die geforderten Flächen zum Ausgleich noch gebe, sei seiner Fraktion jedoch schleierhaft. Die Antwort darauf, blieb der CDU-Fraktionsvorsitzende seinen Kollegen an diesem Abend zunächst schuldig.

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Als wenig aussichtsreich und schlichtweg überflüssig lehnt Obertshausens FDP beide Anträge ab. Bereits beim ersten Anlauf im Jahr 1999 die Gebiete schützen zu lassen habe die zuständige Behörde angemerkt, dass Wohnungsnot bestehe und die Stadt eher noch zusätzliche Wohnflächen schaffen sollte. Inzwischen sei es mit dem Platz noch enger, erläuterte Fraktionsmitglied Axel Kuhn. Die Flächen vorerst nicht zu bebauen sei eine Sache, aber sie ersatzlos aus dem Flächennutzungsplan streichen eine andere. Zumal diese bereits als Ackerland genutzt würden und somit nicht als bedeutsam einzustufen seien. „Wer sind wir denn, wenn wir bereits heute einer demokratisch gewählten Mehrheit in 15 oder 30 Jahren das Bauen verbieten wollen“, ist er überzeugt.

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