Mental-Trainer Peter und Stefanie Picard

Hindernislaufen im Hirn

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Stefanie (Bild unten) und Peter Picard stehen regelmäßig vor der Kamera. Zum Beispiel bei der RTL2-Dokumentation „Extrem schwer“.

Obertshausen - Um anderen helfen zu können, müssen Menschen sich selbst verstehen. Um sich selbst zu verstehen, braucht es mehr als einen kurzen Ausflug durch die Körpertür in die Kopfraumwohnung: Peter und Stefanie Picard bieten seit 1988 mentales Training. Von Eva-Maria Lill 

Und fordern sich selbst mit Schauspiel, Fernsehauftritten und Weltrekordversuchen. Wenn Blicke in die Seele gehen, sind Besucher von Peter und Stefanie Picard anschließend bis aufs Innerste nackt. Ein angenehmer, unaufdringlicher Mental-Striptease. Weil die beiden mit wenig Lärm und viel Erfahrung verstehen, welche Zeiger im Menschen ticken. Was die Küche im Gehirn zusammenbraut und der Körper schließlich ausspuckt. Seit 1988 bietet das Oberts-hausener Ehepaar Training für Körper, Geist und Seele in Offenbach. „Senseido“ heißt ihr Konzept – aus dem Japanischen sinngemäß übersetzt: „Der Weg zur Meisterschaft“. Grob geht es um die Einheit von außen und innen, Psyche und Physis. Eine Idee aus der chinesischen Medizin. „Heute klingt das vertraut“, sagt Peter Picard. „Zumindest intellektuell ist der Ansatz im Westen angekommen. Mit der Umsetzung sieht es anders aus.“ Noch immer sei diese Vorstellung für viele „esoterischer Hokuspokus.“

Ganz und gar weltlich geht es in ihren Trainingsräumen an der Frankfurter Straße zu. Hell, aufgeräumt. Moderne Fitnessgeräte, ein Dojo, eine Arena für Samurai-Kampf. An den Wänden im Besprechungszimmer deckenhoch Bücherregale. Titel von Psychologie über Kampfkunst bis zur klassischen Medizin. Die Picards als vielfältig interessiert zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung. Peter Picard ist zehn Jahre alt, als sein Bruder Harald ihm fernöstliche Kampfkunst zeigt, aufgeschnappt bei der Bundeswehr. Ein paar Griffe und für den Jungen steht fest: Er will Wettbewerbe gewinnen. „Das war die Zeit der berühmten Kung-Fu-Filme“, erinnert sich der heute 53-Jährige. Sein großes Vorbild damals: Arnold Schwarzenegger. In einer Zeitschrift liest Peter, dass „Arnie“ pro Tag etwa vier Stunden trainierte. „Ich dachte: Mach ich sechs, dann bin ich auf der sicheren Seite.“

Kurze Zeit später kommt Peter Picard mit Philosophie in Berührung. Mit elf lernt er von einem blinden Masseur das Meditieren, spezialisiert sich auf Taekwondo. Er wird vielfacher nationaler und internationaler Meister in fünf verschiedenen Gewichtsklassen, leitet Trainingseinheiten in Mühlheim. Als er Stefanie kennenlernt, schlägt ihr Herz für Wettkampfgymnastik und Tennis. Sie ist für den Club am Waldbad und Teutonia Hausen aktiv. Auch für Taekwondo begeistert sie sich. Es braucht aber „diesen einen, magischen Moment“, wie sie sagt, um sich dem Weg ihres späteren Mannes anzuschließen. Bei den internationalen Hessenmeisterschaften sitzt sie auf der Tribüne, Peter steht auf der Matte, ein wichtiges Duell. „Er hat einen Kampfschrei losgelassen. Von unten heraus, wie eine Welle. Die Frau neben mir hat nur gesagt: Boah, was für ein Tier“, erzählt die heute 49-Jährige. Der Gegner sei vor ihm zurückgeschreckt, bei jedem Angriffsversuch hingefallen. „Peter hat gesiegt, ohne wirklich zu kämpfen. Nur mit gebündelter Energie.“

Energie. Ein Schlagwort, dass die Picards wiederholen wie ein Credo. Energie. Wille. Hindernisse. Es geht nicht darum, mit „Senseido“ Krankheiten zu heilen. Auch, wenn das Konzept viel mit Psychologie und Körpertraining zu tun hat. „Lebensmeisterschaft“, passt vielleicht am besten. „Man ist nicht hilflos ausgeliefert“, sagt Peter Picard. „Senseido“ sei ein Werkzeugkasten für den Umgang mit Rückschlägen, Hürden und Furcht. „Das heißt nicht, dass es keine Niederlagen mehr gibt“, verdeutlicht Stefanie Picard, „aber einen Weg, damit umzugehen.“ Mentale Stärke sei ein Muskel, der mit genug Training auch scheinbar Unmögliches stemmen kann. Das passt sowohl in Abitur-Seminaren als auch in Kursen für Manager und Leistungssportler.

Laute in Bewegungen umwandeln - Heileurythmie

Ihr Konzept durften die Picards bereits mehrfach im Fernsehen zeigen. Etwa bei der RTL2-Show „Extrem schwer“, in der adipöse Kandidaten vor der Kamera ihrem Gewicht den Kampf ansagen. Stefanie ist zudem seit Jahren als Schauspielerin unterwegs. Am 1. Februar flimmert sie zum Beispiel in einer Folge der Krimi-Serie Köln 50667 über die Mattscheibe. „Rollen zu übernehmen heißt, Gefühle loszulassen. Das ist unserem Mental-Training sehr ähnlich“, sagt die Obertshausenerin.

Picard. Ein Name, der auch im Guinessbuch der Rekorde steht. 1992 durchschlägt Peter beim sogenannten „Bruchtest“ zehn 20 Zentimeter dicke Eisstangen. „Es hieß, das sei unmöglich“, sagt der Mental-Trainer. Beim ersten Rekord-Versuch schafft er „nur“ acht. „Ich war total enttäuscht“, erinnert er sich. Am nächsten Morgen meditiert er am Obertshausener Angelweiher. Wagt einen neuen Anlauf – und packt die zehn. Der Rekord steht bis heute.

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